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Kia Stinger - Sportlimousine im ersten Test Kia Stinger 2017

Stachel angesetzt

Kia, bisher als brav und zuverlässig bekannt, will mit dem neuen Viertür-Coupé Stinger dokumentieren: Wir können auch Emotion und dicke Hose!

mid/brie

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Woran denken Autokäufer, wenn sie den Namen Kia hören? Spontan fällt ihnen meist ein, dass der koreanische Hersteller erfolgreiche Massenprodukte mit guter Qualität liefert und aus dieser Selbstsicherheit heraus eine 7-Jahresgarantie gewährt.

Seit sich der Hyundai-Kia-Konzern den deutschen Peter Schreyer als Chefdesigner von Volkswagen holte und in den Vorstand berief, machte auch das Design überraschend große Sprünge, die den Autos nun ein absolut modernes Aussehen bescheren. Für diese Tugenden möchte Kia auch künftig stehen, aber das reicht den Managern wohl nicht mehr.

Als Beweis für das Draufsatteln in Sachen Image rollen die Koreaner mit dem 4,80 Meter langen Stinger eine Coupé-Limousine der gehobenen Mittelklasse aus den Werkshallen. Beim Erstkontakt auf Mallorca verursacht der Kia Stinger bei den Fachjournalisten erst einmal ergriffenes Schweigen. Nicht nur das Design verrät: Hier wird nicht der Versuch unternommen, mit lauwarmen Wasser zu kochen: Der Tigernasengrill, die seitlichen Nüstern, die lange Motorhaube, die kurzen Überhänge, die geschwungene Seitenlinie mit den Muskeln über den Radhäusern und die vier verchromten Endrohre beim Topmodell GT, die links und rechts keck zu je Zweien gebündelt sind, reklamieren ein Statement für sich.

Könnte der Stinger sprechen, würde er wohl sagen: So sieht man eben aus, wenn man es bis auf 370 PS bringt, 510 Nm auf die Kurbelwelle wuchtet und in 4,9 Sekunden von Null auf Hundert sprintet. Aber ein Krawallbruder bin ich nicht!"

Und tatsächlich: Der V6-Motor verrichtet seine Arbeit im Schulterschluss mit dem Achtgang-Automatikgetriebe eher gelassen brabbelnd, als wolle er dem Fahrer mit sonorer Stimme zuraunen: "Du kannst Dich auf mich verlassen. Wenn Du plötzlich Leistung brauchst, dann lasse ich mit nicht lumpen." So ähnlich würden es die rot lackierten Bremssättel wohl auch formulieren - nur mit gegensätzlicher Blickrichtung.

Auch hinter die Fahrwerksqualitäten können die Piloten einen Haken setzen, denn der Stinger fühlt sich selbst bei härtester Gangart auf der abgeschlossenen Rennstrecke "Circuito Mallorca" nicht überfordert. Er wirkt insgesamt sogar sehr unaufgeregt.

Damit die Kraft nicht sinnlos mit durchdrehenden Rädern verpufft, werden beim GT immer alle vier Räder angetrieben. Für die Basisversionen mit dem 2,0-l-Turbobenziner mit 188 PS und dem 2,2-l-Turbodiesel mit 147 PS ist die Sportlimousine als Hecktriebler (zum ersten Mal bei Kia) konzipiert.

Je nachdem, ob sanftes Dahingleiten oder eher flottes Fahren angesagt sind, stehen fünf Fahrprogramme zur Auswahl, die Lenkung, Fahrwerk und Schaltcharakteristik beeinflussen.

Ob die Leistungsdaten des GT im Vergleich zu den direkten Mitbewerbern beim Kauf entscheidend sind, sei dahingestellt, denn schließlich wird sich die künftige Kundschaft eher nicht auf Rennstrecken herumtreiben.

Der Reiz, sich den Stinger zu kaufen, geht eher vom Gesamtpaket aus: Die Serienausstattung ist so komplett, dass den Marketing-Strategen in Ingolstadt und München die Spucke wegbleibt. Wer bei der genannten Konkurrenz alles das haben will, was im Stinger zur Serienausstattung gehört, beschleunigt den Rechnungsbetrag mit Turbokraft in Tausender-Schritten nach oben.

Die Koreaner haben dagegen beim Serienumfang einfach nichts vergessen: Lederausstattung, elektrische Vordersitze mit Memory-Funktion, Sitzheizung und beim GT Sitze mit verstellbaren Seitenwangen, Klimaautomatik, 8-Zoll-Navigationsbildschirm, Premium-Soundsystem, digitaler Radioempfang, Head-up-Display, LED-Scheinwerfer, Rundumsichtkamera und Smartphone-Ladestation und mehr.

Die Aufzählung ließe sich auch locker durch nahezu alle Assistenzsysteme und Sicherheitsdetails bis hin zur aktiven Motorhaube für den Fußgängerschutz verlängern. Das Meiste davon gibt es ab Ende Oktober bereits in der Basisversion für 43.290 Euro (Deutschland: 43.990 Euro). Beim Kraftmeier am oberen Ende, dem 3.3 T GDI AWD GT sind es dann 67.790 Euro (D: 54.900 Euro).

Der Stinger ist vielleicht nicht das Auto, das man in Zeiten von Abgasdiskussionen und Dieselskandal erwartet hätte. Denn zumindest bei der Technik zum Reinigen der Diesel-Emissionen muss Kia noch nachbessern.

Und der ganz "dicke" Benziner dokumentiert über die Tankquittungen mit seinem EU-Verbrauch von 10,2 l/100 Kilometer ebenfalls, dass er nicht für Energiespar-Rallyes konzipiert wurde - daher zahlt man in Österreich auch besonders viel Normverbrauchsabgabe (NoVA), was den großen Preisunterschied zu Deutschland erklärt.

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