Autowelt

Inhalt

BMW i8 Roadster - im Motorline-Test BMW i8 Roadster 2018

Leisetreter-Fortissimo

Wir testen den BMW i8 Roadster, dessen Hybridantrieb eine spannende Spreizung zwischen Umweltgewissen und Sport-Performance bietet.

Klaus Brieter/mid

Hier geht's zu den Bildern

Soll es ein offenes Auto sein? Soll es leise fahren? Oder soll es einen tollen Sound haben? Der BMW i8 Roadster, der dem überarbeiteten Coupé im Mai zur Seite gestellt wurde, beherrscht diese drei zum Teil widersprüchlichen Kriterien perfekt. Und so ganz nebenbei hinterlässt er auch optisch einen aufregenden Eindruck.

Bevor die Begeisterung zum spontanen Einsteigen animiert, muss sichergestellt sein, dass die Wirbelsäule noch zu geschmeidigen Bewegungsabläufen fähig ist. Denn der ergonomisch alles andere als optimale Spalt, den die hochschwenkenden Scherentüren zum Ein- und Aussteigen freigeben, verlangt eine gewisse Gelenkigkeit, zumal sich die Bodenplatte ganz tief an die Straßenoberfläche duckt.

Wer es bis ins Cockpit geschafft hat, sollte sich kurz mit dem Anwählen der zwei Antriebsmodi vertraut machen: rein elektrisches und damit nahezu lautloses Dahingleiten bis 120 km/h oder Hybrid-Antrieb, bei dem sich je nach Leistungsanforderung oder Ladezustand der Batterie der Dreizylinder-Benzinmotor unüberhörbar zu Wort meldet.

Das Ganze kann über den Fahrerlebnisschalter auf der Mittelkonsole noch verfeinert werden. Mit ihm werden auch das Fahrwerk und die Gaspedal-Kennlinie beeinflusst. Im Modus "Sport" entfalten beide Antriebe ihre maximale Dynamik und garantieren optimalen Fahrspaß, im Modus "ECO PRO" rückt dagegen das sparsame Fahren in den Fokus der Steuerelektronik.

Genug der Theorie: Es kann losgehen. Starttaste drücken und dann den Knopf, der das Stoffdach vertikal in Z-Form zusammenfalten und ordentlich in seiner Behausung verstauen lässt. Nach sanftem Gaspedaldruck rollt der Bolide lautlos und ruckfrei an. Schon in diesem Moment scheint der offene i8 die Frage zu stellen, ob das Flanieren in Stadt oder über Landstraßen angesagt ist. Beides beherrscht er perfekt.

Oder soll es doch mit Biss um die Kurven gehen? Wir entscheiden uns für den Biss und erleben, wie der Roadster seinem flotten Aussehen gerecht wird. Elektromotor und Benziner spielen sich gegenseitig die Bälle zu und generieren gemeinsam bis zu 275 kW/374 PS, die den Leichtbau-Roadster in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 treiben können.

Wer erleben will, wie präzise die Lenkbewegungen vom Fahrwerk mit Doppelquerlenkerachse vorn und Fünflenker-Hinterachse umgesetzt werden, steuert möglichst kurvenreiche Landstraßen an. Ideal: Durch die Ortschaften rein elektrisch fahren und außerhalb dem Benzinmotor reichlich die Gelegenheit geben, mit anzuschieben.

Der Twin-Turbo hat zwar nur 1,5 Liter Hubraum, liefert jedoch dem Gehörgang ein Sportwagen-Fortissimo, das im Orchester der Hochleistungs-Verbrennungsmotoren keinesfalls untergeht.

Im Mix der kombinierten EU-Verbrauchsnorm ergibt sich der zweifellos laborhafte Wert von zwei Litern auf 100 Kilometer. Dennoch: Angesichts der gebotenen Performance sind 5,8 l/100 Kilometer im realen Testmix ein imposanter Sportwagenwert.

BMW ist es mit dem i8 Roadster gelungen, genau jene Zeitgenossen anzusprechen, die noch Freude am Autofahren haben - ob sie gerade zügig unterwegs sein oder einfach tiefenentspannt dahingleiten wollen. Zu dumm, dass diese extravagante Freude am Fahren allein kaum ausreicht.

Auch der Geldbeutel sollte nicht unterdimensioniert sein. Denn der BMW-Händler rückt das Sahnestück seiner Kollektion erst raus, wenn im Gegenzug 161.600 Euro (Deutschland: 155.000 Euro) auf seinem Konto angekommen sind.

Alle diejenigen, die nicht in dieser preislichen Oberliga spielen können, ist es ein schwacher Trost, dass der Wagen auch seine dunklen Seiten hat. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Kofferraumvolumen beziffert der Hersteller mit nur 88 Liter. Immerhin gibt es sehr gut erreichbare 92 Liter zusätzlichen Stauraum hinter den Rückenlehnen, weil der Roadster im Vergleich zum Coupé gleich auf die zwei Alibi-Sitzplätze im Fond verzichtet.

Zweitüriger Roadster, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.689/1.942/1.291/2.800 mm, Leergewicht: 1.595 kg, Zuladung: 370 kg, Tankinhalt: 30 l (optional: 42 l), Kofferraumvolumen: 88 l, Verbrennungsmotor: Turbo-Benziner mit 3 Zylindern, Hubraum 1.499 ccm, Leistung: 170 kW/231 PS bei 5.800 U/min, max. Drehmoment: 320 Nm bei 3.700 U/min, Elektromotor: Hybrid-Synchronmotor mit integriertem Ladermodul und Generatorfunktion zur Rekuperation, Leistung: 105 kW/143 PS, Drehmoment: 250 Nm, Hochvoltspeicher mit 34 Ah Zellkapazität, 0-100 km/h: 4,6 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, 6-Gang-Automatik plus zweistufiger Automatik für Elektromotor, Allradantrieb (Hinterachse: Verbrennungsmotor, Vorderachse: Elektromotor), EU-Durchschnittsverbrauch: 2,0 l Super Plus/100km, CO2-Ausstoß: 46 g/km.
Österreich-Preis: 161.600 Euro (Deutschland: 155.000 Euro)

Drucken

Ähnliche Themen:

02.10.2018
Sportlicher denn je

Auf dem Autosalon Paris zeigt BMW die siebente Generation des 3ers ohne Tarnung. Er ist deutlich sportlicher ausgelegt als seine Vorgänger.

16.09.2018
Aufgefrischter Alleskönner

Noch heuer startet die neueste Generation des Jeep Cherokee - kräftig aktualisiert in Sachen Design, Platzangebot, Konnektivität und Sicherheit.

08.09.2018
Glühwürmchen-Attacke

Nach 30 Mio. gebauten Fire-Motoren kommen jetzt erstmals in einem Fiat die brandneuen Firefly-Aggregate zum Einsatz. Und zwar im gelifteten 500X

Auf Hasenjagd Restauriert: Hugh Hefners Mercedes 600

Ein Mercedes-Benz 600 Pullman, Baujahr 1967, in dem einst "Playboy"-Chef Hugh Hefner unterwegs war, wurde nun von Kienle restauriert.

Formel 1: News Hamilton über Lauda: "Er will fit zurück"

Der Brite berichtet in Austin von einem Telefonat mit Niki Lauda. Der Österreicher arbeite hart für seine Genesung und sei den Ärzten dankbar.

Stockcar: Natschbach VI Ein Plattfuß entschied die Meisterschaft

Die Entscheidung um den Meistertitel in der Formel 2 des Stockcar Racing Cups 2018 fiel im allerletzten Saisonrennen zu Gunsten von Andreas Gruber.

ARC: Herbstrallye Dobersberg Riesenandrang vor der Herbst Rallye

Die nach der Fahrerbesprechung erstmalig durchgeführte freiwillige Fahrerpräsentation fand Freitag am Abend vor gut 400 Zuschauern statt.