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Ennstal-Classic 2012 | 21.07.2012
„Ennstal war Teambuilding!“
Warum die beiden Porsche-Piloten die Ennstal-Classic als Teambuilding betrachtet haben. Wie man in der WEC zulegen möchte. Und über den Porsche LMP1 für 2014.
Michael Noir Trawniczek
Fotos: Peter Meierhofer, Photo4
Mit einem der schönsten Exponate des Porsche-Museums, einem Porsche 356 Carrera GT aus dem Jahr 1960 nahmen Richard Lietz und sein Teamkollege bei Felbermayr-Proton, der Deutsche Marc Lieb gemeinsam an der Ennstal-Classic 2012 teil. Dort nahmen sich die beiden Piloten der Langstrecken-WM (WEC) auch Zeit für ein kurzes Interview.
Bei der Ennstal-Classic haben viele damit gerechnet, dass ihr auf dem Red Bull Ring, auf eurem Metier Rundstrecke gut abschneiden werdet, doch da ist euch der Sprit ausgegangen – wie hat das passieren können?
Marc Lieb: Da zeugt wieder einmal, dass man ein noch so guter Rennfahrer sein kann – wenn die richtige Strategie fehlt, kann man nichts ausrichten. Wir hatten keinen Norbert Singer an unserer Boxenmauer, der unsere Spritkalkulationen macht. Deswegen haben wir uns da ein bisschen verkalkuliert und sind in der ersten gezeiteten Runde mit Aussetzern liegen geblieben.
Richard Lietz: Immerhin: Die meisten Punkte haben wir erhalten, denn wir erhielten gleich 2000 Strafpunkte. Normalerweise, wenn wir einen Fahrerwechsel machen, habe ich ein vollgetanktes Auto – doch diesmal war es leider nicht so. Just, als wir eine Attacke auf das Polizeiauto gestartet haben, kamen die Aussetzer – dann haben wir noch versucht, eine Runde herumzurollen, das ging auch noch gut, aber wenn wir sie beendet hätten, wären wir auf der Strecke ausgerollt.
Bevor wir abgeschleppt worden wären und uns komplett blamiert hätten, haben wir lieber gesagt, wir haben uns vertan haben und sind eine Runde zu wenig gefahren. Aber natürlich war es der Sprit – so ehrlich muss man sein.
War das für euch die erste Gleichmäßigkeitsveranstaltung?
Marc Lieb: Für mich schon, der Richard ist, glaube ich, schon eine gefahren. Für mich war es das erste Mal, ich hatte am Donnerstag zum ersten Mal ein Roadbook in der Hand, das war eine ziemlich neue Erfahrung für mich. Ich musste zunächst lernen, dass man es von unten nach oben liest. Dann haben wir ein paar Mal den Start der SP verpasst und wir haben auch einige Male ziemlich viele Strafpunkte ausgefasst, die unnötig waren. Aber es hat wirklich viel Spaß gemacht, das war wirklich genial, hier mit diesem wunderschönen Porsche mitzufahren.
Ihr sitzt normalerweise, bei euren Einsätzen in der Langstrecken-WM nicht zu zweit im Auto, sondern nacheinander –wie war diese Erfahrung für euch?
Marc Lieb: Wir haben es als Teambuilding betrachtet – so etwas müssten eigentlich alle Langstreckenfahrer absolvieren, die eine ganze Saison zusammen fahren müssen, weil es wirkliches Teambuilding ist. Man wechselt sich ab, man muss zusammenarbeiten – der eine schaut ins Roadbook, der andere fährt.
Aber ich weiß ja, dass ich mich beim Richard auf alles verlassen kann – wenn auf der Langstrecke das Auto an die Box bringe, dann weiß ich, dass da einer einsteigt, der genauso gut wenn nicht besser ist als ich. Und so war es auch hier – ich hatte neben ihm im Auto niemals Angst oder ein schlechtes Gefühl.
Zwei gute Fahrer – aber in Le Mans hat euch heuer die Technik in Stich gelassen…
Marc Lieb: Wir haben damit als Fahrer mit Sicherheit abgeschlossen. Es sind zuletzt die ganzen 24 Stunden-Rennen außer Daytona ziemlich schlecht für uns gelaufen. Le Mans war für uns bitter. Einerseits weil es schade ist, wenn man morgens um fünf Uhr das Rennen beenden muss.
Und zweitens, weil uns da sehr viele Punkte durch die Lappen gegangen sind für die WEC-Wertung. Das hat uns extrem wehgetan, weil es in Le Mans die doppelte Punkteanzahl gab und wir ohnehin nur ein Auto in der Wertung haben. Das hat als richtig gekostet. Jetzt müssen wir gucken, dass wir beim nächsten Rennen in Silverstone konkurrenzfähiger sind und natürlich auch ins Ziel kommen.
Wie wird man beim nächsten Rennen konkurrenzfähiger?
Richard Lietz: Wir waren testen. Und wir haben auch vor, weiter zu testen, soviel ich weiß. Dazu wird es auch eine ‚Balance Of Performance‘-Anpassung geben. Ich glaube, dass wir jetzt einen ähnlichen Aerodynamikstand haben wie in Amerika, wo sie das letzte Rennen gewinnen konnten – von daher glauben wir, dass wir in Silverstone näher dran sein können.
Sicher war in Le Mans die Technik schuld an unserem Ausfall – aber das bekommen wir hin, zumal in Silverstone ohnehin nur sechs Stunden gefahren wird. Aber wir wollen auf alle Fälle auch bei der Performance zulegen.
Wie schaut es beim LMP1-Projekt von Porsche aus? Da steigt man ja 2014 in die große Spielklasse der Langstreckenweltmeisterschaft ein…
Richard Lietz: Es ist so, dass die Lichter in Weissach derzeit sicherlich sehr spät ausgehen, weil sich alle auf 2014 konzentrieren. Einige Ingenieure sind eingestellt worden. Obwohl man vom ACO immer wieder Veränderungen am Regelwerk hört, wie erst vor kurzem, dass die Cockpitkanzel größer wird. Was dann wieder eine einschlagende Veränderung mit sich bringt, welche die Ingenieure berücksichtigen müssen. Aber man arbeitet auf Hochtouren und ich bin überzeugt davon, dass sie ein gutes Produkt bringen werden.
Wer wird mit dem Porsche LMP1 fahren?
Richard Lietz: Das ist eine andere Frage – der Marc und ich konzentrieren uns momentan auf GT, das ist genauso wichtig. Vor allem auch, weil es ein Kundensport ist und unsere Kunden ein Auto haben wollen, mit dem man gewinnen kann.
Marc Lieb: Das ist natürlich eine spannende Aufgabe für alle in Weissach. Es gibt viel Arbeit, wir haben viele Projekte. LMP1 2014 ist natürlich ein ganz besonderes Ereignis – es gibt sehr viele Änderungen im Reglement, da wird es unheimlich spannend sein, zu sehen, welche Technik, welche Innovationen dort von welchem Hersteller kommen werden.
Und egal on wir dabei sein werden oder nicht – wir freuen uns, wenn wir da im Werk mit dabei sind und das hautnah miterleben können. Das ist auf jeden Fall eine Riesengeschichte.
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