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Grand Prix von Brasilien 2011

Vettel schreibt weiter Motorsportgeschichte

Mit der 15. Poleposition in diesem Jahr bricht Sebastian Vettel den Rekord von Nigel Mansell – Mark Webber bringt RBR den 7. Quali-Doppelsieg 2011.

Als Weltmeister stand er schon vor diesem Wochenende fest, doch heute hat Sebastian Vettel auch sein letztes großes Saisonziel erreicht: Mit seiner 15. Poleposition 2011 übertrifft er den alten Rekord von Nigel Mansell, der 1992 auf Williams 14 von 16 Qualifyings für sich entschieden hatte. In Sao Paulo war es allerdings die erste Poleposition für den Red Bull Racing-Piloten.

Vettels Jubel war riesengroß - keine Spur von Selbstverständlichkeit nach einer außergewöhnlich erfolgreichen Saison. Es sei "schwierig in Worte zu fassen", was er empfinde: "Schon vor dem Qualifying wurde viel über den Rekord geredet, aber das Beste war, einfach nicht dran zu denken. Es ist etwas ganz Besonderes, ein anderes Gefühl als bei anderen Poles. Ich habe den Meister dieser Disziplin übertroffen, Nigel Mansell! Das bedeutet mir viel."

Webber mit Platz zwei zufrieden

Dabei wollte sein Teamkollege Mark Webber "auf den alten Nige aufpassen" und dessen Rekord retten, aber Vettel war wieder einmal schneller - zum 16. Mal im 19. Qualifying. "Das Qualifying ist gut gelaufen, ich war schon das ganze Wochenende sehr schnell", zeigt sich der Australier dennoch zufrieden. "Ich hoffe, dass ich Seb morgen ein bisschen unter Druck setzen kann. Heute haben wir das Maximum aus unseren Autos herausgeholt."

Den Grundstein für den ersten Startplatz legte Vettel, dessen Red Bull bekanntlich nicht über den besten Topspeed verfügt (Bestwert von Jaime Alguersuari im Toro Rosso: 316 km/h), im kurvenreichen Mittelsektor, wo er allen anderen (einschließlich Webber) um zwei Zehntelsekunden davonfuhr. Unterm Strich bedeutete das eine Bestzeit von 1:11.918 Minuten - kein anderer konnte heute die 72-Sekunden-Barriere durchbrechen.

Dabei war er gestern "mit der Balance noch nicht happy", gesteht der zweifache Weltmeister, "aber wir haben über Nacht ein bisschen was am Setup geändert und das hat sich heute bezahlt gemacht. Ich habe alles in diese letzte Runde reingesteckt und war bei der Zieldurchfahrt sehr emotional, denn ich wusste, dass es nicht schneller gegangen wäre. Dann musste ich lange warten, bis die anderen auch über der Ziellinie waren."

Bestes Interlagos-Qualifying für Button

Am Ende hatte er 0,181 Sekunden Vorsprung auf Webber und 0,365 auf Vizeweltmeister-Anwärter Jenson Button (McLaren), der erstmals in Sao Paulo ein internes Qualifying-Stallduell gewann - um zwei Zehntelsekunden gegen Lewis Hamilton (4.). "Ich genieße das, denn das ist mein bestes Qualifying auf dieser Strecke seit Jahren", grinst Button. "Ich stehe zehn Plätze weiter vorne als im Vorjahr." Und: "Hoffentlich können wir die beiden morgen überholen!"

Nico Rosberg sicherte sich den sechsten Platz - und wird damit nicht restlos zufrieden sein. Denn nach seiner "Bombe" (beeindruckter Kommentar von Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg) in Q2 (1:12.569 Minuten) knackte der Mercedes-Pilot in Q3 die 1:13er-Marke nicht mehr und landete daher hinter Fernando Alonso. Immerhin splittete er die beiden Ferraris, denn Felipe Massa (+1,150) vermochte vor eigenem Publikum nicht zu überzeugen.

Sutil in der vierten Startreihe

Bärenstark dafür Adrian Sutil, der in seinem voraussichtlich letzten Qualifying für Force India locker ins dritte Qualifying einzog und dort Achter wurde, nur 0,230 Sekunden hinter Massa. Sutil hatte seinem Teamkollegen Paul di Resta (11.) schon in Q1 und Q2 ordentlich eingeschenkt und ließ im Top-10-Finale den überraschend starken Bruno Senna (Renault) und Interlagos-Rekordsieger Michael Schumacher (Mercedes) hinter sich.

Während Senna mit einer Gewaltleistung den Q3-Einzug schaffte, sah Schumacher im Vergleich zu Rosberg blass aus. "Michael kam nie richtig auf Touren", analysiert Formel-1-Experte Niki Lauda. "Warum er am Schluss mit harten Reifen rausgefahren ist, habe ich nicht ganz verstanden, aber wahrscheinlich hat er sich gesagt, es geht nicht mehr, lieber Reifen schonen. Aber wenn es morgen regnet, bringt das auch nichts."

Denn: "Das Wetter ist ein großes Fragezeichen", weiß Polesetter Vettel. Teamchef Christian Horner nickt zustimmend: "Es wird ein Regenrennen, glaube ich. Hier weiß man das vorher nie so genau, aber wenn man der Vorhersage Glauben schenken darf, dann wird es am Sonntag ziemlich sicher regnen. Darauf verlassen sollte man sich aber nicht. Wir sind jedenfalls gut aufgestellt - unabhängig davon, wie das Wetter wird."

Maldonado mit Regensetup

Einer, der voll auf Regen setzt, ist Pastor Maldonado: "Ich bin ein anderes Setup gefahren als mein Teamkollege. Ich hoffe, dass es am Sonntag regnet", verrät der Williams-Pilot, der als 18. schon in Q1 die Segel streichen musste. Teamkollege Rubens Barrichello hingegen klopfte sich nach der Session zufrieden auf seinen gelben Senna-Helm: Maldonado um eine halbe Sekunde geschlagen, sicher ins zweite Qualifying eingezogen, zwölfter Startplatz.

Der brasilianische Routinier steht damit vor dem Toro-Rosso-Duo Alguersuari/Buemi, die sich im WM-Duell die bessere Ausgangsposition sicherten als die Sauber-Youngsters Kamui Kobayashi (16.) und Sergio Perez (17.). Selbst auf Lotus-Speerspitze Heikki Kovalainen war da nur noch eine halbe Sekunde Luft - im letzten Qualifying vor der Umbenennung in Caterham wäre das Team beinahe erstmals aus eigener Kraft in die zweite Session aufgestiegen.

Davon war Timo Glock (24. und Letzter) weit entfernt: "Es war ein katastrophaler Samstag", so der enttäuschte Marussia-Virgin-Pilot. "Ich hatte schon am Morgen keine Runde auf den weichen Reifen hingekriegt, weil sie bereits nach einem halben Umlauf hinüber waren. Die Balance stimmte überhaupt nicht. Und bei meinem letzten Versuch stand mir dann noch ein Toro Rosso im Weg. Da konnte ich nicht mehr rausholen."

Am Ende des zweiten Durchgangs mussten die folgenden Piloten zuschauen: Paul di Resta (Force India), Rubens Barrichello (Williams), Jaime Alguersuari und Sebastien Buemi (beide Toro Rosso), Witali Petrow (Renault) sowie Kamui Kobayashi und Sergio Perez (beide Sauber).

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