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BMW i8 Roadster - erster Test BMW i8 Roadster 2018

Oben ohne

Wie macht man ein Traumauto noch spannender? BMW entfernt das Dach des i8 und macht aus dem Hybridsportler einen Roadster. Erster Test.

mid/rlo

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Das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit hat aus dem faszinierenden Hybrid-Sportler BMW i8 mit wenig Verbrauch und viel Emotion ein noch spannenderes Gefährt gemacht.

Preis der Verwandlung: Der offene Roadster kostet ab Mitte Mai (in Deutschland) 155.000 Euro, während das geschlossene Coupé für 138.000 Euro zu haben ist. Trotzdem ist BMW überzeugt: Die völlig flexibel produzierbaren, geschlossenen oder offenen i8-Varianten verlassen ab sofort meist ohne festes Dach das Werk Leipzig.

Pfeilschnell, auf Wunsch rein eletrisch und flüsterleise, bei Bedarf brüllend laut und höchst impulsiv: Auch als offener Roadster fährt sich der BMW i8 wie ein Sportwagen, der souverän in 4,6 Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigt. Oder er gleitet nur mit der Antriebskraft eines Elektromotors nahezu lautlos dahin - und intensiviert dadurch das ohnehin emotionsgeladene Fahrgefühl in einem offenen Sportwagen zusätzlich.

Im Mix der kombinierten EU-Verbrauchsnorm ergibt sich der zweifellos laborhafte Wert von 2,0 l/100 Kilometer. Dennoch: Angesichts der gebotenen Performance sind 5,8 l/100 Kilometer im realen Testmix ein imposanter Sportwagenwert. Dazu bietet auch der i8 Roadster die vom Coupé her bekannte Eyecatcher-Funktion: Mit aerodynamisch geprägtem, futuristischem Design frisst sich die nur 1,29 Meter flache Flunder förmlich ins Sichtfeld jeglicher Passanten.

Dass die Ingenieure um den Formel 1-erprobten Projektleiter Rainer Rump ganze Arbeit geleistet haben, zeigt besonders das schnelle Offenfahren: Keinerlei unangenehme Verwirbelungen sind hier spürbar. Und: Keinerlei Heißluft dringt ins Cockpit. Dabei zog in den ersten Prototypen rund 70 Grad heiße Abluft der Kühlung ins Wageninnere.

Abhilfe schufen im Laufe der weiteren Entwicklungsarbeit Modifikationen an Motorhaube und Unterboden. Deshalb strömt mittlerweile die heiße Abluft der Kühler beim offenen i8 Roadster dorthin, wo sie die beiden Insassen nicht stört.

Oder das wichtige Thema Verdeck: Bei bis zu 50 km/h öffnet und schließt es sich in nur 15 Sekunden. Das geschieht nicht nur vorbildlich schnell, sondern auch ebenso leise. Produktmanager Marcus Pluntke legt darauf großen Wert: "Bei einem solchen Auto, das phasenweise fast lautlos unterwegs ist, dürfen Verdeckmotoren akustisch einfach nicht unangenehm auffallen."

Und: Die ausgefeilte Verdeckskonstruktion bringt mit sich, dass der Roadster zwar im Vergleich zum Coupé zwei Alibi-Sitzplätze im Fond verliert, aber stattliche und sehr gut erreichbare 92 Liter zusätzlichen Stauraum hinter den Rückenlehnen dazugewinnt - ein sehr guter Tausch.

Wenn der i8 Roadster mal nicht nur flüsterleise elektrisch unterwegs ist, dann macht sich inzwischen ein noch tieferer Sound des Dreizylinder-Benziners im Heck bemerkbar. Das führt schon mal zu unnötigen, aber wohlklingenden Gasstößen in Unterführungen und Tunnels.

Dabei hat der i8 Roadster solche Klang-Eskapaden gar nicht nötig, denn am Fuße der Kathedrale von Palma de Mallorca konnten wir seine Talente als Eyecatcher überprüfen: Selten wird man mit einem käuflichen Auto dermaßen die Blicke der Touristen auf sich ziehen, wie im offenen Hybrid-Sportwagen von BMW.

Urplötzlich wird die sakrale Baukunst zur Nebensache, wenn der neue i8 Roadster erst kaum hörbar vorbeigeleitet und dann urplötzlich mit seinem unregelmäßigen Triple-Stakkato drauflos brüllt. Optisch setzt sich dabei der ultraflache Hybrid-Sportler besonders in den beiden neuen Farben "E-Copper metallic" und "Donington Grey" sowie mit den neuen, optionalen 20 Zoll-Alufelgen in Szene. Damit macht der Roadster auch mit geschlossenem Verdeck eine äußerst gute Figur.

Richtig unangenehm fällt gar nichts auf bei der Fahrt im BMW i8 Roadster. Bis hin zum erstaunlich voluminösen Sound der Infotainment-Anlage wirkt alles gelungen und durchdacht. Einzig irritierend: Hinter der massiven A-Säule verschwindet im Blickfeld des i8-Fahrers in einer Linkskurve ein entgegenkommendes Auto für einen Augenblick schon mal komplett.

Auch steht die A-Säule recht nah am Kopf der Roadster-Besatzung. Dahinter steckt aber nicht etwa mangelnde Ingenieurskunst, sondern extrem hohe Sicherheitsanforderungen. Und: Solche anfangs irritierenden Aspekte machen sich auf Dauer nicht wirklich störend bemerkbar: Sie rücken mehr und mehr in den Hintergrund, verdrängt von den intensiven Fahreindrücken im offenen i8 Roadster. Die sind vor allem geprägt vom gelungenen Zusammenspiel von E- und Benzinantrieb. Der Beweis ist erbracht: Der BMW i8 überzeugt "oben ohne" auf ganzer Linie. Er wird aller Voraussicht nach künftig vor allem ohne festes Dach bestellt, gebaut und ausgeliefert.

Zweisitziger und zweitüriger Roadster, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,69/1,94 (o.Spiegel)/1,29/2,80, Leergewicht: 1.595 kg, zul. Gesamtgewicht: 1.965, max. Zuladung: 370 kg, Kofferraumvolumen: 88 l, Tankinhalt: 30 l (optional 42).
Antrieb: Hybrid-spezifischer Allradantrieb, Verbrennungsmotor auf die Hinterräder, Elektromotor auf die Vorderräder wirkend, Ottomotor: Reihendreizylinder-Benziner mit Twin-Turboaufladung, Hubraum: 1.499 ccm, Leistung: 170 kW/231 PS bei 5.800/min, max. Drehmoment: 320 Nm bei 3.700/min Elektromotor: Hybrid-Synchronmotor mit Leistungselektronik, integriertem Lademodul und Generatorfunktion zur Rekuperation, Leistung: 105 kW/143 PS bei 4.800/min, max. Drehmoment: 250 Nm, Rekuperationsleistung 60 kW, Systemleistung: 275 kW/374 PS, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 4,6 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Normverbrauch: 2,0 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: 46 g/km, Sechsgang-Handschaltung.
Preis (Deutschland): 155.000 Euro

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