Jim Clark | 08.04.2008
Zum 40. Todestag einer Legende
1968 verunglückte Jim Clark bei einem Formel-2-Rennen in Hockenheim tödlich – Erinnerungen an einen großen Champion
Vor 40 Jahren ging eine der größten Motorsportkarrieren aller Zeiten sehr tragisch zu Ende: Der Topfahrer der 60er Jahre, Jim Clark, verunglückte bei einem Formel-2-Rennen in Hockenheim tödlich. Der smarte Schotte war auf vier Rädern kaum zu schlagen, gewann neben der Formel-1-Weltmeisterschaft auch das Indy 500 und die Britische Tourenwagenmeisterschaft. An Bord seines Lotus wurde er zur Legende.
James Clark junior, besser bekannt als Jim, wurde 1936 im schottischen Hochland geboren und schon sehr früh vom Rennsportvirus befallen. Waren es anfangs noch kleinere Lokalevents, so ging der mittlerweile 20jährige 1956 in seinem ersten richtigen Rennen an den Start, um in den Folgejahren die schottischen Nationalserien aufzumischen. Bei einem dieser Rennen stellte er die Weichen für eine große Karriere.
Colin Chapman als früher Förderer
In Brands Hatch war Clark 1958 mit einem nagelneuen Lotus Elite am Start, für den seine Freunde viel Geld auf den Tisch legen mussten. Sie wurden nicht enttäuscht, den Clark beherrschte das Rennen und lag in Führung, als er durch ein Ausweichmanöver viel Zeit und den Spitzenplatz verlor. Hinter einem gewissen Colin Chapman sollte Clark die Zielflagge sehen. Es war der Auftakt zu einer großartigen Gemeinschaft.
Chapman, der legendäre Inhaber des Lotus-Teams und Konstrukteur von schnellen, aber zuweilen auch defektanfälligen Rennwagen, nahm den jungen Schotten unter Vertrag und führte ihn über diverse Nachwuchsklassen in die Formel 1. Dort hätte Clark für Aston Martin ins Lenkrad greifen sollen, doch die Auslieferung des Wagens verzögerte sich und so landete er 1960 wieder bei Lotus.
Vom Beginn seiner Formel-1-Karriere an überzeugte Clark am Volant und wurde alsbald zum Liebling der Massen, die seine Fahrkünste schätzten und liebten. Drei Podestplätze standen nach den ersten beiden Saisonen zu Buche, dann hatte der Stern von Clark endgültig seinen Platz am Motorsporthimmel eingenommen: 1962 gewann der Schotte in Spa sein erstes F1-Rennen und stieg zum Titelanwärter auf.
Auf die Katastrophe folgen die Titel
Zuvor allerdings war Clark maßgeblich an einem der schwersten Motorsportunglücke aller Zeiten beteiligt, denn er kollidierte 1961 in Monza mit Wolfgang Graf Berghe von Trips. Während Clarks Lotus nach einigen Drehern rasch zum Stillstand kam, raste der Ferrari in die Zuschauermenge, was dem Piloten sowie über einem Dutzend Menschen das Leben kostete.
Nur ein Jahr darauf verliert Clark im letzten Rennen der Saison den Titel noch an Graham Hill – die Technik seines Lotus hatte ihn wieder einmal im Stich gelassen. Seinen drei Siegen von 1962 ließ der schnelle Schotte 1963 sieben Erfolge in nur zehn Rennen folgen, er wurde auf Lotus souverän Weltmeister. Die Titelverteidigung scheiterte, aber 1965 war Clark wieder der Beste im Fahrerfeld der Formel 1.
Doch nicht nur die Formel 1 hatte es dem zweifachen Weltmeister angetan: Von 1963 bis 1967 stellte sich der 25fache Grand-Prix-Sieger auch noch der Herausforderung der 500 Meilen von Indianapolis und ließ dafür sogar das prestigeträchtige Monaco-Rennen sausen. 1965 gelang ihm schließlich die Sensation, die bis heute noch einmalig ist – der Sieg im Brickyard und der Gewinn der Formel-1-WM in der selben Saison. In 190 von 200 Runden hatte Clark geführt, das war typisch für ihn.
Einer der Besten aller Zeiten
In seinen 72 Formel-1-Rennen startete der Schotte gleich 33 Mal von der Pole Position, fuhr 28 schnellste Runden und lag bei 43 Grands Prix in Führung. Diese verlor er nach einem Reifenschaden in Monza 1967 an seine Konkurrenten und startete mit knapp einer Runde Rückstand eine Aufholjagd, die in die Geschichtsbücher der Formel 1 eingehen sollte – und mangels Sprit auf dem dritten Platz endete.
Bereits 1964 triumphierte Clark in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft BTCC und landete 1960 bei den 24 Stunden von Le Mans als Dritter auf dem Siegerpodest. 1965, 1967 und 1968 war er "down under" in der Tasman-Serie nicht zu schlagen und galt zu seiner Zeit als einer der besten Piloten im Fahrerfeld, wenn nicht als der Beste überhaupt.
John Surtees, Freund und Konkurrent, erinnerte sich an einen besonderen Piloten: "Er war unvergleichlich. Er war ein sehr energischer Typ und ein sehr begeisterter Fahrer. Für den Sport war er ein großartiger Botschafter und man wusste, dass man gegen ihn auf ehrlicher Basis antreten konnte. Man konnte direkt neben ihm fahren und wusste einfach genau Bescheid darüber, was er tun würde und was nicht", so der Weltmeister von 1964 gegenüber Autosport.
Tödlicher Unfall in Hockenheim
Seine Liebe zum Rennsport bezahlte Clark 1968 mit dem Tod. "Das war eine Tragödie", sagte Surtees rückblickend. Den Auftakt der Formel-1-Saison hatte selbstverständlich Clark gewonnen, das Ende des Jahres sollte er nicht mehr erleben. Am 7. April ging der Schotte in Hockenheim in einem Formel-2-Rennen an den Start, das er nicht beenden sollte.
Auf den langen Waldgeraden geriet sein Lotus ins Schlingern, und Clark rutschte von der Strecke. Leitplanken gab es damals noch keine und so landete der Wagen zwischen den Baumstämmen. Clark überlebte diesen schweren Unfall nicht, er starb im Alter von nur 32 Jahren. "Ich glaube nicht, dass Jimmy schuld daran war – da ging definitiv etwas mächtig schief", ist sich Surtees heute noch sicher, denn allzu oft hatte die Technik weitere Clarksche Großtaten verhindert.
Damit ging eine der wohl erfolgreichsten Partnerschaften des Motorsports zu Ende: Chapman hatte seinen Über-Fahrer an den Tod verloren. Jahrelang hatte das Duo der Konkurrenz das Fürchten gelehrt, und auch 1968 hätte ein weiteres Jubeljahr werden können. So allerdings verschwand einer der größten Fahrer aller Zeiten von der Formel-1-Bühne, wie nach ihm auch Gilles Villeneuve und Ayrton Senna.
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