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Grand Prix von China 2012

Die Tops & Flops aus Shanghai

Top waren Rosberg, Mercedes, McLaren, die FIA und Williams. Flops für Vettel, Stammgast Massa und Karthikeyan. Sonderflop für Williams & Whitmarsh.

Michael Noir Trawniczek

Oft ist ein vermeintlicher Kapitalflop dann doch keiner. Kamui Kobayashi beispielsweise – da stellt er den Sauber auf den grandiosen dritten Startplatz und was passiert? Er wird nach einem miserablen Start nach hinten durchgereicht. Nur: Es stellte sich heraus, dass an seinem Startplatz ein Ölfleck dafür sorgte, dass der Japaner wortwörtlich nicht vom Fleck kam. Somit kein Flop, natürlich auch kein Top.

Manchmal wiederum verdient einer sowohl ein Top als auch einen Flop. Diesmal ist das bei Williams der Fall: Auf sportlicher Ebene top, politisch hingegen äußerst fragwürdig und somit Flop. Oder Martin Whitmarsh: Mit McLaren top, aber mit seinem Kommentar zur Williams-Affäre grenzwertig…

Top: Rosberg & Mercedes - verdient

Er hat den ersten Grand Prix-Sieg längst schon verdient. Nico Rosberg gehört schon seit einiger Zeit zu den besten Piloten im Feld. Jetzt hatte er endlich ein Auto, mit dem er sein Können ausspielen und umsetzen konnte. Wahrscheinlich war er auch angestachelt von den zuletzt gegen Michael Schumacher erlittenen Niederlagen und so gelang ihm in Bahrain der perfekte Auftritt.

Man muss auch Mercedes respektive Ross Brawn gratulieren. Wie Helmut Zwickl in seinem motorline.cc-Kommentar schreibt: Das F-Schacht-artige System, das mit dem DRS gekoppelt ist, erinnert an den genialen Doppeldiffusor aus 2009, als man noch Brawn GP hieß. Der DRS-Trick wirkt, jetzt, wo man ihn kennt, so einfach und logisch – und man fragt sich wie so oft bei Geniestreichen, warum die anderen Teams nicht auch auf diese Lösung kamen?

Top: FIA - konsequent

Womit wir beim nächsten Top wären. Die FIA blieb konsequent und wies den Protest gegen das Mercedes-System ab. Schließlich liegt kein Verstoß gegen das bestehende Reglement vor, die Techniker haben eine Grauzone zu ihrem Vorteil genützt. Und darum soll es doch auch in einer Weltmeisterschaft der Konstrukteure gehen!

Man kann das Schlupfloch für 2013 schließen, möglichst zeitgerecht, also sofort – doch für 2012 soll die gute Idee auch belohnt werden.

So ist es auch fragwürdig, warum die für 2012 konstruierte Lotus-Aufhängung verboten wurde. Lediglich Bedrohungen der Sicherheit sollten umgehend unterbunden werden. Ansonsten sollten die Techniker motiviert werden. Man soll in dem Jahr, in dem man ein Schlupfloch entdeckt hat, auch davon profitieren können. Schließlich gibt es ohnehin nur noch wenige Rennserien mit einem Wettkampf der Konstrukteure…

Top: McLaren – konstant

Drei verschiedene Sieger gab es in den ersten drei Rennen, das Kräfteverhältnis der Formel 1 zeigt sich erfrischend durchgemischt und wechselhaft.

Doch es gibt eine Konstante – und die heißt McLaren. In Melbourne holte Jenson Button den Sieg, dafür wiederum konnte Lewis Hamilton mit drei dritten Plätzen die WM-Führung übernehmen. McLaren ist das einzige Team, das bisher in der Saison 2012 stets auf dem Siegerpodest vertreten war. In Shanghai wieder mit beiden Piloten.

Top: Williams - Fortschritt

Und auch bei Williams darf man stolz sein: In Shanghai kamen Bruno Senna und Pastor Maldonado in den Punkterängen ins Ziel. Das ist ein deutlicher Fortschritt und gemessen an den bisherigen Leistungen somit auch eine Top-Leistung.

Flop: Vettel – im Schatten des Teamkollegen

Für andere wäre Platz fünf ein Top – doch auch Sebastian Vettel und Red Bull Racing werden an ihren eigenen, zuletzt gezeigten Leistungen gemessen. Und da sieht es gar nicht gut aus beim regierenden Doppelweltmeister. Im Qualifying war schon nach Q2 Schluss, sowohl im Quali als auch im Rennen landete Vettel hinter seinem Teamkollegen Mark Webber. Platz fünf ist natürlich schön und er bringt auch einige WM-Punkte – doch für einen Vettel ist es zu wenig, zumal es eine klare Niederlage gegen den Teamkollegen zu beklagen gab. Ein Flop, wenn auch kein schlimmer…

Flop: Massa – wieder nichts

Und wieder Felipe Massa. Natürlich! Vielleicht würde sein stets in der Ferrari-Box anwesender Herr Papa einwerfen: „Aber mein Pippo war doch diesmal im Qualifying nur mehr drei Zehntelsekunden langsamer als Fernando Alonso!“ Dann müsste man ihm entgegnen: Und? Was hat er daraus gemacht?

Nichts! Wieder einmal nichts! Während Alonso mit der schwachbrüstigen „roten Göttin“ immerhin zwei WM-Zähler erkämpfen konnte, landete Massa auf einem in Sachen WM-Punkte nutzlosen 13. Platz. Massa junior würde dem Team derzeit genauso viel helfen, wenn er das Auto in der Garage stehen lassen und sich zu seinem Vater gesellen würde.

Flop: Karthikeyan – nicht genügend

Ähnlich oder vielmehr genauso verhält es sich bei Narain Karthikeyan, der als einziger Vorjahrespilot das Kunststück fertig brachte, bei der motorline.cc-Benotung durch unsere LeserInnen sogar im Notenschnitt ein „Nicht genügend“ für seine Leistungen im Jahr 2011 einzuheimsen.

Ein solchermaßen kapitales „Nicht genügend“ gebührt dem Inder auch für seine in Shanghai gebotene Performance. Lichtjahre waren es, die ihm auf seinen Teamkollegen Pedro de la Rosa fehlten. Und nur weil er diesmal niemanden abgeschossen hat, wird Karthikeyan nicht verschont.

Sonder-Flop: Williams & Whitmarsh – jenseits

Weil eine Mitarbeiterin des Williams-Teams aufgrund der politischen Lage in Bahrain den kommenden Grand Prix auslassen wollte, wurde sie umgehend gekündigt.

Den Vogel schoss der sonst recht sympathisch anmutende McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh ab, der den Fall folgendermaßen kommentierte: „Vergesst mal Bahrain, aber wenn ein Mitarbeiter zu mir kommen und sagen würde, er will nicht nach China oder wohin auch immer fliegen, dann geht das einfach nicht. Wenn du nicht im Rennsport arbeiten willst, solltest du nicht im Rennsport arbeiten.“

Was heißt „Vergesst mal Bahrain“? Genau darum geht es doch in dem Fall. Besagte Mitarbeiterin wollte nicht einfach so Bahrain auslassen, also nicht weil ihr das Essen dort nicht schmeckt, sie äußerte vielmehr massive moralische Bedenken, dort aufzutreten. Und damit ist sie nicht alleine. Die Sorgen sind durchaus berechtigt. Aus moralischen Gründen und auch was die Sicherheit anbelangt. Aus Sicherheitsgründen sendet beispielsweise der TV-Sender Sky keine Mitarbeiter nach Bahrain.

Hätte man bei Williams nicht auch verständnisvoller handeln können? In einem Ausnahmefall wie diesem? Was hätte man wohl gesagt, wenn eines der wichtigen und teuren „Superhirne“ aus moralischen Gründen auf Bahrain verzichten hätte wollen?

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