Formel 1

Grand Prix von Deutschland 2010 | 21.07.2010

Seit 2008 hat sich vieles verändert…

RBR will den Doppelsieg, Vettel & Webber wollen den Sieg. Das große Mercedes-Comeback in Deutschland. Klien zumindest im LKW-Cockpit.

Michael Noir Trawniczek

Ein Viertel des aktuellen Formel 1-Teilnehmerfeldes kommt aus Deutschland – keine andere Nation ist derzeit stärker in der „Königsklasse“ vertreten. Für Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Michael Schumacher, Nico Hülkenberg, Adrian Sutil und Timo Glock steht am kommenden Wochenende das Heimrennen auf dem Hockenheimring auf dem Programm. Das neue Mercedes-Werksteam und das Comeback von Michael Schumacher – einen regelrechten Zuschaueransturm bringt das jedoch nicht. Wenngleich die Veranstalter, die im Vorjahr noch ums Überleben kämpfen mussten, am kommenden Wochenende immerhin mit 65.000 Zuschauern rechnen dürfen.

Die größten Chancen der sechs Lokalmatadore weist natürlich Sebastian Vettel auf, der Red Bull Racing-Pilot peilt selbstverständlich einen Heimsieg an. Am vergangenen Wochenende hat Vettel die Fans zunächst mit einem Blitzbesuch bei der Ennstal Classic und am Sonntag in seinem Heimatort Heppenheim beglückt – dort kamen satte 100.000 Fans, um den 23-jährigen im Vorjahrsboliden von RBR auf der Bundesstraßen flitzen zu sehen.

Auf dem Hockenheimring war die Formel 1 zuletzt im Jahr 2008 zu Gast, da der Große Preis von Deutschland zwischen Hockenheim- und Nürburgring alternierend abgehalten wird.

Mateschitz: „Haben keine Nr. 1“

Abgewechselt haben sich in der bisherigen Saison auch Sebastian Vettel und sein Teamkollege Mark Webber, was das Siegen anbelangt. Webber hat bereits drei Siege auf dem Konto, bei Vettel sind es deren zwei. So hat Webber auch in der WM-Tabelle der Fahrerwertung die Nase vorne, allerdings trennen Webber und Vettel nur sieben WM-Punkte (für einen Sieg erhält mein seit 2010 deren 25).

Trotz der dominanten Performance des RB6-Renault liegen andere in Führung, nämlich die beiden McLaren-Piloten Lewis Hamilton (145 Punkte) und Jenson Button (133). Die beiden RBR-Piloten haben einander Punkte weggenommen, als sie in der Türkei miteinander kollidierten. Zuletzt gab es in Silverstone erneut Missstimmung – vor dem Deutschland-Grand Prix hat Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz höchstpersönlich erklärt, dass seine Piloten „gleichberechtigt“ seien.

„Wir habe keine Nummer eins und keine Nummer zwei. Beide Piloten bekommen Autos auf dem völlig gleichen Stand. Das Problem mit dem neuen Flügel in Silverstone war die erste Ausnahme“, erklärte Mateschitz gegenüber der Kleinen Zeitung. Das teaminterne Duell würde RBR nicht den Titel kosten – und selbst wenn das passieren sollte, wäre das für Matesschitz offenbar nicht der Weltuntergang: „Wenn es passieren sollte - mein Gott, wir reden hier von Rennsport. Das Image von Blut, Schweiß und Tränen kommt ja nicht von ungefähr.“

Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko wünscht sich für Hockenheim jedenfalls einen Doppelsieg, denn der Rückstand in der WM muss aufgeholt werden – sonst droht man den Anschluss zu verlieren. Vor allem dann, wenn McLaren den Sieg holen sollte. Von Vettel wird also gleich von mehreren Seiten der Sieg erwartet. Der Druck, der auf dem Heppenheimer lastet, ist immens: Nicht nur, weil es sein Heimrennen ist, sondern weil er auch Webber bezwingen möchte.

Technisch betrachtet könnte der Hockenheimring dem RB6 „schmecken“ – doch McLaren wird wohl jenes Update einsetzen, eine Kopie des RB6-Hecks, welches zuletzt in Silverstone nach dem Einsatz am Freitag wieder abgeschraubt werden musste.

Da zuletzt 2008 auf dem Hockenheimring gefahren wurde, sind daraus keine Rückschlüsse zu ziehen, denn 2008 gab es noch eine ganz andere Fahrzeuggeneration.

“You’re a gp-winner!“

Im Vorjahr, auf dem Nürburgring, hörte Mark Webber am Boxenfunk die Worte: „Du bist jetzt ein Grand Prix-Sieger!“ Trotz einer Durchfahrtsstrafe konnte Webber das Rennen für sich entscheiden - ein typisches Webber-Rennen, der dann, nach der Drive Through-Strafe, über sich hinaus wuchs, Vettel musste sich mit neun Sekunden Rückstand mit Platz zwei zufrieden geben.

Seit 2002 wird auf der verkürzten Version des Hockenheimrings gefahren, die Streckenführung ist durchaus anspruchsvoll, es sind auch einige Überholmöglichkeiten enthalten – doch die Satellitenkarte verdeutlicht eindrucksvoll, wie einzigartig der alte Ring mit seinen langen Waldgeraden war, während der heutige Ring im Vergleich dazu wie eine Kartrennstrecke wirkt. Die alte Strecke wurde, so wie auch der alte Nürburgring, in einer Zeit gebaut, in der noch nicht alles vom Fernsehen diktiert wurde. Natürlich ist der heutige Hockenheimring kompakt und überschaubar, das Publikum vor Ort hat einen perfekten Überblick über das Renngeschehen. Und die Zeiten ändern sich eben…

Premiere & Comeback

So wird in Hockenheim am Freitag eine historische Premiere stattfinden, die im Grunde sagenhaft ist – nämlich in dem Sinne, dass sie erst jetzt stattfindet: Erstmals wird bei einer offiziellen FIA-Pressekonferenz der Formel 1 eine Frau teilnehmen, nämlich Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn.

Nicht nur eine Premiere wird es am kommenden Wochenende geben, auch ein großes Comeback steht an: Erstmals seit 1954 wird wieder ein Mercedes-Werksteam einen Grand Prix von Deutschland bestreiten.

Ob jedoch Nico Rosberg oder Michael Schumacher den damaligen Triumph von Juan Manuel Fangio im legendären W196-Boliden wiederholen können, ist eher anzuzweifeln. Nico Rosberg sagt: „Die Fans sind immer sehr begeistert und werden Michael bei seinem Comeback frenetisch anfeuern. Ich hoffe sie halten mir aber auch die Daumen. Es wird sicher ein tolles Wochenende werden.“ Schumacher wiederum erinnert sich an seinen Sieg 1995 („nachdem wir es einige Jahre zuvor vergeblich versucht haben“) und hofft auf „viele Silberkappen“. Schumacher wird jedoch erneut in erster Linie an Rosberg gemessen werden.

Klien im Freitags-Cockpit?

Noch nicht hundertprozentig sicher ist, ob Christian Klien am Freitag wieder das erste freie Training bestreiten wird. Allerdings zeigte sich der Hohenemser erst letzte Woche in einem Gespräch mit motorline.cc zuversichtlich, dass er bei den kommenden Rennen an einigen Freitagen im Auto sitzen wird.

Sicher wird Klien jedoch am Donnerstag im Cockpit sitzen – nämlich in einem LKW-Cockpit. Das Hispania Racing-Team hält auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszetrums ein LKW-Rennen mit den vier HRT-Piloten Christian Klien, Bruno Senna, Karun Chandhok und Sakon Yamamoto ab. „Um ein faires Rennen gewährleisten zu können, stellt der ADAC zwei Schiedsrichter, damit es im Kampf auf der Strecke mit rechten Dingen zugeht“, ließ das Team über eine Presseaussendung verlauten.

Im Rennen setzt man in Hockenheim übrigens Bruno Senna und Sakon Yamamoto ein. Schon in Ungarn könnte sich das wieder ändern, im erwähnten Gespräch verriet Klien: „Seit dem letzten Rennen ist es so, dass Hispania Racing alle vier Fahrer für den Rennsitz nominieren kann. Und alle vier Fahrer sind gleichgestellt – von dem her liegt die Entscheidung immer beim Team.“

Keine Hitzeschlacht

Laut den Meteorologen könnte es am Freitag ausgerechnet um 14 Uhr, wenn das zweite freie Training in Angriff genommen wird, leichten Regen geben. Am Vormittag hingegen soll es nur leicht bewölkt sein. Auch am Samstag könnte laut den Prognosen das Qualifying von leichten Regenschauern begleitet werden. Nur für den Rennsonntag wird kein Regen vorhergesagt, allerdings soll es auch da bewölkt sein. Sollten die „Wetterfrösche“ Recht behalten, müssen die Piloten jedenfalls nicht mit einem Hitzewochenende rechnen – die Temperaturen sollen an keinem der drei Grand Prix-Tage über 22 Grad Celsius hinausgehen.

GP Live am Wochenende

GP Live ist der Echtzeitkommentar von motorline.cc – so können Sie an jedem Ort, an dem es Internet gibt, das Grand-Prix-Wochenende live mitverfolgen. Oder Sie lesen den Kommentar als unterhaltsame Ergänzung zur TV-Übertragung.

Freitag, 23. Juli 2010, ab 14.00 Uhr: GP von Deutschland, das 2. Freie Training. Kommentar: Michael Noir Trawniczek.

Samstag, 24. Juli 2010, ab 13.50 Uhr: GP von Deutschland, das Qualifying. Kommentar: Michael Noir Trawniczek

Sonntag, 25. Juli 2010, ab 13.45 Uhr: GP von Deutschland, das Rennen. Kommentar: Michael Noir Trawniczek

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