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Ford Fiesta ST - erster Test Ford Fiesta ST 2018

Pocket Rocket

Ab Juli rollt der hochdynamische und trotzdem erschwingliche Ford Fiesta ST als 200 PS starke Kleinrakete auf unsere Straßen. Erster Test.

Georg Koman; mid/rs

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Wenn von "Hot Hatches", "Pocket Rockets", "Rennsemmeln" oder ähnlichem die Rede ist, also von erschwinglichen, Kleinwagen-Sportlern mir rund 200 PS, dann darf der Fiesta ST nicht ungenannt bleiben.

Beeindruckend lässt der kleine Ford seit Generationen die Muskeln spielen und verblüfft in den entscheidenden Disziplinen - ob beim Sprint, bei der möglichen Kurvengeschwindigkeit oder beim beherzten Bremsen. Jetzt geht der neueste Fiesta ST an den Start: Stärker und schneller denn je.

Schon die nackten Zahlen lesen sich sehr angenehm: 200 PS, 232 km/h Spitze, in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h, 290 Nm Drehmoment, die zwischen 1.600 und 4.000/min vollzählig anliegen. Doch damit nicht genug: Passend zur vielversprechenden Papierform setzt sich die kleine Kanone lautstark in Szene, denn der EcoBoost-Dreizylinder brüllt, brabbelt, bollert und sprotzt so rotzfrech drauflos, dass es eine wahre Freude ist. Nicht mal das geübte Ohr merkt, dass es Lautsprecher sind, die den im "Normal"-Modus ohnehin knackigen Sound in den Modi "Sport" und "Track" (Rennstrecke) nochmals verstärken.

Und das Fahrgefühl hält voll mit: Je nach Modus benimmt sich der Zwergen-Sportler so, wie man es von ihm gerade erwartet: Mit ausreichendem Komfort, oder mit genug Sportlichkeit. Allerdings fiel uns bei Testfahrten im kurvigen Hinterland von Nizza auf: Der Motorsound könnte im Modus "Normal" dezenter ausfallen, falls man auch akustisch mal eher zurückhaltend unterwegs sein möchte. Doch geschenkt: Bei soviel Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit muss man dem Fiesta ST auch ein wenig Frechheit zugestehen.

Wie schön, wenn so ein hochemotionales Stück Technik auch noch politisch korrekt unterwegs ist: Seine ausgesprochene Dynamik paart der ST dank intelligenter Zylinderabschaltung mit erstaunlicher Effizienz, denn der technische Kniff reduziert den Spritverbrauch um zehn Prozent, solange man brav bleibt und das Gaspedal streichelt. Zylinderabschaltung bei einem Dreuzylinder? Was bleibt denn da noch übrig? Na, zwei Zylinder - und die Ab- und Zuschaltvorgänge bemerkt kein Mensch. Perfekt gelöst.

Freudenspender Nr. 1 im Fiesta ST: Der 1,5-Liter-EcoBoost-Motor. Das Prachtstück setzt sich äußerst positiv in Szene. Der kleine Turbo dreht sich bis zu 248.000 Mal in der Minute, um das Optimum aus den relativ überschaubaren Kubikzentimetern herauszuholen. Ergebnis: Ein Drehmoment-Berg über fast den gesamten nutzbaren Drehzahlbereich.

Performance-Direktor Leo Roeks gilt bei Ford als "Mister ST" und verrät: "Wir haben ganz bewusst den vermeintlichen Schritt zurück unternommen von vier auf drei Zylinder und von 1,6 auf 1,5 Liter Hubraum, denn wir wussten: Der EcoBoost-Motor mit seinem enormen Potenzial würde uns recht geben."

Gibt er auch. Der Griff an die knackig-exakte Sechsgang-Schaltung ist somit nicht andauernd vonnöten, die direkte und äußerst präzise Lenkung ist sowieso ein Gedicht. Das Fiesta ST-Fahrwerk ist auf minimales Untersteuern ausgelegt, aber auch plötzliches Übersteuern wird durch einen Griff in die Trickkiste verhindert.

Was Ford "Force Vectoring" nennt, ist eine minimale S-Form der Federn an der Hinterachse. Bei großen Querkräften bleibt das Außenrad schön parallel zum Boden, abruptem Ausbrechen des Hecks wird so einfach, aber effektiv entgegengewirkt. Leo Roeks: "Haben wir bereits patentieren lassen."

Die Fahrspaß-Abteilung von Ford konnte auf eine ohnehin agile Basis aufbauen. Der normale Fiesta wurde zur Umwandlung in einen würdigen ST um zehn Millimeter tiefergelegt. Geblieben sind Tugenden wie der für die Vornesitzenden großzügige Innenraum (bereichert unter anderem um Recaro-Sitze, die enormen Seitenhalt bieten) und erfreulich hochwertige Materialien.

Wer in Sachen Sportlichkeit noch eins draufsetzen möchte, kann für den Fiesta ST das Performance-Paket dazu bestellen. Es kostet 950 Euro und umfasst ein mechanisches Sperrdifferenzial für die angetriebene Vorderachse, eine Schaltanzeige und eine Launch Control fürs optimal-pubertäre Beschleunigen aus dem Stand.

Konsequent bietet Ford seinen neuen Fiesta ST wahlweise als 3-Türer oder für 500 Euro Aufpreis (Deutschland: 800 Euro) auch als 5-Türer an. Der Listenpreis liegt in Österreich bei 23.050 Euro, in Deutschland bei 22.100 Euro. Aber was sind heutzutage schon Listenpreise? Bei Leasing ist man in Österreich schon ab sensationellen 19.190 Euro (zu finanzierender Betrag) dabei. Wer lieber kauft, zahlt laut Ford-Österreich-Chef Danijel Dzihic "auch nicht viel mehr als 20.000 Euro".

Wer nicht knapp kalkulieren muss, sondern lieber in der umfassenden Extra-Liste stöbert, findet dort zahlreiche Assistenzsysteme, Navigation, LED-Scheinwerfer oder auch eine Highend-Soundanlage von B&O Play mit 675 Watt. Absolut imposant, angesichts des rotzfrechen Fiesta ST-Motorsounds aber beinahe entbehrlich.

Fünfsitziger, drei- oder fünftüriger Kleinwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,01/1,74/1,47/2,49, Leergewicht: 1.262 kg (5-Türer: 1.283), zul. Gesamtgewicht: 1.635 kg (5-Türer: 1.655), max. Zuladung: 373 kg (5-Türer: 372), Kofferraumvolumen: 292-1.093 l, Tankinhalt: 45 l.
Motor: 1,5 l EcoBoost-Benziner, Reihen-Dreizylinder mit Turboaufladung und intelligenter Zylinder-Steuerung, Hubraum: 1.499 ccm, Leistung: 147 kW/200 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 290 Nm bei 1.600-4.000 U/min, Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 6,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 232 km/h, Normverbrauch: 6,0 l auf 100 km, CO2-Ausstoß: 136 g/km, Sechsgang-Handschaltung, Frontantrieb.
Österreich-Preis: ab 23.050 Euro (Deutschland: ab 22.100 Euro).
Österreich-Aktionspreis bei Leasing: ab 19.190 Euro.

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