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40. Wiener Motorensymposium: die Bilanz

Zukunft der Mobilität

40. Internationales Wiener Motorensymposium: Die Jubiläumsveranstaltung stand ganz im Zeichen des Umbruchs in der Automobilindustrie.

Das 40. Internationale Wiener Motorensymposium war das erste, in dessen Verlauf mehr Vorträge über elektrische oder teilelektrische Antriebe gehalten wurden als über die bisher dominanten Verbrennungsmotoren. Ein deutliches Zeichen für den Wandel, dem die Mobilität ausgesetzt ist.

„Die Automobilindustrie steht nicht mehr vor ihrem bislang größten Umbruch, mittlerweile befinden wir uns mittendrin. Vielen wird dabei erst allmählich klar, welche Tragweite diese Veränderungen haben“, charakterisierte einer der hochrangigen Vortragenden Ausmaß und Dringlichkeit des Transformationsprozesses, in dem sich dieser wichtige Industriezweig befindet. Mehr als 1.000 Antriebsexperten, Motorenentwickler und Spitzentechniker nahmen in der vergangenen Woche an diesem automotiven „Gipfeltreffen“ im Kongresszentrum Hofburg Wien teil.

„Die Zukunft der Mobilität nimmt langsam Konturen an. Szenarien der Automobilindustrie reichen bis 2050 und sogar darüber hinaus, wenn regenerative und klimaneutrale Energieträger eine völlige Abkehr von den fossilen Kraftstoffen ermöglichen werden“, resümiert Univ.-Prof. Dr. Bernhard Geringer, Vorstand des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der Technischen Universität Wien und Leiter des Motorensymposiums, nach den zweitägigen intensiven Beratungen mit 47 Fachvorträgen und Expertendiskussionen.

Prof. Geringer: „In der Antriebsentwicklung steckt noch immens viel Potenzial und wir müssen das Maximale herausholen. Die Transformation auf ein künftighin deutlich breiteres Antriebsportfolio zeigt sich in Form der Elektrifizierung des Antriebsstrangs, - von der Hybridtechnik in unterschiedlichen Leistungsstufen bis hin zum reinen batterieelektrischen Antrieb sowie der Brennstoffzelle mit Wasserstoff als Energieform. Einen ganz besonderen Reiz haben aber regenerative Kraftstoffe (E-Fuels genannt), da mit diesen sowohl die bestehenden als auch neue Fahrzeuge auf Treibhausgasfreiheit umgestellt werden können. Sehr viel wurde am Symposium über diese neuartigen, umweltgerechten Kraftstoffe gesprochen. Es gibt nicht diealleinige Lösung sondern ein Bündel an möglichen und sinnvollen Maßnahmen. Alle Player müssen ihr Bestes geben – und alle Antriebsformen müssen weiter entwickelt werden. Die nächsten zehn Jahre werden zeigen was sich durchsetzt.“

Ein klarer und ruhiger Blick auf die Situation und die Lösungsmöglichkeiten sei essentiell, meint Prof. Geringer. Das Gute: Langsam kehre wieder Realität ein. Zentrale Erkenntnisse aus dem Motorensymposium:

+ Dieselfahrzeuge können genauso sauber wie Benziner sein, neue Abgasnormen werden zu einer deutlich verbesserten Luftqualität führen.
+ Verbrennungsmotoren insgesamt werden,unterstützt von elektrifizierten Komponenten, nach wie vor einen wesentlichen Bestandteil des Pkw-Antriebsstrangs darstellen und diese Rolle noch viele Jahre behaupten.
+ Neue Technologien sind kritischer als früher gedacht zu bewerten: Autonomes Fahren kommt – aber nicht so schnell wie erhofft und es wird teurer als erwartet sein; E-Mobilität kommt – aber auch diese muss erst in größeren Stückzahlen anlaufen und erfordert hohe Investitionskosten.
+ Der CO2-Ausstoß des Fahrzeuges ist nur eine Seite der Medaille. In den Vordergrund rücken Öko- oder Umweltbilanzen, so genannte Lebenszyklusanalysen, die sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Verwendungsphase und der Entsorgung von Fahrzeugen bzw. der Gewinnung, Bereitstellung und Nutzung alternativer Energieträger betrachten.
+ Der ab 2050 angepeilte Komplettausstieg aus fossilen Kraftstoffen wird durch Einsatz batterieelektrischer Autos, mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen oder auch regenerativ hergestellter E-Kraftstoffe möglich – aber merkbar das Autofahren verteuern. Kostenberechnungen der Umstellung für Deutschland ergeben einen Investitionsbedarf in einer Bandbreite von 300 bis 1700 Milliarden Euro, je nach Szenario – aber unabhängig von der Antriebsform. Der Aufbau der notwendigen neuen Infrastruktur (regenerative Strom-Kraftwerke, Hochleistungsleitungen oder eben die neue Art der Kraftstoffherstellung) ist kostendominant.

„Die Zukunft der Mobilität wird vielfältig und bleibt jedenfalls spannend. Die Entwicklung steht erst am Anfang – ein Ende ist nicht in Sicht“, resümiert Univ.-Prof. Bernhard Geringer, der das Symposium gemeinsam mit dessen Begründer Univ.-Prof. Hans Peter Lenz organisiert und geleitet hat.

Das Internationale Wiener Motorensymposium wird vom Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) einmal im Jahr veranstaltet. Das nächste Symposium findet vom 22. bis 24. April 2020 in der Wiener Hofburg statt.

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