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Bentley Continental GT - im Test Bentley Continental GT 2018

Wuchtbrumme

Der neue Bentley Continental vermischt High-Tech mit dem traditionellem Luxus britischer Automobile. Wir testen den schicken Briten.

Marcus Efler/mid

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Eine große Fabrikhalle im mittelenglischen Crewe. Dutzende Frauen, ein paar Männer auch, sitzen an Nähmaschinen und führen mit flinken Fingern Lederteile unter den rasenden Nadeln durch, schnell und präzise. Ein paar Tische weiter sägen, schleifen und lackieren Arbeiter dünne Edelholz-Platten.

Bald darauf wird all das zusammengefügt zu jenem Großen und Ganzen, das ein Auto aus dem Volkswagen-Konzern zu einem Bentley macht: Dem luxuriösen Interieur. Jedes einzigartig und individuell - sei es nun aus dem umfangreichen Katalog der ab Werk lieferbaren Leder- und Holz-Optionen zusammengestellt, oder exklusiv nach Kundenwunsch von der hauseigenen Veredler-Manufaktur Mulliner. Die, so erklären die Briten stolz, bieten "jeden gewünschten Farbton oder jede Lederart - nur nicht die von bedrohten Tierarten."

Das neueste Modell, das mit derartiger Hingabe bestückt wird, ist die aktuelle Generation des Continental GT, einem mächtigen Coupé mit W12-Frontmotor. Seine Technik basiert auf dem "Modularen Standard-Baukasten" des VW-Konzerns für große Fahrzeuge mit längs eingebautem Motor, auf dem auch Audi A8 und Porsche Panamera aufbauen - was möglichst wenig auffallen soll.

Das hochwertige Interieur mit hohem Individualisierungs-Grad gehört da zu den wichtigstem Differenzierungs-Merkmalen. Wirkt schon dieses typische Grand Tourismo Exterieur-Design sehr klassisch, fühlt man sich innen endgültig wie in der Whiskey-Bar eines britischen Herrenclubs: Die handverlesenen und -verarbeiteten Hölzer und Lederbezüge lassen die gute alte Zeit wieder aufleben, als luxuriöse Automobile noch unangefochtene Statussymbole waren. Nichts repräsentiert die Melange aus Tradition und High-Tech-Moderne besser als die drei konventionellen Rund-Instrumente in der Mittelkonsole: Auf Knopfdruck drehen sie sich in James-Bond-Manier um 180 Grad - und verwandeln sich in einen multifunktionalen 12,3-Zoll-Touchscreen.

Auch die virtuellen Cockpit-Instrumente, das Head-up-Display und die Kunststoff-Tasten entstammen erkennbar dem Konzern-Baukasten - dessen Technik ist nun deutlich besser integriert als noch im Vorgänger-Modell. Im Bentley kommt nicht die neueste Bedien-Oberfläche von Audi zum Einsatz, die allein auf Touchscreen-Interface setzt, und nach wie vor gibt es auch einige klassisch-britische, verchromte Zug-Schalter - die Kundschaft dieses eleganten Automobils wird das begrüßen.

Das Platzangebot ist nicht unbedingt üppig, die sehr breite Mittelkonsole und der begrenzte Fußraum vermitteln den Insassen vorne durchaus das Gefühl, in einem sportlichen Auto zu sitzen. Die Zweier-Rückbank (mit Durchlade-Möglichkeit aus dem recht großen Kofferraum) ist eher für Akten- oder Handtaschen geeignet als für Mitreisende.

Diesen eher sportiven Eindruck stützen die Fahrleistungen durchaus. Der W12, von Bentley für sich und Audi entwickelt, ist eine Wucht von Kraftmaschine, das unmerklich schaltende Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe von ZF ein kongenialer Partner.

Das Sechsliter-Aggregat entwickelt bis zu 635 PS und 900 Newtonmeter, beschleunigt den über 2,2 Tonnen schweren Wagen mit magenzerrenden Antritt in dreieinhalb Sekunden auf Tempo 100 und bei Bedarf weiter bis auf 333 km/h. Das tut es durchaus mit akustischer Präsenz, ein kerniges Geblubber aus der Abgas-Anlage gehört zum guten Ton: Bentley, die Marke mit Motorsport-Kompetenz.

Dabei kann der Wagen auch ganz anders, nämlich sehr leise und souverän mit Landstraßen-Tempo dahingleiten, wobei die Windgeräusche den dann - trotz halbiertem Zylinder-Einsatz - nur noch sanft rauschenden Motor schnell übertönen.

Eine gute Gelegenheit, der (optionalen) Musik-Anlage der britischen High-End-Manufaktur zu lauschen. So musikalisch spielt kein anderes Sound-System, das in einem Automobil zu haben ist. Andererseits kann sie aber auch Rock-Musik mit enormen Punch reproduzieren. In dieser Spreizung spiegelt sie den Charakter des Motors wider. Was im Übrigen auch für das Fahrwerk gilt. Nun ist dieses Coupé natürlich kein agiler Sportwagen, aber dank des mit 48 Volt gespeisten Wank-Ausgleichs durcheilt es Kurven zügig und mit Anstand. Der Allrad-Antrieb sichert auch auf feuchtem Asphalt die Traktion.

Die Domäne des Continental GT bleibt aber das gelassene Dahingleiten im Komfort-Modus. Die Luftfederung glättet die Straße, ohne eine gewisse Rückmeldung vorzuenthalten; die Lenkung findet einen angemessenen Kompromiss für relaxtes Reisen und offensive Gangart. Tauglich für die Langstrecke sowie für den entspannten Alltag, vereint der Bentley Continental GT Stil, Tradition mit einer gewissen Sportlichkeit. Dass moderne Großserien-Technik das Gerüst dafür bildet, und man das teilweise auch sieht, darf definitiv als Vorteil gewertet werden.

Zweitüriges, 2+2-sitziges Coupé, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.805/1.954/1.392/ 2.850 mm, Gewicht: 2.252 kg, Gepäckraum: 358 Liter, Tankinhalt: 90 l, Allradantrieb.
W12-Motor mit Zylinder-Abschaltung, 5.950 ccm, zwei Turbolader, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Leistung: 467 kW/635 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 900 Nm bei 1.350 bis 4.500 Nm, Höchstgeschwindigkeit: 333 km/h, 0-100 km/h: 3,7 sec, Verbrauch: 12,2 l/100 km, CO2-Emission: 278 g/km.
Preis: 263.500 Euro (Deutschland: 201.467 Euro).

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