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Grand Prix von Großbritannien

Wolff: London-Kritik eine „Beleidigung“

Flammendes Plädoyer für den scharf kritisierten Superstar Lewis Hamilton und gegen einige Medien: Toto Wolff platzt in Silverstone mächtig der Kragen.

Toto Wolff ist mit der Berichterstattung einiger Medien über Lewis Hamilton nicht einverstanden. Das ließ der Mercedes-Sportchef am Samstagnachmittag in Silverstone mit einem flammenden Plädoyer durchblicken: "Es gab einige blödsinnige Storys über eine angespannte Beziehung zwischen Lewis und dem Team, oder genauer gesagt zwischen Lewis und mir", sagt er. Dabei sei "genau das Gegenteil" der Fall.

Zum Hintergrund: Die Daily Mail hatte vor dem Grand Prix von Großbritannien berichtet, dass Hamilton der Formel-1-Show am Mittwoch in London ferngeblieben sei, weil es zu Spannungen zwischen Wolff und ihm gekommen sein soll. Wolff habe nach Baku Sebastian Vettels 30er-Feier besucht, und das soll ihm Hamilton - ausgerechnet nach Vettels Rammstoß beim Grand Prix von Aserbaidschan - persönlich übel genommen haben.

Die Wahrheit sei eine andere, betont das Mercedes-Team. Demnach habe Hamilton Wolff (und Liberty Media) schon im Vorfeld darüber informiert, dass er nicht kommen möchte. Stattdessen machte er mit Freunden Urlaub auf Mykonos. Fast schon demonstrativ postete er auf Instagram Party-Videos. Das wiederum wurde sowohl in diversen Internet-Netzwerken als auch von verschiedenen Experten scharf kritisiert.

Eine Reaktion, die Wolff völlig überzogen findet: "Nach fünf gemeinsamen Jahren weiß ich, dass das Wichtigste ist, dass Lewis sich wohl fühlt. Das ist der Grund, warum er an den Rennwochenenden solche Leistungen abrufen kann", erklärt er. "Zu hinterfragen, ob ein dreimaliger Weltmeister, der gerade Ayrton Sennas Pole-Positions übertroffen hat und demnächst Michael Schumachers Rekord übertreffen wird, versteht, wie er sich vorbereiten sollte, ist eine Beleidigung!"



Wolff lässt Hamilton alle Freiheiten

"Ich führe dieses Team so, dass ich Lewis die Freiheit gebe, seine Zeit so zu organisieren, wie er das möchte. Und wenn er das Gefühl hat, dass es ihm gut tut, der Formel-1-Umgebung fernzubleiben und bei seinen Freunden zu sein, um Ausgleich zu den schwierigen Wochenenden zu finden und in Silverstone Leistung abzurufen, dann soll es so sein. Damit habe ich kein Problem, und ich hatte noch nie ein Problem damit", stellt er klar.

Im Gespräch mit Hamilton habe man teamseitig "die Risiken dargestellt, dass es als unrichtig empfunden werden könnte, den Event in London nicht zu besuchen", räumt Wolff ein. Hamilton dürfte also klar gewesen sein, dass sein Fernbleiben einen Shitstorm auslösen könnte. Aber im Camp der Silberpfeile sei diese Planung "nie ein Problem" gewesen, versichert der Sportchef, "und zwischen uns beiden auch nicht".

Ewige Querschläge aus dem RBR-Lager

Vielmehr richtet sich seine Kritik neben den einschlägigen Boulevardmedien auch gegen Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Bei Mercedes ärgert man sich schon lange darüber, dass Horner und sein Kollege Helmut Marko keine Gelegenheit auslassen, gegen das Silberpfeil-Camp zu sticheln. Erst kürzlich hatte Marko kokettiert, Mercedes habe "kein Standing" bei den Formel-1-Fans.

"Derjenige, der erwähnt hat, dass bis auf einen Fahrer alle anderen 19 da waren, war Christian. Christian versucht immer, Unruhe in solche Situationen zu bringen. Soll er doch", ärgert sich Wolff und relativiert die angeblich eingeschnappte Reaktion des Publikums in London: "Es gab drei Buhrufe, und es waren 10.000 Menschen vor mir. Drei Buhs, nicht mehr! Ich war dort, ich habe es gesehen."

"Wenn die Frage richtig gestellt wird und der Superstar nicht da ist, klar sind die Leute, die gekommen sind, nicht glücklich darüber. Ich wäre auch nicht glücklich, wenn ich da hinfahre, und dann ist der nicht da, den ich sehen wollte. Aber Lewis hat eine Entscheidung getroffen im Sinne seiner WM", so der Wiener.

Wolff übt Kritik an britischen Medien

"Die Art und Weise, wie er von bestimmten Medien behandelt wird, ist falsch und unfair", kritisiert Wolff. "Vor seinem Heimrennen in Silverstone, nach einem schwierigen Wochenende in Österreich mit einer Strafe, nach einem schwierigen Wochenende in Baku, wo er das Rennen verloren hat, den Lokalmatador so zu behandeln, das kann ich nicht nachvollziehen."

Umso wohltuender sei, dass es zwischen den Fans in Silverstone und Hamilton keinerlei Spannungen gebe. Zwar waren bei einem Auftritt am Donnerstagabend vereinzelt Buhrufe zu vernehmen, aber der Großteil des Publikums feuert den Mercedes-Star an, als hätte London nie stattgefunden. Im Qualifying brandete schon bei den schnellsten Sektorenzeiten Jubel auf.

Keine Spannungen mit Fans in Silverstone

"Er genießt volle Unterstützung", stellt Wolff fest und fordert: "Wir sollten die Sache nicht größer machen, als sie ist. Er hat die meisten Fans aller Formel-1-Fahrer. Die Fans in Silverstone lieben ihn. Aber wie viele andere Superstars polarisiert er halt. Es gibt viele, die ihn mögen, und es gibt einige, die ihn nicht mögen."

"Das Wichtigste ist, dass er glücklich ist und auf der Strecke seine Leistung bringt. Wenn du so im Fokus stehst und alles, was du tust, in den Medien landet, ist wichtig, dass du dir genau überlegst, was für dich wichtig ist. Die Fans sind ihm wichtig, das Heimpublikum ist ihm am wichtigsten, aber so vieles, was er tut, wird nicht gesehen. Das sollte man auch anerkennen."

Doch von anderer Stelle wird schon wieder Unruhe gesät. So habe Hamilton laut Sky Sports F1 kürzlich im Freundeskreis anklingen lassen, dass er seine Karriere lieber bei Ferrari ausklingen lassen möchte. Das steht im Widerspruch zur Aussage von Niki Lauda, der kürzlich verraten hat, dass Hamilton bereits um eine Vertragsverlängerung gebeten hatte. Laut Wolff übrigens nur "ein Missverständnis". Der aktuelle Vertrag läuft Ende 2018 aus.

Wolff spricht nicht über sein Privatleben

"Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und reden auch über die Zukunft. Lewis ist Mercedes sehr verbunden", winkt Wolff, von Sky Sports F1 auf die Gerüchte angesprochen, ab. Und er ergänzt: "Wir lieben ihn als Fahrer und werden versuchen, eine Vereinbarung für die Zukunft zu treffen."

Ob er nun bei Vettels Party war oder nicht, möchte der Mercedes-Sportchef übrigens weiterhin nicht kommentieren: "Es gibt Dinge, die habe ich nie zugelassen. Darunter fällt mein Privatleben. Das eine ist die Arbeit, an der ich Freude habe. Aber es muss Grenzen geben. Was ich an den freien Wochenenden tue, geht nur mich etwas an und sonst niemanden."

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