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Grand Prix von China 2012

Wer kann McLaren in Shanghai das Wasser reichen?

Beim GP von China am kommenden Wochenende könnte McLaren wie schon Im Vorjahr die Nase vorne haben. Wer kommt dahinter? RBR? Lotus? Mercedes?

Michael Noir Trawniczek

Nur wenige hätten damit gerechnet, dass nach den ersten beiden Grand Prix ausgerechnet Fernando Alonso die Weltmeisterschaft anführt. Und dass Sebastian Vettel nur auf Platz sechs zu finden ist.

Doch genau so kam es, so lautet der WM-Stand vor der am kommenden Wochenende stattfindenden dritten Runde der Formel 1-WM 2012, dem Grand Prix von China in Shanghai.

Bemerkenswert ist jene Aussage von Red Bull-Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko, wonach er den Sauber-Ferrari für das zurzeit beste Auto hält. Marko erklärte: „Das Sauber-Fahrzeug war sowohl im Nassen als auch im Trockenen das absolut schnellste. Wenn Perez nicht den Ausritt gehabt hätte und sie nicht zu spät zum zweiten Boxenstopp gekommen wären, wäre Alonso theoretisch in Gefahr gewesen.“

Ob es nun am Wochenende zu einer Sauber-Dominanz oder gar einer ersten Startreihe mit den Sauber-Piloten Sergio Perez und Kamui Kobayashi kommen wird?

McLaren als Favorit

Die Wahrscheinlichkeit ist wohl eher gering – die heißesten Anwärter für die erste Reihe sind derzeit wohl die McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton. Letzterer konnte im Vorjahr den Grand Prix von China gewinnen

Zudem kommt die Streckencharakteristik des Shanghai International Circuit den McLaren entgegen – zwei lange Gerade, die längere davon, zwischen Kurve 13 und 14 ist 1,3 Kilometer lang und produziert Topspeeds bis zu 310 km/h. Zugleich gibt es anspruchsvolle Passagen wie die „Schneckenkurve“, die sich beinahe zu 360 Grad „einringelt“ und neben der optimalen Linienwahl auch eine ausgezeichnete Fahrzeugbalance voraussetzt.

McLaren kann im Qualifying die Pace gut abrufen, im Rennen jedoch wird diese nicht optimal umgesetzt. Bei Red Bull Racing scheint es, derzeit zumindest, genau umgekehrt zu sein: Im Qualifying fehlt das letzte Quäntchen an Speed, im Rennen sieht es besser aus.

Was Marko vielleicht gemeint hat: Sauber scheint eine Art Allzweckfahrzeug gelungen zu sein, dass keine Schwächen aufweist, aber auch nicht dominiert. Adrian Newey, der Konstrukteur von Red Bull Racing, hat den Sauber gleich bei dessen Vorstellung mit lobenden Worten bedacht.

Lotus als Nr. 2?

Eine Rolle könnte auch wieder Lotus spielen – zumindest im Qualifying waren die pechschwarzen Autos von Kimi Räikkönen und Romain Grosjean vorn dabei, sogar vor RBR.

Allerdings sind bei Vettel und Webber zuletzt auch immer irgendwelche unvorhersehbaren Dinge passiert, ein richtig problemloses Qualifying oder auch Rennen wollte bislang nicht gelingen. Doch Newey selbst hat bereits mehr oder weniger zugegeben, dass man mit dem RB8 an den Reglementänderungen respektive dem Verbot des angeblasenen Diffusers leiden würde…

Lotus-Besitzer Gerard Lopez geht sogar so weit, dass er glaubt, seine Autos seien bereits die zweitbesten hinter jenen von McLaren. Lopez sagt: „Ich denke, wir sind vorne dabei – vielleicht liegen wir ein bisschen hinter McLaren zurück, aber was alle anderen im Feld anbelangt, sind wir wahrscheinlich auf einem Level oder vielleicht sogar vor ihnen anzusiedeln.“

Noch immer nicht ausgestanden ist die Diskussion um den passiven F-Schacht von Mercedes, der lediglich dann aktiv ist, wenn DRS aktiviert wurde, also der verstellbare Heckflügel flachgestellt ist. Es wird also eigentlich nicht extra vom Piloten aktiviert, dennoch hat man sich bei Lotus angeblich eine neue Argumentation gegen das System einfallen lassen, in Shanghai droht ein Protest.

Sollte Mercedes das System weiterhin anwenden dürfen, könnten Michael Schumacher und Nico Rosberg auf den langen Shanghai-Geraden davon profitieren. Mercedes bringt jedoch den Spagat zwischen Qualifying und Rennen nicht zustande – für eine schnelle Runde werden die Reifen auf die optimale Temperatur gebracht, doch im Rennen stellt die Reifenperformance noch ein Problem dar. Das Bittere dabei: Das Qualifying ist heutzutage bei weitem nicht ehr so wichtig wie früher, die Rennperformance ist das Um und Auf.

Wieder ein Regenrennen?

Das Wetter spielt derzeit mehr denn je eine wichtige Rolle – schließlich scheint sich ein Fernando Alonso in seinem Ferrari bei Schlechtwetter wohl zu fühlen, während er bei Trockenheit stagniert.

Alonso stellte auch klar und deutlich fest: „Ich erwarte keine Überraschungen und keine großen Änderungen im Vergleich zu den beiden Grand Prix in Australien und Malaysia. Wir bringen zwar ein paar kleine Updates nach Shanghai, doch das werden auch die anderen Teams tun. Sicher sind seit dem letzten Rennen drei Wochen vergangen, aber das bedeutet nicht, dass wir in dieser kurzen Zeit das Auto komplett ändern konnten.“

Aus dem Grund wollte Alonso auch keine Wunschplatzierung nennen – der Spanier weiß genau, dass der Sieg in Sepang zum Großteil auf sein eigenes Konto ging und ihm der Rennverlauf in die Hände spielte. Aus eigener Kraft heraus ist Ferrari derzeit mit Sicherheit nicht siegfähig. Ferrari-Technikchef Nick Fry ist der Meinung, dass man zurzeit ungefähr eine volle Sekunden zurückliegen würde…

Weshalb sich Alonso auch bei seinen Erwartungen auch trotz WM-Führung in äußerster Bescheidenheit übt: „Wir wollen wie schon bei den Rennen zuvor einfach schauen, dass wir ein gutes Resultat erzielen können.“

Zudem spielt bei chaotischen Wetterverhältnissen immer auch das Glück eine große Rolle und die Fähigkeit, in Sekundenschnelle die richtige Entscheidung zu treffen, was Reifenwahl und Zeitpunkt der Boxenstopps anbelangt.

Die Prognosen für das kommende Wochenende sind breit gefächert – doch eine Tendenz ist zu erkennen: Die Mehrzahl der „Wetterfrösche“ sagt für den Sonntagnachmittag (Rennstart 15 Uhr Ortszeit/9 Uhr MESZ) mögliche Regenschauer voraus. Auch am Freitag sehen einige der Meteorologen eine hohe Regenwahrscheinlichkeit.

GP Live am Wochenende

GP Live ist der Echtzeitkommentar von motorline.cc – so können Sie an jedem Ort, an dem es Internet gibt, den Grand-Prix live mitverfolgen. Oder Sie lesen den Kommentar als unterhaltsame Ergänzung zur TV-Übertragung.

Sonntag, 15. April 2012, ab 8.45 Uhr Grand Prix von Malaysia, Kommentar von Michael Noir Trawniczek.

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