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Nissan Micra 0,9 IG-T N-Connecta - im Test Nissan Micra 2017

Aus die Maus

Nicht wieder zu erkennen schickt Nissan die fünfte Generation des Micra in den Konkurrenzkampf. Wir testen den 90 PS starken Turbo-Dreizylinder.

Text: Tanja Pitzer; Fotos: Bernhard Reichel

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Macro statt Micra - flacher, breiter und gleich 17 Zentimeter länger steht der neue Nissan-Kleinwagen auf den Rädern. Provokante Schwünge treffen auf spitze Kanten und lassen jede Erinnerung an den biederen Look des Vorgängers vergessen, der noch als Weltauto konzipiert war.

Besonders das neue Heck sticht dabei ins Auge. Es hat mit gezackten Leuchten und scharfen Kanten die größte Veränderung durchgemacht und ist damit eindeutig die Schokoladenseite des Japaners.

Mit neuer europäischer Ausrichtung startet der Nissan Micra gleich 2.600 Euro höher als bislang. Allerdings steigt die neue Generation auch gleich ein Segment nach oben - von den Kleinstwagen in die Viermeter-Klasse der ausgewachsenen Kleinwagen. Das hat er nicht nur seiner Größe zu verdanken. Auch die Qualität ging diesen Schritt mit. Dürftige und schauderhaft ausdünstende Kunststoffe wichen ansehnlichen Materialien und machen so einem soliden, hochwertigen Eindruck.

Bei der Bedienung setzt man auf Altbewährtes. Neben einem sieben Zoll großen Touchscreen gibt es genügend Knöpfe - dort platziert, wo man sie sucht - und hinterm Lenkrad einen manuellen Tacho. Alles ist ohne Rätselraten verständlich und macht zugleich einen guten, aufgeräumten Eindruck.

In unserem Testwagen ist ein Dreizylinder-Benziner mit winzigen 0,9 Litern Hubraum verbaut, dem dank Turbo-Aufladung 90 PS entlockt werden. Damit lässt sich eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h erreichen und von 0 auf 100 km/h in 12,1 Sekunden beschleunigen.

Das vergleichsweise bescheidene Maximal-Drehmoment von 140 Nm liegt erst bei 2.250 Umdrehungen an. Die Drehmomentschwäche wird vom kurz übersetzten Getriebe teilweise kaschiert. Dass der Motor bei höheren Geschwindigkeiten dann ordentlich drehen muss, federt die gute Geräuschdämmung ab.

Der Verbrauch ist mit 6,2 Litern zwar in Ordnung, mit einem sechsten Gang könnte man aber bestimmt deutlich näher an den Normverbrauchswert von 4,8 Litern heranrücken.

Nachdem der Micra im Stehen bereits mächtig Selbstbewusstsein zeigt, ist die Erwartung an das neue Fahrgefühl ebenso hoch. Die Euphorie wird beim ersten Anfahren dann doch etwas gedämpft.

Der Motor ruckelt im Kaltlauf, die korrekte Gas-Dosierung bedarf auch beim Fahrer einer Eingewöhnungsphase. Einmal aufeinander abgestimmt funktioniert das ganze aber doch ganz gut, wenn man nicht um die Sprintmeisterschaften kämpfen möchte.

Da lädt das Fahrwerk schon eher zum Jubeln ein. Hier wurde einiges getan, um den Insassen würdigen Komfort zu bieten. Nachgeholfen wird hier zusätzlich mit einer aktiven Fahrkomfortregelung, die bei flotter Fahrt Schieben über die Vorderräder (Untersteuern) reduziert. Die Lenkung ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich präziser geworden, und auch die Bremsen packen ordentlich zu. Die Schaltung ist nicht von der sportlichen Sorte, aber gut zu bedienen und verhält sich unauffällig.

Mit 3,99 Metern Länge ist der Micra immer noch schön kompakt und bietet mit 10,3 Metern Wendekreis ideale Bedingungen für die Stadt.

Die Kopffreiheit in beiden Reihen sticht dabei ebenfalls hervor, obwohl das Auto um sechs Zentimeter flacher wurde. Der Kofferraum lässt sich bequem von 300 auf 1.004 Liter vergrößern. Genug Platz für den Alltag, nur die hohe Ladekante ist auf Dauer etwas unpraktisch.

Komfortfunktion für alle Fenster wären noch eine nette Geste gewesen, und hätte man für die Fensterheber nach Abdrehen des Motors noch ein paar Sekunden lang Strom, wäre das auch ganz angenehm.

Bereits für günstige 12.605 Euro ist der Nissan Micra in der Basisausstattung "Visia" zu haben. Darin inkludiert sind unter anderem Berganfahrhilfe, Lichtsensor, LED-Tagfahrlicht, Bordcomputer und Geschwindigkeitsbegrenzer.

Ein Notbremsassistent ist ebenfalls schon an Bord, doch die Fußgängererkennung dazu gibt es erst mit dem Safety-Paket für 524 Euro. Ein Radio gibt es generell erst in der nächsthöheren Ausstattung "Visia Plus" oder gegen 474 Euro Aufpreis.

Unser Testwagen N-Connecta (zweithöchste von fünf Ausstattungsstufen) kommt auf 18.359 Euro. An Ausstattung hat er dafür wesentlich mehr zu bieten, beispielsweise: Klimaautomatik, Navigationssystem mit 7“-Farbdisplay, Audiosystem mit USB- und Bluetoothschnittstelle, Tempomat, Regensensor, Keyless-System, elektrisch verstell- und anklappbare Außenspiegel, verdunkelte Scheiben ab der B-Säule sowie 16-Zoll-Alufelgen.

Eine Sitzheizung gibt es extra für 221 Euro, Voll-LED-Scheinwerfer für 492 Euro und eine Rückfahrkamera für 246 Euro. Empfehlenswert: drei Assistenzsysteme (Verkehrszeichenerkennung, aktiver Spurhalte- und Fernlicht-Assistent) im "Safety Paket II" um faire 524 Euro.

Plus
+ gute Raumausnutzung
+ optisch sehr markant und erwachsen
+ liebevolle Details, feine Verarbeitung
+ gutes Preis-Leistungsverhältnis

Minus
- hohe Ladekante
- ein sechster Gang oder etwas mehr Hubraum wären fein

Resümee
Nissan hat akribisch gearbeitet und keine Schraube gelassen, wo sie war. Galt der Micra bis jetzt als minimalistisches Stadtauto, ist die fünfte Generation richtig erwachsen geworden und heizt der Konkurrenz ordentlich ein, diesmal auch optisch. Mehr Platz, bessere Materialien und jede Menge technische Neuerungen runden das Paket ab. Nur der Motor könnte kraftvoller sein.

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