Formel 1: Test | 01.02.2010

Valencia, Tag 1: Massa vor de la Rosa

Premiere für sieben neue Autos in Valencia: Felipe Massa (Ferrari) sicherte sich die erste Bestzeit vor Pedro de la Rosa (Sauber).

Genau drei Monate nach dem Saisonfinale 2009 in Abu Dhabi hat die Formel-1-Pause ein Ende: Im spanischen Valencia wurden am Montag um 10:00 Uhr die ersten offiziellen Wintertestfahrten eröffnet. Sieben Teams nutzten diese Gelegenheit, um ihre neuen Autos erstmals auf der Rennstrecke auszuprobieren.

Vor den Augen von rund 250 Medienvertretern und noch deutlich mehr Schaulustigen auf den Tribünen begann das Treiben in der Boxengasse schon eine Stunde vor dem eigentlichen Testbeginn, als Mercedes und Toro Rosso ihre neuen Boliden präsentierten. Sébastien Buemi war dann auch der Erste, der mit seinem Ferrari-befeuerten STR5 auf die Strecke ging und die erste Runde absolvierte.

Die meiste Aufmerksamkeit zog zwar Michael Schumacher auf sich, das Rollout am Vormittag war aber seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbehalten. Der jüngere Mercedes-Pilot absolvierte 39 Runden und landete mit 0,969 Sekunden Rückstand auf dem vierten Platz.

"Die ersten paar Meter haben super geklappt – keine Probleme", berichtete Rosberg nach der Übergabe an seinen Teamkollegen. "Das Auto hat sich gut angefühlt, auch wenn es etwas gedauert hat, bis wir ins Fahren kamen, weil wir die ganzen Systeme checken mussten. Ich saß viel zu tief im Auto und habe nicht gesehen, wo ich hinfahre. Da musste ich es langsam angehen lassen, denn wir haben noch nicht viele Ersatzteile da."

Gefühlsmäßig superklasse sei das Rollout gewesen, aber das sage leider nichts aus, so Rosberg. Und dann kam Schumacher: Der Mercedes-Neuzugang verzichtete auf eine Installationsrunde und startete gleich mit einem zehnminütigen Run in den Tag – unter Beobachtung seines Arztes, der den Nacken des Deutschen später genau unter die Lupe nehmen wollte.

Schumacher legte 40 Runden zurück und konnte sich in den eineinhalb Stunden, die ihm zur Verfügung standen, sukzessive steigern. Auf seinem allerletzten Run legte er mit praktisch jeder Runde zu, sodass ihm am Ende nur 0,373 Sekunden auf die Spitze fehlten. Teamkollege Rosberg ließ er sogar deutlich hinter sich, aber das muss in diesem Frühstadium der Wintertestfahrten noch nichts zu bedeuten haben.

Als er am Vormittag zuschauen musste, hatte der 41jährige zwischendurch Zeit, sich den Toro-Rosso-Launch anzusehen und mit seinem ehemaligen Ferrari-Kollegen Massimo Rivola (Sportdirektor) zu plaudern. Schumachers Ex-Team Ferari kam übrigens recht spät in Valencia an, weil die LKW-Fahrer bei der Abreise aus dem klirrend kalten Italien von extremen Schneefällen überrascht wurden. Trotzdem traf das Material noch pünktlich an der Strecke ein.

Felipe Massa knackte dennoch kurz nach 15:00 Uhr als Erster die 1:13-Minuten-Barriere und markierte schlussendlich in 1:12.574 Minuten Tagesbestzeit. Der Brasilianer ließ damit Pedro de la Rosa im Sauber um 0,210 Sekunden hinter sich. Dabei hatten die Zeitenmonitore fünf Minuten vor dem Ende Schumacher auf Platz eins angezeigt – in 1:08.794 Minuten. Die Zeit wurde jedoch wegen Abkürzens der Strecke annulliert.

Getestet wurde nicht wie geplant bis 17:00 Uhr, sondern zehn Minuten länger, weil der Testtag wegen eines Defekts am Williams von Rubens Barrichello am späten Nachmittag kurz unterbrochen werden musste. Der Routinier, übrigens einziger Cosworth-V8-Fahrer auf der Strecke, rollte zwischen der vierten und fünften Kurve aus. Auf die Spitze fehlten ihm fast zwei Sekunden, aber den Teams ging es nicht um Rundenzeiten, sondern primär um Funktionstests.

Aus technischer Sicht fiel geschulten Beobachtern sofort auf, dass die Formel-1-Generation 2010 ziemlich "hochnäsig" ist: Ausnahmslos alle getesteten Autos verfügen über eine ziemlich hohe Frontpartie, um eine bessere Anströmung des Diffusors zu gewährleisten. Die Diffusoren könnten auch 2010 eine entscheidende Rolle spielen, weshalb in diesem Zusammenhang Geheimniskrämerei betrieben wird.

Einige Teams ließen die Diffusorvariante für den Saisonauftakt noch in der Garage, andere bemühten sich zumindest, die sensibleren Komponenten so gut es geht abzudecken. Das hielt freilich Fotografen an der Strecke nicht davon ab, Spionagefotos zu machen – manche Teams zahlen für solche Detailaufnahmen Preise zwischen 500 und 1.000 Euro. Auf eben diesen Fotos kann man auch erkennen, dass die Diffusoren teilweise recht unterschiedlich konzipiert sind.

Toro Rosso baute zwecks besserer Integration des Diffusors übrigens das Getriebe um, was prompt zu technischen Problemen in diesem Bereich führte. Buemi konnte sich zwar stets an die Box zurückschleppen, schaffte aber nur 18 Runden. Zum Vergleich: Massas Ferrari lief wie ein Uhrwerk und absolvierte 102 Umläufe – ein besseres Comeback hätte er sich kaum wünschen können.

Ansonsten verlief der Tag ohne nennenswerte Zwischenfälle. Hinter Massa, de la Rosa, Schumacher und Rosberg belegten Gary Paffett (McLaren), Barrichello, Buemi und Robert Kubica (Renault) die weiteren Positionen. Das komplette Feld lag innerhalb von zweieinhalb Sekunden – bei strahlend sonnigen Bedingungen. Zwar war es mit knapp über zehn Grad relativ kühl, doch vor Regen oder gar Schnee blieben die Teams verschont.

Die Zeitentabelle des Testauftakts kann man getrost vergessen, denn bei Benzintanks mit mehr als 150 Kilogramm Fassungsvermögen können die Rundenzeiten allein schon des Gewichts wegen um bis zu fünf Sekunden schwanken. Damit geht es bis zum ersten Qualifying der Saison bestenfalls um die "Goldene Ananas" – und zwar noch mehr als in den vergangenen Jahren, ohne Nachtankverbot...

Rundenzeiten:

 1.  Massa          Ferrari     1:12,574
2. de la Rosa Sauber 1:12,784
3. M. Schumacher Mercedes 1:12,947
4. Rosberg Mercedes 1:13,543
5. Paffett McLaren 1:13,846
6. Barrichello Williams 1:14,449
7. Buemi Toro Rosso 1:14,762
8. Kubica Renault 1:15,000

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