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Kollektive Glückseligkeit nach dem „1. Schumi-Brumm“

Deutschlands größte Zeitung und das Schumacher-Comeback – Kabarett vom feinsten. Als Draufgabe gibt es einen absurden BMW Sauber-Ferrari…

Michael Noir Trawniczek

„WAHNSINN“, steht da geschrieben - die Onlinekollegen der Bild-Zeitung ringen offensichtlich um die passenden Worte. Um Worte, welche dieser Jahrhundertsensation, dieser kollektiven Glückseligkeit wenigstens annähernd gerecht werden: Michael Schumacher wieder im Formel 1-Auto, oder wie die Kollegen formulieren: „Schumi wieder zurück in seinem wahren Leben.“

Da muss schon eine Schlagzeile her, die wirklich alle verstehen:

„Das 1. Schumi-Brumm!“ – bist du deppert, was für ein Geniestreich! Das schlägt sogar die von der Redakteurin verstohlen bekicherte, vom Layouter schlampig hin gerotzte Windelhose für Jenson Button! Die mehr oder weniger subtile Botschaft dahinter lautete damals ja: Der Jenson muss AA machen wegen unserem Vettel! Nur hat er das dann doch nicht müssen, aber das ist ja bereits Schnee von gestern – schließlich ist jetzt wieder der Schumi fürs Grobe zuständig…

„Das 1. Schumi-Brumm!“ - vielleicht eine der besten Headlines in der Geschichte des Bildungsauftrags! Schließlich wird diese Botschaft wahrscheinlich wirklich von allen verstanden - sogar von jener Klientel, welche nicht davor zurückschreckt, in den Internetforen und den anonymen Kommentaren schon jetzt „Heil Schumi“ zu skandieren.

Ja, der Meister ist unerreichbar und der Unerreichbare wird wieder Meister, weil "das sagen die Propheten" und der achte WM-Titel ist "unausweichlich", denn das sei schließlich „das Schicksal des wahren Champions“, mehr noch, das „Schicksal der gesamten Formel 1“. Dass Schumacher in seiner ersten Outlap Platz für den heranstürmenden Felipe Massa machte, hat natürlich einen Hintergrund: „Der Meister ist einfach unerreichbar. Selbst in seiner Güte, seinem kleinen Bruder Massa den Vortritt zu lassen. Welch Barmherzigkeit. Heil Schumi.“ Ja, genau: Bacardi-Cola ist wieder angesagt!

Nur einen Tag vor dem erlösenden „Schumi-Brumm“ wurde die gebeutelte Nation noch ein wenig in Unsicherheit gewiegt: „Morgen wird’s ernst!“ Denn: „Schumi testet auch, ob sein 41 Jahre alter Körper noch mitspielt!“ Schließlich gab Schumacher offen zu: „Ich färbe meine Haare! Der eine wird ein bisschen früher grau, der andere ein bisschen später.“ Womit die Leser auch gleich wieder etwas gelernt haben…

Sponsorenloser BMW Sauber-Ferrari

Ganze andere Sorgen dürften die Verantwortlichen von BMW haben: Das Sauber-Team heißt nämlich immer noch BMW Sauber F1, allerdings brüllt im Heck des in BMW-Farben gehaltenen Boliden ein Ferrari-Motor. Und so dreht in Valencia zurzeit der BMW Sauber-Ferrari emsig seine Runden – absurd.

Der Hintergrund: Die Beibehaltung des alten Teamnamens bringt Sauber rund 30 Millionen Dollar an TV-Geldern aus dem Vorjahr ein, bei einer Neubenennung könnte man diese beträchtliche Summe verlieren. Der einzige Weg wäre eine Ausnahmeregelung – doch die wurde lediglich bei Mercedes akzeptiert. Offenbar lässt man BMW ein wenig zappeln, vielleicht die Strafe für den überfallsartigen Rückzug…

Während also jede einzelne Testrunde der neuen Silberpfeile live im Internet kommentiert wird und das Gespann Schumacher/Mercedes schon vor dem ersten Rennen Legendenstatus genießt, erinnert der sponsorenlose, irgendwie heruntergekommen wirkende BMW Sauber-Ferrari daran, wie vergänglich ein solches Herstellerengagement eigentlich ist.

Die Namen sind austauschbar: Aus dem Honda (früher Tyrrell, dann BAR) wurde der Brawn, aus dem Brawn der „erste echte Mercedes seit 1955“. Gebaut wurde der Silberpfeil wie zuvor der Honda und der Brawn in Brackley, Großbritannien. Wie auch immer: Schumi gibt Gummi, das nächste Mal wieder am Mittwoch.

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