Autowelt

Inhalt

BMW M240i xDrive Aut. Cabrio - im Test BMW M240i xDrive Cabrio 2018

Offen für alles

BMW hat das 2er Coupé und das 2er Cabrio runderneuert. Wir öffnen das Cabrio, starten den Sechszylinder und genießen ein Leben mit 340 PS.

Text und Fotos: Johannes Toth

Hier geht's zu den Bildern

Kaum zu glauben, aber die Bayern haben es wieder geschafft. Der Neue BMW 2er steht noch um ein Euzerl sportlicher da als der alte. Durch ein paar optische Tricks erscheinen jetzt sowohl die Front als auch das Heck breiter. Serienmäßig sind ab sofort LED-Scheinwerfer an Bord, optional aufrüstbar auf adaptive Voll-LED-Scheinwerfer. Letztere leuchten bei eingeschaltetem Fernlicht nur den Teil vor dem Fahrzeug aus, wo sich kein anderes befindet respektive geblendet wird.

Ansonsten ist das Styling fesch, aber nicht aufdringlich aggressiv. Die Muskeln sieht man dem M240i nicht an. Drinnen dann alles eng und knackig, wiewohl auch für große Menschen – zumindest in der ersten Reihe – genug Platz ist. Das Lenkrad ist in der Höhe verstellbar und kann weit herausgezogen werden. Vorteil: auch mit langen Beinen und dem Sitz weit hinten können wir das Lenkrad zu uns ziehen. Klar, denn die bayrischen Ingenieure sind vermutlich auch keine Zwerge.

Stolz ist man bei BMW auf das neu designte Armaturenbrett. Auffallend sind die kleinen Rundarmaturen und das sportlich kompakte Lenkrad samt Schaltwippen. Selbstverständlich darf die Bequemlichkeit nicht zu kurz kommen. Das Lenkrad ist beheizbar, um auch im Winter offen fahren zu können. Die Sitze sind elektrisch verstellbar, verfügen über Lordosenstütze und haben Memoryfunktion für zwei Fahrer. Besonders nett ist die Verstellbarkeit der Seitenwangen. So findet in engen Kurven ein Breitbau-Mann gleichviel Halt wie die zarte Lieblings-Sozia.

Auf den hinteren Sitzen ist eher wenig Platz, es reicht aber um die Kinder flott zur Schule zu bringen oder schnell mal von einem Club zum nächsten befördert zu werden. Das Kofferraumvolumen ist naturgemäß nicht allzu üppig. 280 Liter bei offenem Verdeck und 335 Liter bei feuchtem Wetter. Linderung bringt die umklappbare Rücksitzbank mit Durchlademöglichkeit. Da gehen sich zum Beispiel zwei verliebte Snowboards aus.

Enthusiasten wie wir öffnen die Fenster vor dem Starten, denn der Sechsender meldet sich heiser, bevor er zu schnurren anfängt. Das Sounddesign passt zum Auto. Nicht aufdringlich, aber kernig und sexy. Bei offensiver Fahrweise immer präsent, werden wir etwa mit einem leisen Röcheln belohnt, wenn wir bei hoher Drehzahl vom Gas gehen.

Das Stoffverdeck öffnet und schließt bis 50km/h – das reicht für den Eissalon oder die Show im Stauverkehr. Die Dämmung wurde hier übrigens nochmals verbessert. Natürlich sind Motor-, Wind- und Fahrgeräusche deutlicher hörbar als unter einer Stahlmütze.

Aber: Darin besteht ja auch der Reiz eines Stoffverdecks. Wenn dann noch Regentropfen aufs Verdeck fallen, keimen bei der schönsten Beifahrerin von allen romantische Erinnerungen an längst vergangene Campingurlaube auf.

Wenn das Verdeck geschlossen ist, ist die Sicht nach schräg hinten eher bescheiden. Abhilfe schafft die optionale Heckkamera, die eine gute Weitwinkeloptik hat und damit auch das schräg-Ausparken gefahrlos ermöglicht.

Ein angenehmes Helferlein ist BMW ConnectedDrive mit verschiedenen optionalen Diensten. Da lassen sich zum Beispiel Nachrichten lesen – positiverweise auch im fahrenden Auto. Oder man lässt sich die Nachrichten vorlesen. Jedenfalls praktisch, immer wenn der Verkehr stockt. Apple CarPlay lässt sich ohne Kabelverbindung verwenden. Dabei wird ein sehr begrenzter Teil der am iPhone vorhandenen Apps am Auto-Bildschirm angezeigt und ist über diesen nutzbar. Sinnvolles Gadget: SMS können vorgelesen, diktiert und abgesendet werden.

Am erfreulichsten an diesem Vehikel ist aber natürlich das Fahren an sich. Zu den Freuden des offenen Lebens gesellt sich hier noch ein 340 PS starker Benzinmotor mit 500 Nm, Steptronic-8-Gang-Automatikgetriebe und xDrive-Allradantrieb, der nur schlanke 4,6 Sekunden für die Beschleunigung auf 100 km/h benötigt. Und das bei immerhin 1.760 kg Leergewicht. Das M240i Cabrio kann also tierisch viel Spaß machen, taugt jedoch auch für Understatement beim Kundenbesuch. Frei nach dem Motto: „Ist eh nur ein kleines Auto!“

Als sinnvolles Tool bei forcierter Fahrweise hat sich das flexible Netz am Kofferraumboden erwiesen. Hier können sehr wertvolle und weniger wertvolle Utensilien sicher vor dem Herumrutschen und Anschlagen im Laderaum geschützt werden.

Lobenswert auch der optionale aktive Tempomat mit Stop and Go-Funktion, der den Abstand zum Vorderwagen konstant hält. Das hat im Testbetrieb nämlich auch bei starkem Regen und schlechter Sicht funktioniert.

Der kombinierte Verbrauch wird werkseitig mit 7,8 Litern Superbenzin angegeben. Bei spritziger Testfahrt hat sich das flotte Cabrio dann doch 10,8 Liter genehmigt. Mit großer Zurückhaltung sind aber auch Werte unter neun Litern drin.

Hier noch eine Frage für echte Auskenner: Was bekommt man um nur 17 Euro als günstigstes Teil in der Zubehörliste? Erraten. Eine Zusätzliche 12 Volt Steckdose! Eventuell praktisch, um die Kühlbox am Kabel hinter dem Auto nachzuschleifen.

Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Wobei sich der Schatten hier nur auf den Preis bezieht. Das Offenfahren beginnt im 218i Cabrio bei 37.100 Euro. Unser Testwagen kommt als M240i xDrive Cabrio in Serienausstattung zumindest auf 64.200 Euro. Mit etwas Fleiß beim Ankreuzen der Sonderausstattungen – Ledersitze mit Kontraststeppnaht, Adaptives M-Fahrwerk, Adaptive LED-Scheinwerfer, aktive Geschwindigkeitsregelung und mehreren netten Paketen stehen bei unserem Testwagen 79.252 Euro zur Zahlung an.

Plus
+ dezente Optik, gepaart mit agilem Fahrverhalten
+ Verdeck bis 50 km/h bedienbar
+ kerniges Sounddesign
+ optionales adaptives Licht funktioniert optimal
+ das optionale Netz am Kofferraumboden ist sehr praktisch

Minus
- wenig Sicht nach schräg hinten bei geschlossenem Verdeck
- da der 52 Liter-Tank klein bemessen ist, wird der Tankwart zum Therapeuten

Resümee
Der BMW M240i xDrive Cabrio bietet Understatement im Auftritt und gleichzeitig genug Punch und tolle Straßenlage für einen Abstecher ins kurvige Geläuf. Das offene Verdeck trägt zusätzlich zur guten Stimmung im Auto bei. Die Kehrseite ist der happige Preis, den die Bayern für das Spaßcabrio abbuchen wollen.

Drucken

Ähnliche Themen:

29.07.2018
Länge läuft

VW verlängert den Tiguan auf das 4,70-Meter-Maß des Skoda Kodiaq und nennt ihn Tiguan Allspace. Sinnvoll oder unnötig? Ermitteln wir im Test.

26.07.2018
Elektro-Erweiterung

Der Hyundai Kona Elektro ist das erste Elektro-SUV im Kleinwagen-Segment. Wir bitten den 4,17 Meter kurzen Stromer zum ersten Test.

25.07.2018
Auftrainiert

Der neue Audi Q3 startet im Herbst - größer und dynamischer als der Vorgänger, und gefüllt mit High-Tech. Wir bitten ihn zum ersten Test.

Ennstal-Classic 2018 Deopito/Deopito gewinnen Ennstal-Classic

Die Vorjahressieger Florian und Alexander Deopito verteidigten mit einer souveränen Fahrt ihren Titel und feierten ihren zweiten Sieg in Folge.

Formel 1: Interview Pérez: Klassendenken schadet Formel 1

Kevin Magnussen möchte auf einen frei erfundenen B-Titel losgehen; Sergio Pérez hält die Einteilung in zwei Klassen für schädlich.

Rallycross-ÖM: Greinbach II Gigantisches Starterfeld bei Zonenlauf

Der Zonenlauf am 25. und 26. August bricht alle Rekorde: Zusammen mit dem ungarischen Verband konnte ein Nennrekord erzielt werden.

Flirt mit Folgen BMW C evolution - Elektro-Scooter im Test

Der rein elektrische Scooter BMW C evolution ist außergewöhnlich und mit 14.000 Euro noch nicht einmal so teuer, wie es zunächst klingt.