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Triumph Bonneville Bobber - im Test Triumph Bonneville Bobber 2017

Radikal nostalgisch

Cooles Design gehört bei Triumph dazu. Mit der neuen Bonneville Bobber haben die Briten ein echtes Custom-Werksmodell auf die Räder gestellt.

mid/rs

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Es gibt unspektakuläre Motorräder, und es gibt unwiderstehliche Hingucker. Eindeutig ein echter Blickfang ist die Triumph Bonneville Bobber. Egal, ob man mit der sonor dahinblubbernden Engländerin die Landstraße entlang cruist, oder ob man auf dem kurzen Weg zur nächsten Eisdiele die Stadt durchquert.

Offensichtlich schauen sich nicht nur eingefleischte Motorrad-Fans um, denn so etwas wie die nostalgisch anmutende Triumph Bobber sieht man nicht an jeder Ecke. Triumph wünscht sich das für die nahe Zukunft natürlich anders. Ob der Retro-Einsitzer das Zeug zum Bestseller hat, zeigt der Test.

Steve McQueen war nicht nur allgemein als "King of Cool" anerkannt, er war auch bekennender Triumph-Fan. Spätestens seit dem Film-Klassiker "Gesprengte Ketten" verbindet man den Hollywood-Star vor allem mit einer geländetauglichen Triumph Scrambler. Aber die brandneue Bobber vom selben Hersteller aus dem englischen Hinckley hätte sich Frauenschwarm und Motorrad-Fan McQueen sicher gerne in die Garage gestellt - nicht nur wegen der ansprechenden Optik.

Auf den ersten Blick könnte sie ein Bike aus den 30er Jahren sein. Das gaukeln nicht nur die schwarzen Speichenräder vor oder die vermeintlich handgefertigten, zweiteilig wirkenden Kotflügel. Zum gelungenen Retro-Look der Bobber gehören auch Instrumente und Scheinwerfer in kreisrunder Ausführung und vor allem ein Heck, das den Eindruck der Bandscheiben-mordenden Starrheit vermittelt. In Wirklichkeit sitzt jedoch unter dem Solo-Schwingsattel gut versteckt ein Einzelfederbein, das den Komfort bringt, den man von einem modernen Motorrad erwartet.

Der Begriff Bobber stammt aus dem Englischen. Er steht für extrem puristische Motorräder, die ohne jeglichen Firlefanz früher sogar ohne vorderes Schutzblech unterwegs waren. Triumph Bonneville Bobber heißt Englands neuer Beitrag zu dieser speziellen Art von Retro-Motorrad. Mit einem Kaufpreis von 14.990 Euro (Deutschland: 12.500 Euro) ist sie nicht gerade ein Schnäppchen, hat dafür aber auch allerhand zu bieten.

Allen voran: Das neue 1,2-Liter-Herz von Triumphs Bonneville T120-Baureihe schlägt auch in der spektakulär gestylten, einsitzigen Bobber. Die Entwickler verpassten dem vorbildlich agierenden Twin eine noch fülligere Drehmomentkurve für reichlich Kraft aus dem Drehzahlkeller. Außerdem fällt dank 270 Grad Hubzapfenversatz der betörend brabbelnde V2-Sound auf, den bei der Bobber exklusive und auffällige "Slash Cut"-Auspuffrohre ins Freie entlassen. Neben dem Klang stimmt auch die Optik, denn die beiden Röhren sind in attraktiv gebürstetem Edelstahl gehalten.

So wirkt die Triumph Bonneville Bobber wie ein Oldtimer aus guten alten Tagen, den flüchtige Betrachter für ein vorbildlich hergerichtetes antikes Bike halten. Und selbst Spezialisten, die sich ganz gut auskennen und lediglich nicht das exakte Modell von Triumph kennen, könnten meinen, dass es sich um ein modernes Custom Bike handelt.

In der nach wie vor blühenden New Wave-Custom-Szene sieht man immer mehr Bobber, die aus liebevoll hergerichteten Youngtimern entstehen. Nicht so die Triumph: Sie ist quasi ein Custom Bike von der Stange und macht ab Werk soviel Freude, wie sonst nur aufwändig individualisierte Maschinen.

Die BMW R nineT ist hier eines der Vorbilder, deren Erfolg immer mehr Hersteller zum Bau von Retro-Bikes inspiriert hat. Die deutsche Konkurrenz entwickelt auch schon einen Bobber, wie im Frühjahr 2016 die aufsehenerregende Studie BMW R5 Hommage gezeigt hat. Jedoch ist ihr die Triumph Bobber zuvorgekommen.

Die Engländer profitieren innerhalb der aktuellen Nostalgie-Welle vom Ruf der Traditionsmarke. So wirkt die auf alt getrimmte, neue Bobber absolut authentisch, obwohl sich hinter ihrer Retro-Fassade durchaus hochmoderne Technik verbirgt. Im Look eines klassischen Vergasers ist die Einspritzung gehalten, und im antik wirkenden Zentralinstrument informieren neben einem analogen Zeiger auch digitale Anzeigen über den gewählten Fahrmodus ("Road" oder "Rain") oder die Restreichweite. Die hält sich in überschaubaren Grenzen, denn bei strammer Fahrweise ist nach nicht weit über 150 km Nachtanken angesagt.

Das Spritreservoir fasst zwar wenigstens 9,1 Liter Benzin, und der Normverbrauch soll 4,1 l/100 km betragen. Doch in der Praxis können es schnell mal über fünf Liter sein, und bis auf den letzten Tropfen lässt es nicht mal ein cooler Bobber-Fahrer unbedingt ankommen. Aber: Auf ihrem typischen Einsatzgebiet ist die eingeschränkte Reichweite der Bobber kein wesentlicher Nachteil.

Tourentauglich ist Triumphs gelungener Nostalgie-Wurf ohnehin kaum, denn erstens fehlt auf dem Einsitzer jegliche Möglichkeit zur Gepäckunterbringung, zweitens bietet der Aluminium-Sattel nicht allzu viel Komfort. Auf Kurzstrecken ist alles in Ordnung, darüber hinaus hilft selbst die vielfältige Verstellmöglichkeit nicht viel.

Doch dank variabler Einstellung in Länge und Höhe finden klein- und großgewachsene Biker perfekt Platz auf dem Nostalgiemotorrad - immer unter der Voraussetzung, dass die Klappmesser-Körperhaltung auf der Engländerin grundsätzlich gefällt. Alternativ zum flachen und schmalen Serienlenker gibt es für passionierte Easy Rider einen hohen, geschwungenen "Ape Hanger"-Lenker beim Triumph-Händler.

Alles in allem ist die Triumph Bonneville Bobber ein absolut gelungenes und sehr reizvolles Retro-Bike, auf dem man kurze und mittlere Strecken akustisch und von der Leistungsentfaltung her sehr genießt. Optisch kommen der glückliche Bobber-Fahrer und seine Umgebung ohne Zweifel voll auf ihre Kosten. Das Zeug zum Bestseller hat sie also.

Einsitziger Bobber mit wassergekühltem Zweizylinder-Motor, Leistung: 56,6 kW/77 PS bei 6.100/min, max. Drehmoment: 106 Nm bei 4.000/min, Sechsgang-Getriebe, Kettenantrieb. Stahlrohr-Schleifenrahmen, Telegabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser vorn, Stahlrohr-Zweiarmschwinge und Zentralfederbein mit einstellbarer Vorspannung hinten, Einzelscheibenbremse vorn 310 mm, Einscheibenbremse hinten 255 mm, abschaltbare Traktionskontrolle, ABS. Reifen vorn: 100/90-19, hinten: 150/80 R16, Sitzhöhe: 690 mm, Tankvolumen 9,1 l, Radstand 1.510 mm, Trockengewicht 228 kg.
Österreich-Preis: 14.990 Euro (Deutschland: 12.500 Euro).

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