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Ford GT - erster Test Ford GT 2017

Messerscharf

530.000 Euro ohne Steuern. 656 PS. 347 Kilometer pro Stunde. 2,8 Sekunden auf 100. Lange Warteliste. Das ist der Ford GT. Erster Test.

Marcel Sommer/mid

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Allein die Daten des Ford GT bescheren einem ein Kribbeln am ganzen Körper. Wer das Kribbeln jeden Tag spüren möchte, braucht eigentlich nur zum nächsten Ford-Händler zu gehen und darum bitten, auf die GT-Liste gesetzt zu werden.

Liste? Bei dem Preis? Ja, richtig. Rund 6.500 Interessenten stehen bereits auf dieser Liste, die, sollte Ford seine Drohung wahrmachen, lediglich für 1.000 zum Ziel führen wird.

Wer den neuen Ford GT haben möchte, der muss entweder ein in der Szene bekannter Sammler, ein GT-Besitzer, ein Promi oder ein überaus erfolgreicher Händler sein. Ach ja - da wäre noch eine Sache. Und genau in diesem Punkt lässt Ford überhaupt nicht mit sich reden: Der neue GT muss erstens zugelassen und zweitens gefahren werden. Kaufen und später noch teurer weiterverkaufen gilt nicht.

Was die im Endeffekt wenigen realen GT-Kunden bekommen, ist nichts weniger als ein Rennwagen mit Kfz-Kennzeichen. Schon das Design lässt erahnen, dass es im Innenraum des Carbon-Monocoque heiß zugeht. Wer jetzt mit Begriffen wie Ladekante oder Kofferraumvolumen ums Eck kommt, hat beim GT nichts verloren.

11,3 Liter fasst sein Gepäckfach hinter dem unter Glas verborgenen 3,5 Liter großen V6-Twinturbomotor. Selten zuvor lagen Hubraum- und Gepäckraumvolumen näher beieinander als beim Ford GT. Doch damit nicht genug. Ein Aufkleber erinnert daran, dass maximal 150 Kilogramm zugeladen werden dürfen.

Damit gemeint sind Fahrer, Beifahrer und Gepäck. Ansonsten würde das maximal zulässige Kampfgewicht von 1.710 Kilogramm überschritten, was sich bestimmt auch negativ auf den Tempo-100-Sprint auswirken würde, der dann vielleicht mal ausnahmsweise länger als 2,8 Sekunden dauern würde.

Neben der sehr präzisen und gefühlvoll zu bedienenden Lenkung, dem satten Sound und dem hervorragenden Kurvenverhalten hat der GT aber noch eine ganz andere Besonderheit zu bieten. Denn er könnte dank seines hydraulischen Dämpfersystems fast schon als Lowrider durchgehen.

Per Knopfdruck lässt sich sein Fahrwerk um fünf Zentimeter auf dann nur noch sieben Zentimeter absenken. Wobei der Begriff des Absenkens ein wenig zu harmlos klingt. Es ist vielmehr ein Fallen. Schalter drücken, rumms. Der Weg zurück ist ebenso rabiat.

Und sollte einmal ein Bremshügel die Straße zieren, reicht ebenfalls ein Knopfdruck bis Tempo 40 und die hübsche Nase wird auf 17 Zentimeter geliftet. Ähnlich rabiat geht es über dem heißen Hintern des GT zur Sache. Denn der Heckspoiler wird ebenfalls hydraulisch aus seinem Tiefschlaf gerissen.

Da verwundert es nicht, dass er sich nicht im Stand wieder einfahren, sondern erst ab Tempo 40 in seine ursprüngliche Position versetzen lässt. Zu groß wäre das Geschrei, wenn dabei ein Paar Finger auf der Strecke bleiben.

Von Schmerzen wollen aber nicht nur Ford GT-Fahrer nichts wissen. Das bleibt auch so, sollten sie unter 1,95 Meter groß sein. Andernfalls wird der stete Kontakt mit dem Dachhimmel sie bei jedem Kieselsteinchen an ihre nicht-GT-gemäße Figur erinnern.

Aber auch Fahrer unter 1,70 Meter Körpergröße werden trotz verschiebbarer Pedalerie keinen Spaß auf dem Fahrersitz erleben können. Zu weit entfernt ist die aus lediglich zwei Tasten bestehende Gas-Bremse-Klaviatur dann noch.

Der geringe Platz auf dem Beifahrersitz bietet sich hingegen für zierliche Maße an. Was dort allerdings fehlt, ist jegliche Möglichkeit sich festzukrallen. Und schon in der nächsten Kurve wird klar, dass die Rennversion, die ganz nebenbei auch noch das 24-Stunden-Rennen von LeMans gewonnen hat, vor dem Straßenauto fertig entwickelt war.

Ohne auch nur ein kurzes Aufflackern der dann doch irgendwo verborgenen und im Hintergrund wachenden Traktionskontrolle geht es brachial aus der scharfen Rechtskurve. Eine minimale Kurskorrektur später geht der Sprint nach vorn weiter. Nur, um vor der nächsten Linkskurve in die Gurte geworfen zu werden.

Die Carbon-Keramik-Bremsanlage scheint von einem anderen Stern. Doch bevor noch dieser Gedanke vollendet ist, ertönt erneut die Fanfare aus dem Heck, dem wenige Zentimeter hinter dem eigenen Hinterkopf platzierten Motorraum. Ford hat Recht: Der neue GT muss gefahren werden.

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