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Toyota GT86 2.0 Boxer D-4S - im Test Toyota GT86 2017

Toy, toy, toy!

Mit dem Toyota GT86 kann man den Klassiker der Zukunft schon heute beim Toyota-Händler abholen - seit kurzem in facegelifteter Version. Im Test.

Bernhard Reichel

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Seit 2011 hat Toyota den gemeinsam mit Subaru entwickelten Sportwagen GT86 mit allen klassischen Tugenden - Heckantrieb, Saugmotor, optimale Gewichtsverteilung - im Programm.

Ebenso klassisch fiel die aktuelle Modellpflege des 4,2 Meter langen Sportcoupés aus. Wie gehabt wirkt der GT86 zeitlos und kopiert nicht das neuerdings sehr extrovertierte Design anderer Toyota-Modelle.

Die Front verfügt nun über eine neue Schürze, einen größeren Kühlergrill, LED-Scheinwerfer anstelle von Xenon und eine geänderte Nebelscheinwerferform. Ebenso haben die LED-Rückleuchten und die Felgen ein neues Erscheinungsbild. Die seitlichen Lufteinlässe am Kotflügel kennt man vom Subaru BRZ, der gewachsene Heckflügel kann auf Wunsch abbestellt werden.

Im Innenraum zogen edlere Materialien ein. Die Instrumententafel ist mit Wildleder bezogen, die Sportsitze und Türverkleidungen tragen auf Wunsch einen Leder-Alcantara-Mix. Das Sportlenkrad wurde sinnvoll verkleinert, optisch neu gestaltet und mit Multifunktionstasten ausgestattet.

Der Bordcomputer zog in das überarbeitete Kombidisplay ein und offenbart alle zeitgemäßen Daten und einige Spielereien. Darunter etwa aktuelles Drehmoment, Rundenzeiten oder Fliehkräfte Der Zeiger des Drehzahlmessers hängt im Ruhezustand nun schön sportlich im Lot. Der TFT-Bildschirm in der Mittelkonsole ist mit 6,1 Zoll immer noch nicht besonders groß, wurde aber mit gut bedienbaren Tasten verfeinert.

Das Fahrwerk wurde mit veränderter Dämpfung, Federung und Vorderachs-Geometrie völlig neu abstimmt. Die Hinterachse liegt einen Hauch tiefer. Auch die Karosserie-Steifigkeit wurde verbessert.

Auf der Elektronikseite zog der so genannte Track-Modus ein, bei dem das ESP Driftwinkel bis zu einem gewissen Grad zulässt. Das ESP lässt sich parallel dazu auch völlig abschalten.

Unter der Haube erfreut der Blick auf den tief liegenden und völlig unverkleideten Boxermotor von Subaru. Trotz lauten Publikumsrufen nach mehr Leistung bleibt es bei 200 PS und 205 Nm Drehmoment. Es müssen ja auch nur 1,2 Tonnen bewegt werden.

Der Vierzylinder wurde allerdings in Richtung Standfestigkeit und Abgasreduktion (Euro 6) überarbeitet. Ohne Turbo ist der GT86 hetzutage eine rare Spezies und wird später ein begehrter Youngtimer sein. Mit 7,6 Sekunden auf Tempo 100 und 226 km/h bleiben Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit gegenüber dem Vorgänger identisch.

Das Triebwerk erwacht ziemlich rau per Knopfdruck. Die Kupplung tritt sich nicht zu streng, genau richtig. Die Gänge lassen sich präzise und knackig einlegen, die Schaltwege sind kurz. Der Boxer liefert ausreichend Leistung und schwimmt im Alltag auch drehzahlarm im Verkehr mit.

Möchte man ihn aber artgerecht ausführen, bedarf es weiterhin ordentlich Drehzahl. Unter 4.000 Touren passiert herzlich wenig. Ab da verschärft sich auch der Sound: Metallisches Rasseln geht linear in immer kernigeres Kreischen über. Bei 7.000 Touren liegt schließlich die volle Leistung an. Da geht es auch schön zügig vorwärts. Die Gasannahme ist herrlich unmittelbar.

Spätestens in Kurven offenbart sich, was einen echten Sportwagen ausmacht - und da gibt sich der GT86 keine Blöße. Das überarbeitete Fahrwerk ist erste Klasse: Perfekte Rückmeldung, kein Wanken, kein Versetzen und absolut linientreu.

Die Präzision bei höheren Geschwindigkeiten ist grandios. Der Seitenhalt und die gleichzeitige Bequemlichkeit der Sportsitze suchen Ihresgleichen. Die Lenkung arbeitet sehr direkt und rückmeldefreudig. Die Bremsen beißen kraftvoll zu, benötigen aber etwas Nachdruck.

Quertreiben lässt es sich auch wunderbar. Kurz einen Lastwechsel provozieren, dann lässt sich der Driftwnkel dank der linearen Leistungsentfaltung sehr sauber kontrollieren. Kein Wunder, dass der GT86 mit 165 Kilometern den Weltrekord im Dauerdrift hält.

Der Verbrauch lag mit 8,9 Litern relativ nah an den angegebenen 7,8 Litern der Werksangabe. Allerdings verlangt der Sauger nach teurem 98-Oktan-Super.

Bedenkt man, dass die Normverbrauchsabgabe (NoVA) bei satten 18 Prozent liegt, klingt der Einstiegspreis von 33.480 Euro trotz leichter Erhöhung nach einem Schnäppchen. Schon in der Basis "Pure" ist so gut wie alles enthalten, wie etwa Sperrdifferenzial, LED-Licht, Klimaanlage, Airbags für Seite, Kopf und Knie der vorderen Gäste, 16-Zöller, Bluetooth.

Für zwei Tausender mehr gibt es die - getestete - namenlose Vollausstattung mit 17-Zoll-Rädern, Klimaautomatik, Lichtsensor, innenbelüfteten Scheibenbremsen auch hinten, Tempomat, Startknopf und Multifunktions-Lederlenkrad. Leder-Alcantara-Sitze gibt es für 1.250 Euro, Navi für 835 Euro, Sachs-Fahrwerk für 400 Euro und Automatik - die Performance kostet, aber Sprit spart - für knapp 1.000 Euro.

Plus
+ drehfreudiger Motor
+ hohes Maß an Rückmeldungen
+ bestmöglich abgestimmtes Fahrwerk
+ sensationelle Sitze
+ ideales Drift-Gerät

Minus
- wenig Drehmoment im unteren Tourenbereich

Resümee
Der Toyota GT86 ist ein perfekter Sportwagen für vergleichsweise kleines Geld. Layout mit tiefen Schwerpunkt und ausgeglichener Gewichtsverteilung, Antrieb, Sperrdifferenzial, Sitze, Sitzposition, Lenkung, Bremsen - alles perfekt.

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