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BMW 740Le xDrive iPerformance - im Test BMW 7er 740Le 2017

Auf Wolke 7

BMW macht aus dem luxuriösen 7er einen Plug-in-Hybrid. Wir testen das 740e genannte Ergebnis als Langversion 740Le mit Allradantrieb xDrive.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Gleich vorweg: Dick ist er nicht wirklich, der große 7er. Er stemmt bloß 2000 kg auf die Waage, sieht gut aus und kann es durchaus sportlich angehen, wenn´s mal pressiert.

BMW trimmt seine Luxuslimo aber auch motorisch auf schlank. Dazu kommen vorne ein zwei Liter kleiner Vierzylinder-Benzinmotor plus ein Elektromotor rein, und unter den Rücksitzen werden die Lithium-Ionen-Akkus (9,2 kWh) montiert. Das soll einen kombinierten Verbrauch von 2,5 Liter auf 100 km möglich machen und uns bei seinem Anblick in diesem Auto zum Satz hinreißen lassen: „Jö schau, der Herr Minister spart auch!“

Um das Gewicht der gesamten 7er Flotte gering zu halten, wird in allen Modellen das Leichtbaukonzept Carbon Core angewendet. Dabei wird gezielt der Werkstoff Kohlefaser eingesetzt, auch zugunsten von Steifigkeit und Fahrdynamik. Das Energiemanagementsystem regelt die 258 PS des Verbrenners und die 113 elektrischen PS je nach Fahrsituation und Ladezustand der Batterie oder nach Wunsch des Fahrers möglichst effizient. So steht eine maximale Systemleistung von 326 PS zur Verfügung.

All die ausgefuchste Technik des Fahrzeugsaufbaus und des Antriebssystems spielen sich im Hintergrund ab. Vordergründig sticht uns der optionale Luxus unseres um 14 Zentimeter verlängerten 740Le ins Auge. Da ist überall mittelbraunes Leder – in Bayern heißt die Farbe Tartufo – akzentreich weiß abgesteppt und mit weißen Kordeln verziert, gewürzt mit schwarz-glänzendem Piano-Lack und silber-mattem Alu.

Dann hätten wir da noch das superfeine Bowers & Wilkins Diamond Surround Sound System, das sogar in wohlbekannten Musiktiteln neue Klangnuancen zu Gehör bringt und dessen Lautsprecher nächtens illuminiert sind. Oder die vier elektrischen Komfortsitze mit mehrfacher Massagefunktion und Sitzbelüftung. Im Fond können das Entertainment-System – also Soundanlage, BlueRay-Player und TV-Tuner – sowie die Sitze und die elektrischen Sonnenschutzrollos über ein aus der Handauflage lösbares Tablet oder eine eigene Fernsteuerung bedient werden.

Ach so, fahren lässt sich der Wunderwuzzi auch. Und wie. Definitiv ein Auto, das einem die Sitzplatzwahl schwer macht. Vorne links die reinste Freude am Fahren und hinten in absolut gleichen Dimensionen die Freude am Gefahrenwerden.

Obwohl der Fahrer in dieser Limousine wohl selten als Eigentümer wahrgenommen wird. Als wir den Teenager-Sohn von einem Rockkonzert abholen, werden wir von einem Besucher und erklärtem BMW-Enthusiasten gebeten, das Fenster herabzulassen. Nach kurzer Abklärung der technischen Daten dann die entlarvende Frage: „Du bist owa nua da Schofför?!“

Der Benzinmotor ist nahezu unhörbar und das automatisierte Umschalten von Elektro auf Verbrenner liegt sowohl geräuschmäßig als auch gefühlt unter der Wahrnehmungsgrenze. Dagegen erscheint sogar das eigentlich leise Lüftungsgebläse laut. Nur beim Hochdrehen wird der Vierzylinder deutlich hörbar, was auf Grund der guten Dämmung aber eher von außen wahrgenommen wird.

Leistung ist jedenfalls immer genug da. Wenn beide Motoren zusammenarbeiten, sind Herr oder Frau MinisterIn in 5,3 Sekunden auf 100 km/h. Mit Blaulichtunterstützung ginge es dann mit bis zu 250 Sachen zum nächsten Regierungs-Dinner.

Die serienmäßige Luftfederung hält das Fahrzeug in jeder Beladungssituation auf gleichem Niveau und sorgt bei scharfem Bremsen und in schnellen Kurven für spürbar weniger Wankbewegungen. Es bügelt alle Unebenheiten weg und gibt auch im Sport-Modus keine harten Stöße an die Passagiere weiter.

Selbstverständlich ist auch die Assistenz- und Sicherheitstechnik oberste Liga. Die optionalen Laserlicht Scheinwerfer machen die Nacht zum Tag, indem sie bis zu 600 Meter weit strahlen, und sie reagieren mit sensibler Adaptivität.

Sie leuchten automatisch immer nur den Bereich vor dem Fahrzeug aus, in dem niemand geblendet wird. Zum Beispiel wird im Fernlichtmodus ein vorausfahrendes Fahrzeug im Lichtkegel ausgespart und links bzw. rechts daran vorbei gestrahlt.

Wo viel Licht, da auch viel Schatten? Sehr bedingt. Wenn wir was zu nörgeln haben, dann vielleicht bezüglich der Gestensteuerung. Da sollte die Lautstärke und z.B. der Senderwechsel mit Handzeichen vonstatten gehen. Da das aber nicht immer ansatzlos funktioniert, zieht die Beschäftigung mehr Aufmerksamkeit vom Fahren ab, als es wohl die Intention der Erfinder ist.

Und vielleicht hat das Fach der Handauflage in der Mittelkonsole vorne noch Verbesserungspotential. Wenn die Fond-Heizung in Betrieb ist, wird das Mittelfach so stark aufgeheizt, dass der darin zum induktiven Aufladen befindliche Schlüssel auf seinem Touch-Display meldet: „Überhitzungsgefahr, Abkühlung notwendig.“

Die rein elektrische Reichweite wird von BMW im Normzyklus mit 41 km und ehrlicherweise „kundennah“ mit 22 km angegeben, was absolut realistisch ist. Wieder voll aufgeladen ist die Batterie an der Haushaltssteckdose in 3,5 Stunden.

Die Reichweite insgesamt ist auf Grund des kleinen 46-Liter-Benzintanks – je nach Fahrweise – relativ bescheiden. Der angekündigte Verbrauch von 2,5 Litern auf 100 km ist wie bei allen Hybriden ein theoretischer Wert. In der Test-Praxis benötigten wir 7,5 Liter bei täglichem Aufladen. Wer Gas gibt, sieht auch schon mal einen Neuner vorm Komma.

Sofern Minister diesen Bericht jetzt lesen, interessieren eventuell die Kosten. Der lange 740Le mit Allrad xDrive startet bei 105.000 Euro. Unser Testwagen mit den erwähnten und einigen anderen Goodies würde den Bundeshaushalt mit 147.114 Euro belasten, aber mit der staatlichen Förderung von Hybridfahrzeugen lassen sich davon ganze 1.500 Euro einsparen.

Der Verzicht auf den Allradantrieb spart weitere 2.550 Euro, kostet aber Souveränität bei unwirtlichen Verhältnissen. So oder so ist der 740Le günstiger als der mit 265 PS nur um sieben Pferdchen stärkere Diesel 730Ld xDrive (109.650 Euro).

Plus
+ Hybrid-Konzept spart bei NoVA und Verbrauch
+ technisch am allerneuesten Stand
+ großzügige Platzverhältnisse in der Langversion
+ auch fahrdynamisch ein echter BMW
+ elegantes Design
+ jeder vorstellbare Luxus zukaufbar

Minus
- geringe Reichweite wegen kleinem 46-Liter-Benzintank
- verhältnismäßig kleiner Laderaum mit 420 Liter Volumen
- vorderes Mittelarmfach wird bei aktivierter Fond-Heizung extrem heiß
- Gestensteuerung zieht mehr Aufmerksamkeit ab, als sie Vereinfachung bringt

Resümee
Der lange 740Le xDrive ist mit seinem Allrad-Antrieb ein souveränes Repräsentations- und Langstreckenfahrzeug. Luxus pur, gepaart mit Hybrid-Antrieb ergeben ein interessantes Paket: Im innerstädtischen Kurzstreckenverkehr kann der Elektromotor seine Vorteile ausspielen. Auf Langstrecken bewährt sich verbrauchsmäßig wiederum der für diese Fahrzeugkategorie kleine Benzinmotor.

Weitere Testdetails:

Preise, Ausstattung und Technik
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