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Grand Prix von Bahrain

„Noch nie mit weniger Leistung gefahren“

Mit seinen Funksprüchen demütigte Fernando Alonso Motorenpartner Honda erneut vor der Öffentlichkeit, dabei war das Wochenende ohnehin ein einziges Debakel.

"Ich bin noch nie mit weniger Leistung in meinem Leben gefahren", beschwerte sich Fernando Alonso während des Großen Preises von Bahrain über sein Dienstgefährt - harte Worte von einem Fahrer, der seine Formel-1-Karriere bei Minardi mit einem "European" genannten veralteten Cosworth-Motor begann. Doch der Spanier weiß, wann er seine Spitzen wegen seines unterlegenen Materials anbringen muss

Brüllte er einst beim Honda-Heimspiel in Suzuka "GP2-Motor" über den Funk, sparte er auch nicht beim Heimrennen von McLaren-Anteilseigner Mumtalakat (die 50 Prozent des Teams halten) mit Kritik. "Wie kann es sein, dass der mich überholt, wenn der am Anfang der Geraden 300 Meter hinter mir ist?", fragte er etwa seinen Renningenieur über einen Konkurrenten.

Der Höhepunkt des Arbeitstages des zweimaligen Weltmeisters war wieder einmal sein vorzeitiges Ausscheiden. Diesmal dauerte es jedoch bis kurz vor Fallen der Zielflagge, bis Alonso seinen Boliden an die Box schaffte und ausstieg. "Wir hatten ein weiteres Motorenproblem, von daher konnten wir das Rennen nicht beenden", lautet die offizielle Version des Spaniers für seine Aufgabe. Ob das so stimmt, ist eine andere Sache.

Auch McLaren selbst windet sich in seiner Presseerklärung und will keinen genauen Defekt an der Power-Unit festgestellt haben: "Fernando fuhr sein übliches starkes Rennen, bis er in Runde 55 gespürt hat, dass etwas falsch läuft", erklärt Rennleiter Eric Boullier. Und auch Hondas Motorenchef Yusuke Hasegawa bezieht sich bei den Gründen für das Ausscheiden nur auf das Gefühl des Spaniers. "Wir untersuchen nun, wo das Problem lag", heißt es laut Boullier.

Vandoorne kann nicht einmal starten

Zu verlieren hatte Alonso zu diesem Zeitpunkt ohnehin nichts mehr. Er lag außerhalb der Punkteränge und hätte Bahrain auch ohne das angebliche Problem nicht mit Zählern verlassen. "Ich habe gespürt, dass ich weniger Leistung als normal habe. Also habe ich Geschwindigkeit herausgenommen", erklärt er im Nachhinein und legt es als Schonen aus: "Hoffentlich konnten wir diesmal den Motor retten."

Der traurige Tiefpunkt des Honda-Wochenendes war das jedoch nicht. Dieser folgte nämlich schon vor dem Grand Prix, weil Stoffel Vandoorne das Rennen nicht einmal starten konnte. Ein Problem mit dem Wasserdruck wurde auf dem Weg in die Startaufstellung festgestellt. "Wir glauben, dass es das gleiche Problem ist, dass wir schon am Freitag hatten", seufzt Hasegawa. Schon dort wurden zwei MGU-H-Schäden beim Belgier festgestellt, bei Alonso einen Tag später der dritte.

"Es ist enttäuschend", hadert Vandoorne, der im Jahr zuvor noch ein sensationelles Debüt mit dem ersten Formel-1-Punkt feiern konnte. An diesem Wochenende kam er jedoch im Training kaum zum Fahren, musste im Qualifying nach Q1 aufhören und konnte am Sonntag keine einzige Runde drehen. "Stoffel arbeitet so hart, aber an diesem Wochenende hatte er einfach so viel Pech", fühlt auch Teamkollege Alonso mit und stellt Honda an den Pranger: "Wenn man das Rennen nicht starten kann, dann ist das nicht akzeptabel."

McLaren lobt Charakter seines Rookies

Für den Rookie sind die Honda-Probleme noch einmal deutlich schwieriger zu verkraften als für Alonso. Alonso hat bereits zwei WM-Titel auf dem Konto und weiß, dass sein Ruf nicht unter der Schwäche leidet - auch weil er immer wieder betont, was für starke Rennen er fährt. Vandoorne kann hingegen nicht beweisen, wieso er 2015 mit deutlichem Abstand GP2-Meister wurde und als eines der größten Talente gilt.

"Wir wussten seit Saisonbeginn, dass die Situation schwierig sein würde", sagt der Belgier und betont die gute Beziehung zum Team. "Ich glaube, dass das Team die Probleme in den Griff bekommen wird. Ich bin zuversichtlich, dass ich einen guten Job erledigen kann, wenn alles zusammenläuft", unterstreicht er. Und weil man bei McLaren nichts zu seinen sportlichen Fähigkeiten schreiben kann, betont man in der Presseaussendung eben andere Qualitäten.

"Obwohl er verständlicherweise frustriert und verärgert über eine Reihe von Problemen, an denen er schuldlos ist und die sein Wochenende ruiniert haben, war, ging er zu unseren Ingenieuren in die Garage, um seinen Rat und seine Unterstützung anzubieten. Er ist ein großartiger Kerl", stellt sich Eric Boullier demonstrativ hinter seinen Fahrer.

Alonso gibt auf: "Mach was du willst"

Dass sein Teamkollege Vandoorne das Rennen nicht aufnehmen konnte, nimmt Alonso derweil wieder einmal mit Galgenhumor: "Ich wusste nicht, ob das Glück oder Pech für ihn war", scherzt er. Denn wenn der Belgier gefahren wäre, dann hätte er bestimmt genauso wenig Spaß gehabt wie Alonso, der in seinem Auto häufiger verzweifelte. Hauptthema war natürlich wieder einmal die fehlende Leistung der Power-Unit.

"Wir sind auf den Geraden so verwundbar, dass es keine Chance zum Verteidigen gibt", schüttelt Alonso den Kopf und erklärt seinen Spiegel-Funkspruch: "Das Defizit auf den Geraden war heute unglaublich. Manchmal habe ich am Anfang der Geraden in den Spiegel geschaut und 300 oder 400 Meter hinter mir ein Auto gesehen, was ich deswegen komplett außer Acht gelassen habe. Ich habe Einstellungen am Lenkrad geändert, und beim Bremsen war es dann neben mir. Das war überraschend."

Irgendwann hatte der Spanier dann genug, sodass ihm das Renngeschehen egal war: "Mach was du willst, man", sagte er zwischenzeitlich zu seinem Renningenieur, der auf eine andere Taktik gehen wollte. Später ließ er den nächsten Wirkungstreffer folgen und stellte seinen Boliden kurz vor dem Ziel wieder ab. Und egal ob absichtliches Aus oder weiterer Schaden: Für Honda war Bahrain eines der größten Debakel seit dem Comeback.

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