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Formel 1: News

Whitmarsh über die kurzlebige Formel 1

Martin Whitmarsh erzählt, wie schnell es in der Formel 1 vorbei sein kann. Der McLaren-Teamchef weiß aber auch: „Es gibt ein Leben nach der Formel 1.“

Würde man nach den bisher fünf gefahrenen Rennen den Absteiger der Formel-1-Saison 2013 wählen, so fiele die Wahl höchstwahrscheinlich auf McLaren. Mit dem MP4-28 gelingt es dem erfolgsverwöhnten Team bisher noch in keiner Weise, an die Leistungen des Vorjahres anzuknüpfen. Zur Erinnerung: Noch beim Saisonfinale 2012 waren Lewis Hamilton und Jenson Button geschlossen in die erste Startreihe gefahren, im Rennen folgte ein Sieg Buttons. In dieser Saison ist bisher ein fünfter Platz des Briten das beste Ergebnis. In der Konstrukteurswertung liegt das Team nur auf Rang sechs.

Wie üblich im Profisport werden bei Misserfolgen schnell personelle Konsequenzen gefordert. Und so dauerte es nicht lange, bis vor allem in britischen Medien über eine mögliche Ablösung des Teamchefs Martin Whitmarsh spekuliert wurde. Zwar deutet derzeit nichts darauf hin, dass der 55-Jährige in absehbarer Zeit seinen Posten verlieren könnte, doch sollte es irgendwann dazu kommen, würde es Whitmarsh nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, denn der Brite hat eine philosophische Sichtweise auf seinen Job.

"Ich mache diese Arbeit - sollte es jemanden geben, der besser darin ist, sollte er den Job bekommen und ich würde gehen und mir etwas anderes suchen", wird Whitmarsh von der Zeitung Sunday Telegraph zitiert. Der Teamchef betont, dass er nicht an seinem Posten kleben würde: "Ich brauche diese Position nicht, um zu zeigen wer ich bin oder was ich erreichen möchte." Whitmarsh ist sich dabei der Tatsache bewusst, dass er in einer Branche arbeitet, in der auch kurzfristige Personalentscheidungen getroffen werden können.

Entlassung droht an jedem Tag

"Schon morgen können die Anteilseigner entscheiden, jemand Besseren zu holen. Wenn sie dich nicht mehr mögen, dann bist du weg. Das ist ein Privatunternehmen, die Anteilseigner könnten mich noch heute Nachmittag entlassen", unterstreicht Whitmarsh. "Das wäre zwar für einige Stunden ein Schock, aber dann realisierst du, dass das Leben weitergeht." Das sieht der McLaren-Teamchef nicht nur philosophisch, sondern auch ganz konkret praktisch und lebt danach.

"Ich plane so, als könnte all das morgen zu Ende sein. Ich sage immer: Habe keine Schulden, habe nicht zu viele Hypotheken. Lebe von einem kleinen Teil deiner Einkünfte. Falls es schief geht, kannst du dennoch mit Überzeugung weiterleben", erläutert Whitmarsh seine Lebenseinstellung. Dadurch fühlt er sich auch bei der Entscheidungsfindung freier: "Ganze Karrieren werden darauf aufgebaut, keine Fehler zu machen, aber ich werde mir selbst treu bleiben und das machen, was ich für richtig halte."

Auch an die Tatsache, dass er als Person des öffentlichen Lebens im Fokus der Medien steht und dort auch öffentlich kritisiert wird, hat sich Whitmarsh nach vielen Jahren in der Formel 1 mittlerweile gewöhnt. Und mit ihm auch seine Familie: "Meine Mutter hat schon ein paar Mal meine Todesanzeige in der Zeitung gelesen, aber mittlerweile habe ich sie daran gewöhnt", sagt Whitmarsh dem Daily Mirror. Seine Mutter Betty sei demnach die einzige Kritikerin, deren Meinung er sich zu Herzen nehme: "So lange ich mit ihr zurechtkomme, ist alles andere auch in Ordnung."

Partnerschaft mit Honda "Synonym für Erfolg"

Abgefunden hat sich Whitmarsh auch mit dem Umstand, dass Leistungen der Vergangenheit bei Misserfolgen schnell in Vergessenheit geraten: "Du kannst sehr schnell vom Held zur Null werden", so der Teamchef im Sunday Telegraph. Allerdings, so stellt Whitmarsh klar, führe diese über den Dingen stehende Einstellung nicht dazu, dass er seine Aufgabe mit nachlassendem Ehrgeiz angehe. Der 55-Jährige verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfolgsbilanz von McLaren in der Formel 1. Alleine in Whitmarshs Zeit beim Team - er kam im Jahr 1989 nach Woking - fuhr McLaren über 100 Grand-Prix-Siege ein.

"Das erwarten wir von uns selbst. Ich möchte nicht bei einem Rennen erscheinen ohne daran zu glauben, dass wir gewinnen können. Deshalb bin ich im Motorsport", erläutert er seine Motivation. An diese Erfolge soll auch die im Jahr 2015 beginnende Partnerschaft mit Honda anknüpfen, die für Whitmarsh mit Blick auf die Resultate der Jahre 1988 bis 1992 ein "Synonym für Erfolg" ist: "Sie wird uns wieder dorthin bringen. Wir haben mit diesem Auto dramatisch unterdurchschnittliche Leistungen abgeliefert, aber wir haben uns schon früher wieder zurückgekämpft", so der Teamchef.

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