Formel 1: Launch | 01.02.2010

Renault startet mit R30 in neue Ära

Mit traditionellen Farben, einem recht konventionellen Auto und Vitaly Petrov als zweiten Fahrer schlägt Renault ein neues Kapitel auf.

Jahrelang galt Flavio Briatore als Aushängeschild für Renault, doch diese Ära ist beendet. Der französisch-britische Rennstall schlug bei der Präsentation des neuen R30 in Valencia ein neues Kapitel auf – und zwar nicht nur ohne Briatore, sondern auch ohne Fernando Alonso, Chefingenieur Pat Symonds oder dem bisherigen Hauptsponsor.

Der neue mächtige Mann in Enstone ist Gerard López, Eigentümer der Investmentfirma Genii Capital, die am 16. Dezember eine strategische Partnerschaft mit Renault eingegangen ist. Konkret übernahm er eine bisher nicht genau definierte Mehrheit der Teamanteile und setzte seinen langjährigen Vertrauten Eric Boullier, bisher Leiter des GP2-Rennstalls DAMS, als neuen Teamchef ein.

Kein Druck auf Boullier

Einen Zeitrahmen, in dem er den Rennstall wieder an die Spitze führen muss, gibt es offenbar nicht: "Davon war seitens meiner Auftraggeber nie die Rede", sagt Boullier. "Ich habe mir selbst trotzdem recht hohe Ziele gesteckt. Die Formel 1 ist der Traum eines jeden Ingenieurs und ich würde diese Gelegenheit nicht verpassen wollen. Es gibt aber keinen Druck, nur die Motivation, den Job, für den ich auserkoren worden bin, so gut wie möglich zu erfüllen."

Renault heißt zwar weiterhin Renault, visuell blieb aber im Vergleich zum Vorjahr kein Stein auf dem anderen: Der R30 wird von einer gelb-schwarzen Lackierung mit recht prominent positionierten Hersteller-Logos dominiert. Was in Valencia gezeigt wurde, war übrigens ein altes R29-Modell im neuen Livree – vom neuen R30 für die kommende Saison hat das Team bisher nur Studioaufnahmen veröffentlicht.

Abgesehen von der veränderten Lackierung erinnert das Fahrzeug in Form und Aerodynamik stark an das Vorgängermodell, vor allem im Bereich der Nase, die entgegen des aktuellen Trends in der Formel 1 recht wuchtig ausgefallen ist. Adaptiert wurde dafür die besonders von McLaren extrem nach hinten verlängerte Motorhaube, die den Luftstrom vor dem Heckflügel beruhigen soll. Auffällig auch die stark taillierten Seitenkästen.

Entwickelt wurde das Chassis wie schon in den vergangenen Jahren in der Fabrik in Enstone, den Motor liefert weiterhin Renault aus Viry-Châtillon. Komplett neu sind hingegen die Fahrer: Robert Kubica steht bereits seit Monaten als Nummer eins fest, als zweiter Fahrer wurde nun Vitaly Petrov bestätigt. Der Russe setzte sich damit gegen andere Kandidaten wie Nick Heidfeld, Christian Klien und Ho-Pin Tung durch.

Tung und D'Ambrosio neue Testfahrer

Letzterer erhält zwar genau wie Jérôme D'Ambrosio und Jan Charouz einen Testvertrag, wäre aber natürlich lieber der erste Grand-Prix-Fahrer aus China geworden. So wird Petrov der erste Russe im Starterfeld der "Königsklasse des Motorsports". Das hat der 25jährige seinem zweiten Gesamtrang hinter Nico Hülkenberg in der GP2-Meisterschaft 2009 zu verdanken, aber auch seiner Sponsorenmitgift in Höhe von geschätzten 15 Millionen Euro.

Das war letztendlich ausschlaggebend für die Fahrerwahl, denn der Ausstieg des Hauptsponsors wirkt sich laut Formula Money mit einem Minus von 35 Millionen Euro auf das Renault-Budget aus. Das Livree des Fahrzeugs trägt dem veränderten Sponsorenportfolio Rechnung und erinnert wieder stärker an die klassischen Renault-Lackierungen der 1970er-Jahre.

Wie das Team den Umbruch sportlich verkraften wird, bleibt abzuwarten. Schon in den vergangenen beiden Jahren konnte Renault nicht an die Erfolge der WM-Jahre 2005 und 2006 anknüpfen. So gesehen kommt die Zäsur zum richtigen Zeitpunkt. Doch wie stark sich die Franzosen 2010 präsentieren können, wird sich frühestens bei den Wintertestfahrten zeigen.

"Als ich meine Arbeit aufgenommen habe, wurde mir sehr schnell klar, dass die Stimmung nach der Saison 2009 stark beeinträchtigt war", sagt Teamchef Boullier. "Die vergangenen Wochen waren eine ziemliche Herausforderung für uns, aber jetzt ist das Team dank der neuen Philosophie, die Renault implementieren möchte, sehr motiviert. Jeder Mitarbeiter des Teams ist nun wieder in alter Frische bereit für neue Taten!"

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