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Grand Prix von Großbritannien

Vettels Reifenschaden keine Kimi-Kopie

Ferrari erlebte in den Schlussrunden ein wahres Reifen-Debakel: Während Vettel wohl zu lange fuhr, soll bei Räikkönen ein anderes Problem vorgelegen haben.

Lewis Hamiltons Sieg hätte Ferrari heute in Silverstone nicht verhindern können, doch mit den Plätzen zwei und vier hätte man wenigstens gute Schadensbegrenzung betreiben können - wären da nicht die letzten drei Rennrunden gewesen, die das Ergebnis noch einmal komplett auf den Kopf gestellt haben. Sowohl Kimi Räikkönen wie auch Sebastian Vettel erlebten in der Schlussphase Reifenschäden, die sie wichtige Positionen kosteten: Räikkönen hatte Glück im Unglück und wurde Dritter, Vettel fiel bis auf Rang sieben zurück.

Zunächst war plötzlich der Reifen beim zweitplatzierten "Iceman" dahin. Zweieinhalb Runden vor dem Ende rollte der Finne plötzlich um den Kurs und musste seinen Landsmann Valtteri Bottas durchlassen und an die Box fahren. Sebastian Vettel hätte dadurch wenigstens auf dem Podest stehen und wichtige Punkte in der WM holen können, doch eine Runde später stand auch der Deutsche plötzlich mit einem Schaden vorne links im Kies.

"Es hat uns völlig überrascht", gibt ein ratloser Vettel nach dem Rennen zu Protokoll. Zwar hatte sich der viermalige Weltmeister schon einige Runden zuvor über abgefahrene Vorderreifen und Blasenbildung beklagt, doch dass der Reifen komplett den Geist aufgibt, das habe sich laut dem Deutschen nicht angekündigt: "Es ist nicht so, als hätte es sich erahnen lassen. Dass der Reifen in die Luft fliegt, konnte man nicht wissen."



Blieb Vettel zu lange draußen?

Vettel musste sich wie sein Teamkollege in langsamer Fahrt an die Box schleppen, verlor aber noch mehr Zeit und mehr Positionen. Die beiden Red Bull von Max Verstappen und Daniel Ricciardo zogen ebenso vorbei wie Nico Hülkenberg (Renault), sodass für den Ferrari-Piloten lediglich Rang sieben und damit sechs Punkte blieb - und der Ärger über Reifenhersteller Pirelli: "Es war keine Sternstunde für die Reifen", seufzt er.

Schon 2013 gab es in Silverstone diverse Reifenschäden zu beobachten, doch an diesem Sonntag traf es nur Ferrari. Warum die Scuderia urplötzlich die Probleme bekam, ist noch nicht geklärt, doch Mercedes-Motorsportchef Niki Lauda vermutet, dass es Ferrari einfach übertrieben hat: "Die haben die Reifen bis zum bitteren Ende ausgefahren und haben die Quittung bekommen", meint der Österreicher. "Das hätte man logischerweise vorhersehen können." Vor allem nachdem Räikkönen schon den Schaden bekam.

Doch Pirelli widerspricht dieser Theorie. Laut einem Sprecher des Herstellers soll es sich um unterschiedliche Arten von Schäden gehandelt haben. Bei Kimi Räikkönen hat sich wohl die Lauffläche vom Rest des Reifens gelöst, allerdings war bei ihm die Luft noch im Pneu vorhanden. Vettels Problem sei hingegen ein klassischer Reifenschaden gewesen - wohl aber wegen zu langer Laufzeit. Immerhin 31 Runden waren es zu dem Zeitpunkt.

Keine Schuldzuweisung an Ferrari

"Im Nachhinein lässt sich das immer leicht sagen, aber zu der Zeit fühlte es sich okay an", meint Vettel über einen möglichen Sicherheitsstopp. Außerdem habe es in der jüngeren Vergangenheit schon mehrere Rennen gegeben, in denen die Pneus nicht mehr gut aussahen, aber noch 30 Runden hielten. "Ich weiß nicht, wieso das dann hier ein großes Problem war", zuckt er mit den Schultern - zumal der Deutsche nach dem Überholmanöver von Bottas Pace rausgenommen hatte, um das Auto zu schonen.

Einen Vorwurf an sein Team macht der Heppenheimer nicht. Man habe sich zuvor über Funk über die Thematik unterhalten und sei zu dem Schluss gekommen, dass es in Ordnung sei. Zumindest hätten die Vorzeichen nicht darauf hingedeutet: "Das ganze Wochenende über hat der Reifen gehalten, und die Vorhersage war, dass er noch viel länger hält", so Vettel. "In welcher Runde bin ich an die Box? 18? Dann hätte der Reifen locker halten sollen. Ich weiß nicht, warum er es nicht getan hat."

Eine zu aggressive Abstimmung soll laut ihm nicht der Grund gewesen sein. Tatsächlich soll der Reifen aber am Ende seiner Lebensdauer gewesen sein - im Gegensatz zum Pneu von Kimi Räikkönen. Dessen Reifen waren sechs Runden frischer, trotzdem ging er drei Runden vor Schluss kaputt.

Räikkönen: Ende trotz Podium "enttäuschend"

Dem Finnen bleibt damit ein bisschen das Pech treu, auch wenn er sich durch Vettels Missgeschick noch über den dritten Podestplatz seiner Saison freuen konnte. Doch so richtig Freude will auch beim "Iceman" nicht aufkommen: "Wir sind nicht glücklich, aber es ist besser als nichts. Aber wenn wir das Rennen drei und zwei Runden vor dem Ende so beschließen, dann ist das ziemlich enttäuschend", sagt er.

"Leider scheint uns das Pech derzeit zu verfolgen. Aus irgendeinem Grund ging der Reifen kaputt. Zum Glück kam ich relativ schnell in die Box und das Auto blieb an einem Stück", sieht er die positiven Dinge. Und auch Vettels Ärger hält sich trotz der Enttäuschung durchaus in Grenzen: "Im Endeffekt steckt man nicht drin und kann nicht viel machen", nimmt er das Schicksal hin. Doch sein WM-Vorsprung beträgt nur noch einen einzigen Punkt.

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