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Jaguar XE 20d AWD Portfolio - im Test Jaguar XE 2017

Luxus im Kleinen

So ein Einstiegsmodell hätten die meisten Marken wohl gern im Portfolio: den Jaguar XE. Wir testen die 4,67-Meter-Limousine mit 180 Diesel-PS.

Thomas Schneider/mid

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Einen Jaguar zu fahren, ist für viele Auto-Fans ein erstrebenswertes Ziel - das aber auch ein entsprechend gefülltes Bankkonto voraussetzt. Den Einstieg in die schöne Welt der britischen Nobelmarke bildet aktuell mit einem Startpreis von 37.760 Euro (Deutschland: 36.960 Euro) der XE. Bei diesem Tarif aber wird es wohl nur in den allerwenigsten Fällen bleiben.

Denn Luxus - von perforierten Ledersesseln über Echtholz-Dekor bis zu den verschiedensten Arten technischer Feinkost - ist ja ein wichtiger Teil dessen, was den Reiz ausmacht an der Marke mit der springenden Raubkatze im Logo. Und das gilt auch für den "Kleinen", den XE - der mit 4,67 Meter Länge bei anderen Herstellern vielleicht sogar das Flaggschiff wäre.

Um das echte Jaguar-Feeling aufkommen zu lassen, sollte es daher schon die gehobene Portfolio-Ausstattung sein, und dann beträgt der noch immer deutlich erweiterbare Grundpreis mit 180-PS-Diesel unter der Haube und Allrad schon 50.260 Euro (D: 47.860 Euro). Ist er das wert?

Nach rund 1.300 Kilometern im entsprechend ausstaffierten Testwagen lautet die klare Antwort: Ja. Denn zum einen überzeugt der XE in Sachen Komfort, Verarbeitung und Antrieb auf der ganzen Linie. Und günstiger ist die Premium-Konkurrenz aus München, Stuttgart oder Ingolstadt auch nicht. Die Liebe zum Detail, hochwertige Materialien und vieles mehr kosten eben Geld.

Dass sich dadurch viele Menschen diese Fahrzeuge nicht leisten können oder wollen, darf man den Autobauern nicht vorwerfen. Es muss sie ja niemand kaufen - ebenso wenig wie ein Steak vom Kobe-Rind für 100 Euro oder eine Cartier-Uhr für 10.000 Euro. Aber genügend Menschen tun es eben trotzdem. Und das ist auch nur zu verständlich, wenn man eben nicht so sehr aufs Budget achten muss.

Der erste Eindruck ist ja der wichtigste, sagt man. Und in dieser Disziplin punktet der Jaguar schon kurz nach dem Entern der zig-fach verstellbaren und mit perforiertem Windsor-Leder bezogenen Sessel mit Heizung und Ventilation: Wenn sich der Drehschalter der famosen ZF-Achtgang-Automatik aus dem Mitteltunnel erhebt und der Fahrer erstmalig ins Lenkrad greift.

Optik, Haptik und auch der Geruch - und zwar nicht der vom Pflegespray des Aufbereiters - überzeugen, alles passt und sofort herrscht Wohlfühl-Atmosphäre. Das Volant wirkt zunächst etwas überladen, hier ist zum Beispiel anders als bei vielen Mitbewerbern der adaptive Tempomat integriert, die Bedienung ist aber nach wenigen Kilometern verinnerlicht und dann ergonomisch wertvoll.

Kleinere Abstriche gibt es beim Infotainment-System mit acht oder optional zehn Zoll großem Touchscreen, das zwar keine wirklichen Fehler macht, aber einfach in Sachen Bedienlogik und Schnelligkeit nicht ganz mit BMW, Audi und Mercedes mithalten kann. Das ist Kritik auf hohem Niveau, aber das ist in dieser Preis- und Güteklasse auch angesagt.

Den 2,0-Liter-Diesel, der sich akustisch stets vornehm zurückhält, startet der Fahrer per Startknopf in der Mittelkonsole. Schon die Daten - 132 kW/180 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment bereits knapp über Leerlauf-Drehzahl - lassen vermuten, dass der Selbstzünder der Wildkatze ordentlich auf die Sprünge hilft. Und das bestätigt sich in der Praxis: Der XE schiebt in jeder Situation mächtig an, wenn sich der Gasfuß einmal etwas vehementer senkt.

Das Getriebe schaltet dann blitzschnell zwei oder gar drei Gänge runter, und im Anschluss - auch unter Volllast ruckfrei - wieder hoch. Die Geräuschdämmung im XE ist gut, selbst bei Tempo 180 fühlen sich die Insassen fast wie von der Außenwelt abgeschnitten.

Und dass Jaguar den Viertürer als Sportlimousine anpreist, hat mit Blick auf das Fahrwerk durchaus seine Berechtigung. Völlig ausreichend komfortabel, hält es den Wagen bei Kurvenfahrten sicher in der Spur. Der "Wie-auf-Schienen"-Vergleich drängt sich auf, wozu auch die fühlbar sehr verwindungssteife Karosserie beiträgt.

Sehr angenehm sind die Hinweise der elektronischen Helfer, die den Fahrer nicht durch wildes Piepen und Blinken darauf aufmerksam machen, dass er mal wieder nicht exakt die Spur hält oder zu dicht auffährt, sondern sehr dezent etwa über Vibrationen im Lenkrad warnt.

Dafür kosten sie aber selbst im höchsten Ausstattungstrimm Aufpreis - die 2.400 Euro für das Fahrassistenz-Paket 2 sollten aber in jedem Fall drin sein. Darin enthalten sind ein Abstands-Tempomat, der nur in Verbindung mit dem Automatikgetriebe erhältlich ist, Spurhalte- und Aufmerksamkeits-Assistent sowie ein Toter-Winkel-Warner mit Annäherungssensor und seitlicher Rückfahrüberwachung. Das macht insbesondere lange Autobahn-Fahrten deutlich angenehmer und sicherer.

Alles in allem schlägt sich der XE im Test hervorragend, nicht zuletzt wegen der opulenten Ausstattung mit reichlich Leder an allen Ecken und Kanten und Top-Sitzen und allen Assistenz-Systemen. Der Unterschied zur Basisvariante, bei der sich hier und da noch Hartplastik-Elemente finden, ist enorm und hebt das Auto gefühlt um mindestens eine Klasse. Dafür kostet er dann mit der gefahrenen und sehr empfehlenswerten Kombination aus 180-PS-Diesel und Achtgang-Automatik auch um die 60.000 Euro. Viel Geld, aber der Luxus im "Kleinen" macht hier eben den Unterschied.

Viertürige, fünfsitzige Limousine, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,67/1,85/1,43/2,84, Leergewicht: 1.615 kg, Kofferraumvolumen: 415-830 l, Tankinhalt: 56 l; Wendekreis: 11,61 m.
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum: 1.999 ccm, Leistung: 132 kW/180 PS bei 4.000 U/min, max. Drehmoment: 500 Nm bei 1.500 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h, 0 - 100 km/h: 7,9 s, Normverbrauch: 4,7 l /100 km, CO2-Ausstoß: 123 g/km, Testverbrauch: 6,5 l/100 km, Achtgang-Automatik, Allradantrieb
Österreich-Preis: ab 50.260 Euro (Deutschland: ab 47.860 Euro)

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