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Allradtortur

Wie halten sich BMW 7er und X1 mit Allradantrieb auf Eis & Schnee in den Tiroler Alpen? Wir testen, ob sie auch da noch Freude am Fahren bieten.

Fabian Bonora

Der erste Schnee rieselt zwar schon auf Österreich, doch auf eine komplett weiße Winterlandschaft warten Schneefanatiker und Schigebiet-Betreiber noch. Deshalb begeben wir uns nach Sölden, um in 3.000 Meter luftiger Gletscher-Höhe dem Bayerischen Allradantrieb auf den Zahn zu fühlen.

Schließlich trägt bereits mehr als jeder zweite BMW das "xDrive"-Kürzel auf der Heckklappe. Zum Wintertest treten die neuesten Allradler an: Der ebenso luxuriöse wie brandneue BMW 7er als 750Li xDrive sowie das komplett erneuerte Kompakt-SUV X1 als xDrive25d beim “Winter Technic Drive”.

Bereits seit 30 Jahren kann man sich einen BMW mit Allrad bestellen. Der legendäre 325ix der E30-Baureihe war der erste Bayer, bei dem auch die Vorderräder angetrieben wurden, damals allerdings im starren Verhältnis von einem Drittel des Drehmoments. Großes Ziel war es, die Traktion zu verbessern ohne die hecktriebler-typische Fahrfreude zu opfern.

Drei Jahrzente später ist im 750Li die jüngste Ausführung des intelligenten Allradsystems xDrive verbaut. Das Verteilergetriebe mit elektronisch gesteuerten Lamellenkupplung sitzt dabei hinter dem Getriebe. Die 450 PS werden vollvariabel an Vorder- und Hinterachse verteilt. Der Wirkungsgrad des Systems wurde durch eine optimierte Ölversorgung verbessert.

Die Allradtechnik beim BMW X1 unterscheidet sich vor allem durch den Sitz der Kupplung. Die elektrohydraulische Hang-On Lamellen-Kupplung ist nämlich an der Vorderachse verbaut. So ist der X1 in normalen Fahrsituationen ein Fronttriebler. Erkennen die Sensoren Schlupf, wird das Antriebsmoment im Bruchteil einer Sekunde an das Rad mit der meisten Traktion verteilt.

Weil BMW auch dem kleinsten Auto der X-Baureihe keine Offroad-Kompetenzen vorenthalten will, hat der X1, wie alle xDrive-Modelle, einen Bergabfahrassistenten an Bord, der sich stufenlos regulieren lässt. Völlig sorgenfrei sitzt man tatenlos da, den rechten Fuß weit weg vom Bremspedal, während sich das Fahrzeug den Weg nach unten bahnt.

Wenn es dann bergauf geht, hat der X1 eine Anfahrhilfe parat. Auf Eis und Schnee bewegt sich der Kompakt-Kraxler spielerisch nach vorn und kommt selbst in enormen Steigungen noch problemlos von der Stelle.

Hebt er in schwierigem Gelände mal das Bein, aktivieren sich die elektronischen Differenzial-Sperren (EDLC). Ruckelfrei und vom Fahrer komplett unbemerkt wandert die Kraftübertragung im Millisekunden-Bereich von Rad zu Rad.

Bei dynamischeren Fahrversuchen lässt das Allrad-System im "Comfort"-Modus keinerlei Schlupf zu, was den X1 allerdings nicht am Vorankommen hindert. Gesittet erklimmt man jeden Gipfel, ohne einen einzigen Schweißtropfen auf der Stirn.

Stellt man den Fahrerlebnisschalter auf "Sport" und schaltet zusätzlich noch das Anti-Schleuderprogramm DSC ab, ist der Fahrer ziemlich auf sich alleine gestellt und wird an einer sehr langen Leine gehalten. DSC wacht zwar im Hintergrund, lässt aber schöne Driftwinkel zu.

Beim Anbremsen überzeugt der X1 mit beeindruckender Stabilität, selbst auf eisiger Piste hält er problemlos die Spur. Der beherzte Tritt aufs Gaspedal bringt dann Leben ins Heck.



Der kraftvolle Antrieb gepaart mit einer exzellenten Acht-Gang-Sportautomatik, die auch das Schalten im Drift erlaubt, erinnern einen dann an die berühmte “Freude am Fahren”. Am Schluss ist man im Sport-Modus auf unserem Testparcours gut 20 Sekunden schneller, als im unspektakulären Comfort-Sicherheitslauf.

Steigt man dann in die 7er-Luxuslimousine mit V8-Antrieb um, läge es nahe, sich von den ausladenden Maßen und dem Dampfhammer unter der Haube abschrecken zu lassen. Doch auch der 7er wirkt auf Schnee und Eis nicht deplatziert.

Denn beim ersten Einlenken wird klar, dass man in einem sportlichen Dickschiff sitzt. Die neue Integral-Aktivlenkung ist nur anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Diese Lenkung mit variabler Zahnstagenübersetzung ist direkt und braucht nur je eine komplette Lenkradumdrehung bis zum Anschlag.

Zusätzlich steigert eine aktive Hinterachslenkung, die je nach Geschwindigkeit entweder mit oder gegen die Fahrrichtung lenkt, die Agilität und Fahrstabilität.

Eine Besonderheit beim 7er ist die elektronische Feststellbremse. Diese kann ohne Probleme während der Fahrt gezogen werden. Dabei werden ca. 50 Prozent der Bremsleistung über die normale Betriebsbremse erzeugt. Auf Schnee ergibt dies eine gleichwertige, wenn nicht bessere, Bremsung wie mit der Fußbremse.

Der Fahrerlebnisschalter besitzt nun auch einen “Adaptive”-Modus. Die Fahrzeugabstimmung passt sich automatisch auf die jeweilige Situation an. Dazu können sogar GPS-Daten genutzt werden, um das Fahrzeug schon vorzeitig auf die Strecke einzustellen.

Der 7er musste sich dann dem Pylonenslalom auf dem Gletscher stellen - untypisches Terrain für eine Luxuslimousine. Doch der 7er lässt den Fahrer glatt vergessen, wie viel Masse sich gerade quer um die Pylone bewegt haben.

Die verschiedenen Stabilitätsprogramm-Einstellungen regeln je nach Fahrkönnen oder Laune, wie sehr das Heck tanzen darf. Ähnlich wie beim X1 sorgen die Assistenzsysteme des 7ers im aktivierten Zustand für ein kompromisslos stabiles Fahrzeug. Zusammen mit dem xDrive beschleunigt man gefahrlos und schwebt sanft über die Schneedecke.

Mit aktivierter Dynamic Traction Control (DTC) lässt die Traktionskontrolle ein wenig mehr Schlupf zu, die Kontrolle des Fahrzeug obliegt aber auch in diesem Modus eher dem Auto, wer den 7er komplett selbst steuern möchte, muss noch einen Schritt weiter gehen und die Stabilitätskontrolle deaktivieren.



Wer so waghalsig ist, das DSC der Luxuslimousine zu deaktivieren, wird mit einem äußerst sportlichen Fahrverhalten belohnt. Sollte dann doch mal etwas schief gehen, reicht ein Tippen auf die Bremse bei Querfahrt aus, dadurch wird das Stabilitätsprogramm dann blitzschnell wieder aktiv.

Randnotiz: Bei allem Unfug der mit den Fahrzeugen am Gletscher betrieben wurde, blieb der Durchschnittsverbrauch beim 750Li xDrive bei moderaten zwölf Litern. Nicht ganz sparsam, aber definitiv auch nicht spaß-arm.

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