Rallye-ÖM: Lavanttal-Rallye 2012 | 13.04.2012
„Erstmals seit einem Dreivierteljahr wieder im Rallyeauto“
Bis zuletzt war unklar, ob Patrick Winter tatsächlich ein Comeback geben wird. Jetzt ist es amtlich – mit Jürgen Rausch steigt er in einen Evo IX R4.
Michael Noir Trawniczek
Fotos: Daniel Fessl/www.motorline.cc
Spannung bis zum Schluss – Patrick Winter und Jürgen Rausch haben zwar für die Lavanttal-Rallye genannt, doch niemand wusste: Fährt Patrick Winter? Oder fährt er nicht? Selbst am Donnerstag tappten viele noch im Dunkel – freilich ging es um Sponsoren und Budget. Erleichtert stellten sich Patrick Winter und Jürgen Rausch am Donnerstagabend dem motorline.cc-Interview.
Wann habt ihr gewusst, dass es klappen wird?
Wirklich gewusst haben wir es am Mittwoch in der Früh, als wir ins Lavanttal gefahren sind. Ich hatte damit ja eigentlich nicht viel zu tun – mein Beifahrer Jürgen Rauch hat sich um das gesamte Budget gekümmert. Es war wirklich spannend bis zum Schluss – ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass wir hier am Start stehen werden. Aber jetzt sind wir hier.
Auch bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Rallye wusste man noch nicht, ob du fahren wirst – war das der Grund, warum du dort nicht aufgetreten bist?
Ja, ich dachte mir, dass es besser ist, daheim zu bleiben und daran zu arbeiten, dass wir fahren können, anstatt bei der Pressekonferenz keine klaren Aussagen treffen zu können.
also habt ihr beide an diesem Start gearbeitet – doch die Hauptintention kam von Jürgen? Oder andersrum gefragt: Ohne die Bemühungen von Jürgen hättest du dich damit abgefunden, dass du nicht starten kannst?
Das ist schwer zu sagen. Aber ich habe einen gewissen Abstand gebraucht. Denn ich habe die letzten Jahre jede freie Minute meines Lebens für den Rallyesport geopfert und jetzt habe ich eine gewisse Zeit für mich selbst gebraucht, ich habe mich ein bisschen verändert. Und jetzt werden wir schauen, dass wir es im heurigen Jahr besser hinkriegen.
Jetzt wurdest du quasi von deinem Beifahrer zu diesem Start eingeladen, er hat alles organisiert – du kannst also recht unbekümmert und befreit von dem oft vorherrschenden organisatorischen Druck deiner Aufgabe als Pilot nachgehen, oder?
Das stimmt. Ich musste mir die letzten Tage keine Gedanken darüber machen, wo ich noch diesen und jenen Cent herbekomme, das hat eben alles Jürgen gemacht – von daher kann ich wirklich befreit in die Rallye gehen. Es gibt auch überhaupt keinen Druck.
Das einzige, das mich ein bisschen stört ist, dass ich seit zwei Tagen ein bisschen krank bin. Heute hatte ich etwas Fieber – aber das wird man bis morgen hoffentlich in den Griff bekommen und dann kann ich wirklich befreit ganz einfach drauf los fahren.
Also von der ersten Sonderprüfung an mit voller Attacke oder gibt es doch eine gewisse Strategie?
Man darf nicht vergessen, dass wir ein Dreivierteljahr nicht mehr im Auto gesessen sind. Ganz vorne werden wir sicher nicht mitfahren können. Wir werden schauen, dass wir uns mit dem Auto noch besser anfreunden können – ich fuhr heute den Shakedown und das ist komplett anders zu fahren als jene Mitsubishi, die ich gewöhnt war…
Warum? Ist dein Evo IX mit R4 ausgerüstet?
Ja, es ist ein R4-Kit drin und es gibt einen deutlichen Unterschied – ich will jetzt nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber es wird sicher ein paar Prüfungen dauern, bis wir damit wirklich schnell fahren können. Wir müssen einfach schauen, wie sich die Rallye entwickelt.
Was hältst du von den Sonderprüfungen?
Ich habe sie mir heute angesehen – es ist sehr rutschig. Ich bin mir sicher, dass es wieder eine ziemlich schwierige Rallye wird und das Wichtigste ist für uns, dass wir auf der Straße blieben.
Ist es jetzt angenehmer ohne diesen ‚S2000-Druck‘?
Es gab nicht wirklich einen S2000-Druck – den Druck haben wir uns eher selbst auferlegt. Ich habe dann schon zu zweifeln begonnen: Liegt es an mir, dass wir so weit hinten sind oder liegt es am Auto – das weiß man ja in dem Moment meistens nicht. Ich weiß es bis heute nicht, man kann es einfach nicht sagen.
Aber jetzt schauen wir, dass wir wieder mit dem Mitsubishi fahren, das ist etwas günstiger, das geht. Jetzt schauen wir einmal, dass wir wieder Freude am Fahren haben und dann können wir auch wieder schnell sein.
Am Samstagmorgen steht eine Prüfung auf dem Programm, die heute am Morgen richtiggehend winterlich verschneit war – wie gehst du damit um?
Das Wetter und die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen – wir müssen es ohnehin nehmen, wie es kommt, und es ist für jeden gleich.
Aber ich habe jetzt drei Wochen im Winter spezielle Winterfahrtrainings als Instruktor abgehalten und bin jeden Tag in einem Evo IX gesessen, also bin ich da sicher ganz gut im Training.
Es wird aber sicher nicht leicht, weil wir dann ja wahrscheinlich mit Slicks auf Schnee fahren – Spikes oder Winterreifen haben wir nicht hier, sie sind auch, so glaube ich, gar nicht erlaubt. Da müssen wir halt ein bisschen vorsichtiger über den Schnee fahren, dafür können wir dann ja auf Asphalt wieder kräftig Gas geben.
Gibt es bei deiner Comeback-Rallye eine Wunsch-Platzierung?
Nein, ich habe mir wirklich nichts Spezielles vorgenommen, ich möchte einfach schön ins Fahren kommen und für die Zuschauer eine gute Show bieten – wenn uns das gelingen würde, wären wir bereits glücklich.
Auf deinem Auto sieht man sehr viele kleinere Kleber…
Das ist eine recht große Kaufgemeinschaft mit vielen Businesspartnern. Zum Beispiel die Firma Sorger, dann Getränke Brunner, Schlosstaverne Waasen, Backhendlstation, Papinski, Mittermüller, Cafe Galeria, Volksheim Sangholzfeld, Wohnen bei Hoflehner, dann noch die Firma Doppelmöbel und ganz besonders erwähnen möchte ich noch Remus und unser Topp Cars Team, das unser Auto einsetzt und das uns sehr entgegengekommen ist.
Von meiner Seite geht noch ein riesengroßes Lob an meinen Beifahrer Jürgen Rausch, der die letzten Wochen rund um die Uhr gearbeitet hat, damit wir fahren können. Jetzt möchte ich schauen, ob ich ihm hier ein ordentliches Geschenk machen kann.











