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Zum 5. Geburtstag: Test McLaren P1 McLaren P1 2017

Schlanker Fuß

Wir geben dem 916 PS starken McLaren P1 die Sporen. Der ausverkaufte Supersportler wird inzwischen um vier Millionen Euro gehandelt.

Marcel Sommer/mid

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Zu den Träumen eines Benzinbruders gehört ohne Zweifel die Hoffnung, einmal im Leben das Lenkrad eines der Großen Drei zu übernehmen, die da wären: Porsche 918 Spyder, Ferrari LaFerrari und McLaren P1. Ein Trio, das bereits vor rund fünf Jahren dank seiner Hybridtechnologie gepaart mit einer unglaublichen PS-Zahl für Aufsehen sorgte.

Ein Trio, das zum damaligen Zeitpunkt zusammen gut und gerne drei Millionen Euro kostete und heute für weit mehr als das Doppelte zumeist unter der Hand gehandelt wird. Wobei dies genauer gesagt ein wenig zu tiefgestapelt ist. Denn allein ein Exemplar des McLaren P1 mit dem mittlerweile schon zur Legende gewordenen Kennzeichen P100V bekommt in regelmäßigen Abständen Angebote, die jenseits von vier Millionen Euro liegen.

Wie unfassbar wahnsinnig muss es also sein, so einen Boliden tatsächlich einmal selbst fahren zu dürfen? Sagen wir es mal so: Die Vorfreude ist unerträglich, der Erstkontakt unglaublich, das Fahren selbst, um es in den charmanten Worten eines Alfred Biolek zu sagen "mmmhhh, interessant".

Denn wer sich hinter das Lenkrad solch eines 916 PS und 900 Newtonmeter starken heckangetriebenen Rennwagens mit Straßenzulassung wagt, braucht perfekte Voraussetzungen. Und damit sind nicht nur der Body Mass Index eines angolanischen Langstreckenläufers, sondern vor allem das Wetter gemeint. Wobei sich auch bis 1,95 Meter-Sitzriesen mit ein wenig zu viel auf den Rippen in der Carbonkapsel inklusive Glaseinbauten über den Köpfen nicht gerade wie eine Wurst in der Pelle fühlen. Der Brite verzeiht ganz offensichtlich das eine oder andere Kilo zu viel.

Und wer den akrobatischen Einstieg erst einmal hinter sich gebracht hat, der möchte sich eh nicht mehr so schnell aus der aerodynamisch perfekt geformten Karosserie wieder herausschälen. Einer Karosserie, die auf den ersten Blick unglaublich sexy, geschwungen und einfach nur heiß ausschaut. Auf den zweiten Blick wirkt das Hinterteil ein wenig, als wenn sich ein Elefant kurz mal auf den per Knopfdruck herausgleitenden Heckspoiler gesetzt hätte. Aerodynamik hat eben ihre eigenen Gesetze.

Was sich jedoch zwischen dem Spoiler, den 315er Pirelli P Zeros und dem Fahrer abspielt, ist schon im Stand ein Spektakel. Allerdings nur, wenn der V8 Twin-Turbo seine vier Liter großen Brennkammern mit Treibstoff durchflutet, der dann mit lautem Geblubber und Gerotze in 737 PS und 720 Newtonmeter umgewandelt wird. Für weitere 179 PS und 260 Newtonmeter sorgt ein Elektromotor, der zwischen Getriebe und Kurbelwelle des Benzinmotors sitzt. Doch über die Technik des Briten wurde innerhalb der vergangen fünf Jahre ja schon alles gesagt. Also: Motor starten, Gas durchdrücken und ab die Post!

So viel zur Theorie. Denn an diesem herbeigesehnten Tag bleiben nicht nur die Augen feucht, sondern auch der Asphalt - es regnet. Wer sich für einen Regenkönig wie Max Verstappen hält und einfach mal das Gaspedal zum Boden-Carbon durchdrückt, ist vier Millionen Euro ärmer. Allein das Gewicht der Schuhsohle reicht unter diesen Umständen aus, um das sexy Heck zum Schwänzeln zu bringen.

Von der 2,8 Sekunden bis Tempo 100-, 6,8 Sekunden bis Tempo 200- und 16,5 Sekunden bis Tempo 300-Sprintfähigkeit darf also weiterhin genauso geträumt werden, wie von der Höchstgeschwindigkeit von 341 Kilometern pro Stunde. Was hingegen klappen könnte, ist der Normverbrauch von 8,3 Litern auf 100 Kilometern.

Aber dafür sind wir nicht ins entfernte Schottland gereist. Dem Plan folgend, führt die Route eine Stunde lang in Richtung Knockhill Racing Circuit bei Edinburgh, was hier im hohen Norden "Edinbraah" ausgesprochen wird. Die einzige Unterführung des Tages wird mit einem kurzen Gasstoß gefeiert, der die Milch in den Eutern der Highland-Cows zu Butter werden lässt.

Auf der einen oder anderen längeren Geraden wird zudem der digitale Drehzahlmesser für wenige Sekunden im mittleren, sprich 4.000 - 5.000 Umdrehungen-Bereich gehalten, nur um kurz darauf wieder vom Gas zu gehen und dem Wastegate gefühlt wenige Millimeter neben dem eigenen Innenohr seinen unwiderstehlichen Pffft-Sound zu entlocken. Ein bisschen Spaß muss sein.

Damit die Dorfältesten von solch klingenden Siedlungen wie Steelend, Gowkhall, Dunduff und Cowstrandburn nicht gleich ihren Highland Dress anziehen und die Mistgabel zücken, wird für ein paar Kilometer der E-Modus aktiviert. Wäre da nicht der prasselnde Regen, würde die zuvor doch recht martialisch klingende Ausfahrt nun absolut lautlos vonstattengehen. Mit dem Gedanken "Dann kann ich auch gleich mit der Bahn fahren" wird der Achtender im Heck reanimiert und auf das Rennstreckengelände gerollt.

Eine kurze Einweisung später ist klar: Schneller als 112 km/h wird hier heute nicht gefahren - dafür aber ohne Helm. Na klasse. Da ging es zugegebener Maßen auf der Landstraße schon etwas zügiger zur Sache. Die zur gewaltigen Blase angewachsene Vorfreude ist damit nun vollends geplatzt. Selten zuvor war der Wunsch nach einer behelmten, aber dafür tempolimitlosen Fahrt größer. Wobei eines innerhalb dieser Trauerphase niemals vergessen werden darf: Auch auf trockener Fahrbahn ist der McLaren P1 ein Biest. Eine automobile Zicke. Ein unberechenbares Stück automobiler Geschichte. Aber vor allem: ein nahezu unbezahlbares.

Mit diesen Gedanken an einen äußerst speziellen fünften Geburtstag eines Traumautos, wächst zugleich schon wieder die Hoffnung auf das nächste Hyper-Car von McLaren, den BP23. 2,2 Millionen Euro soll dieses in 106 Einheiten produzierte Exemplar ab Anfang 2019 kosten. Was jedoch jetzt schon feststeht ist die Tatsache, dass sich auch für solch einen Preis das Wohlwollen von Petrus nicht kaufen lassen wird.

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