Ford Focus 1.0 Dreizylinder - schon gefahren | 22.02.2012
Drei Zylinder für ein Halleluja
Ford beweist mit dem neuen Einliter-Dreizylinder im Focus eindrucksvoll, dass Downsizing funkioniert und sogar der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt.
Gewisse Dinge in unserem Leben sind mit Vorurteilen behaftet. Im Falle vieler Motorjournalisten war das z.B. der Dreizylinder-Motor.
Akustisch unvorteilhaft, schlechte Laufruhe und zudem kein Wunder an Spritzigkeit. Mit einer dementsprechenden Portion Skepsis machten wir uns auf zum Test des neuen Ecoboost-Dreizylinder von Ford.
Noch dazu, wo der nicht im Fiesta, sondern im Focus - einem ausgewachsenen Vertreter der Kompaktklasse – präsentiert wurde. Auch wenn die Leistung von 100 bzw. 125 PS akzeptabel klingt, können drei Zylinder und nur ein Liter Hubraum den Focus standesgemäß bewegen?
Dass Ford mit den Ecoboost-Benzinmotoren gute Arbeit leistet, hat man bereits bei den 1,6 Liter Vierzylindern mit 150 bzw. 182 PS im Focus gesehen, auch das neue ST-Triebwerk mit zwei Litern Hubraum und 250 PS zählt zur Familie.
Die Theorie klingt gut
Die technische Präsentation versucht uns, die Geheimnisse des neuen, kleinen Motors in der Theorie näherzubringen. Ein kleiner Turbolader – der bis 250.000 U/min dreht und mit gutem Ansprechverhalten aufwartet – sorgt für den Boost und ermöglicht das Downsizing des Hubraums.
Direkteinspritzung und Nockenwellenverstellung ermöglichen hohe Effizienz, gegenüber dem 1,6 Liter Saugbenziner mit 125 PS spart der neue Motor bis zu 20 Prozent Treibstoff. Und das alles bei wesentlich mehr Fahrspaß, sagt man.
Um die Dreizylinder-typischen Vibrationen zu eliminieren, hat Ford Schwungrad und Kurbelwellendämpfer mit gezielten Unwuchten versehen, zudem hat man viel in die Geräuschdämmung investiert.
Genug der Theorie, wir nehmen Platz im Ford Focus. Die Akustik beim Starten des Motors unterscheidet sich zwar etwas von den Vierzylindern, fällt aber nicht unangenehm auf. Bereits auf den ersten Metern weiß der Dreizylinder mit Durchzug aus dem Drehzahlkeller zu gefallen.
Die Praxis überzeugt noch mehr
Kein Wunder, steht doch das maximale Drehmoment von 170 Nm (bis 200 Nm bei Overboost) bereits ab 1.500 U/min zur Verfügung und verteilt sich linear über den Großteil des Drehzahlbandes bis 4.500 U/min. Damit vereint der Motor die Vorzüge eines Turbodiesels mit jenen eines Saug-Benziners.
Spritzig geht es vorwärts, definitiv flotter als wir das erwartet hätten. Die Vibrationen wurden nahezu vollständig eliminiert und selbst die Geräuschkulisse hinterlässt keinen unangenehmen Beigeschmack, Ford hat ganze Arbeit geleistet.
In 11,4 Sekunden beschleunigt der 125 PS starke Dreizylinder auf Tempo 100 km/h und liegt damit in etwa auf dem Niveau des 115 PS 1,6 Liter Turbodiesel.
Auch der Durchschnittsverbrauch liegt mit 5,1 Litern auf 100 Kilometern fast auf Dieselniveau (4,5 Liter), wenngleich der Verbrauch aufgeladener Benzinmotoren erfahrungsgemäß empfindlicher auf Fahrer mit schwerem Gasfuß reagiert. Wie die Verbrauchswerte in der Praxis aussehen, wird ein ausführlicher Test zeigen.
Ab 18.800 Euro
Ford beweist mit dem neuen Einliter-Dreizylinder jedenfalls eindrucksvoll, dass Downsizing auch ohne Verzicht funktionieren kann. Und wirft man einen Blick auf die Preisliste, so ist der neue Motor (ab 18.800 Euro) auch preislich eine Alternative zum über 2.000 Euro teureren 115 PS Turbodiesel.
Einziger Wermutstropfen: Das Powershift-Doppelkupplungsgetriebe bleibt bis auf weiteres den Selbstzündern und dem 125 PS Saugbenziner vorbehalten, die Ecoboost-Motoren sind ausschließlich mit manuellem Getriebe zu haben.
Ausstattung & Preise







