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Mercedes A 180 d - im Test Mercedes A 180 d 2019

Hey, Kleiner!

Wer schon immer mit seinem Auto gesprochen hat, bekommt von der Mercedes A-Klasse ab sofort Antwort. A 180 d mit 116-PS-Diesel im Test.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Die A-Klasse wird von Mercedes seit 1997 gebaut und hat sich bis zur nun vierten Generation stark gemausert. Das betrifft zum einen das dynamisch-selbstbewusste Design. Zum anderen wurde auch technisch mächtig aufgerüstet.

So ist die A-Klasse das erste Modell mit "MBUX" serienmäßig an Bord. MBUX steht in Stuttgart für Mercedes-Benz User Experience. Hinter der etwas sperrigen Abkürzung steckt ein freundlich-intelligentes Multimediasystem, das optional beim Kauf und auch später erweiterbar ist. Mit unserer Aufforderung „Hey, Mercedes!“ oder „Hallo, Mercedes!“ meldet sich die höfliche Frau Mercedes mit „Ja bitte“ oder „Was möchten Sie tun?“

Per Spracheingabe lässt sich nun das Navigationssystem, das Telefon oder das Radio steuern. So weit, so nett und erwartbar. Jetzt wollen wir es aber wissen: „Hey, Mercedes! Sitzheizung rechts vorne einschalten!“ Diese Aufforderung wird zu unserem Erstaunen quittiert mit „Ich schalte die Sitzheizung am Beifahrersitz ein.“ Das funktioniert sogar mit „Lüfter eine Stufe höher drehen“ oder „Klimaanlage auf 21 Grad stellen“.

Wie die beste aller Beifahrerinnen reagiert aber leider auch Frau Mercedes nicht auf alle Wünsche. Auf: „Seitenfenster vorne runter“ entgegnet Mercedes nichts. Das hat in diesem Fall nicht mit Unwillen, sehr wohl jedoch mit Sicherheit zu tun. Ganz lustige Passagiere könnten sonst den Fahrer durch Befehle aus der zweiten Reihe irritieren. Zum Beispiel mit: „Hey Mercedes, überhol das Polizeiauto!“

Klein, aber oho. Alles im Interieur wirkt hochertig. Das Lenkrad hat eine angenehme Haptik und liegt gut in der Hand. Die Displays und Armaturen sind vielfach konfigurierbar – will heißen, der Fahrer kann sich die Informationen zusammenstellen und anzeigen lassen, die ihm wichtig erscheinen. Außerdem lässt sich die Grafik auf „sportlich“ umstellen. Dann gibt´s mehr gelb und rot, mehr Tiefe. Das wirkt cooler und plastischer, obwohl es nur ein Screen ist.

Die vielen Lüftungsdüsen irritieren unsere Copilotin. Wir sagen: why not, schaut mega aus. Passt zum runden, mit Carbonanmutung überzogenen Armaturenträger und dem zweiteiligen Armaturenbrett mit dem spacigen breiten Screen. Auffallend sind die vielen Kippschalter in der Mitte, direkt unter den großen Düsen, die kommen uns bekannt vor. Da haben die Stuttgarter Designer beim Zeichnen wohl ein bisschen nach Bayern zum Mini rübergeschielt. Macht aber nichts, sieht gut aus und lässt sich gut bedienen.

An dieser Stelle müssen wir wieder mal eine Lanze für Schalter und Taster als wesentliche Bedienelemente brechen. Mercedes hält auf Grund der Praktikabiliät und den Vorteilen gegenüber den Touchscreens daran fest. Und zeigt gleichzeitig: hey, es wird sowieso bald alles mit Stimme zu steuern sein!

Die Scheibenwischer vorne sind riesig und weisen eine so ausgefuchste Mechanik auf, dass sie fast die komplette Scheibe erfassen und reinigen können. Wohingegen die breite C-Säule die Sicht nach schräg hinten naturgemäß einschränkt.

Apropos Sicht. Empfehlenswert ist der Aufpreis von 865 Euro nfür die LED High-Performance Scheinwerfer, die zwar für tolle Fernlicht-Ausleuchtung bei Dunkelheit sorgen, leider aber – und das ist Jammern auf hohem Niveau – nicht adaptiv sind.

Gleich beim ersten Reinsetzen passt der kleine Benz wie die engen Lieblings-Jeans. Die Sitze sind in unserer Ausstattung zwar nur manuell verstellbar, bieten aber angenehmen Seitenhalt. Und der ist mitunter nötig. Trotz der nur 116 PS lässt sich der 180 d mithilfe der optionalen Schaltwippen scharf um enge Kurven ziehen.

Im unteren Geschwindigkeitsbereich durchaus spritzig, wird der Dieselmotor mit seinen nur 1.461 ccm ab 2.000 Touren naturgemäß schnell mal laut und brummig. Mit 260 Nm zieht er die 1.445 kg in 10,5 Sekunden auf 100 km/h und mit etwas Geduld bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h.

Was auch nicht so gut zum sonst g´schmeidigen Auftritt passt: Aus dem Stand heraus und bei Schrittgeschwindigkeit wirkt die Gasannahme schlecht dosierbar. Das mag beim Ampelstart in der Poleposition egal sein, führt jedoch beim Einparken in einen engen Parkplatz auf geneigtem Untergrund wie zum Beispiel einer abgeschrägtem Gehsteigkante zum unangenehmen Manöver.

Eine halbe Sache ist der Fahrzeugschlüssel, bei dem wir zwar einen Knopf zum Öffnen der Türen drücken müssen, der aber zum Starten nirgends angesteckt werden kann. Wohin damit, wenn wir ihn eh schon zum Öffnen in der Hand haben. In irgendeiner Ablage rumscheppern lassen? Dann lieber traditionell irgendwo hinstecken, oder gleich ein komplett berührungsloses System.

Eine tolle Sache hingegen ist das MBUX Augmented Reality für Navigation um 260 Euro. Was bitte? Klingt kompliziert, - war es vermutlich auch in der Entwicklung. In den Fahralltag übersetzt bedeutet das, daß eine hinter dem Rückspiegel montierte Frontkamera ein Live-Bild des Szenarios vor dem Fahrzeug auf den Screen schickt.

Gleichzeitig werden vom Navigationsgerät Straßennamen und Hausnummern sowie große Richtungspfeile in dieses Bild eingespielt. Vernetzung von realer und virtueller Welt, sozusagen. Und ja, es hilft wirklich beim Navigieren.

Wenn kein Ziel eingegeben ist, startet diese Frontcam ein im Test nicht genau nachvollziehbar gewesenes Eigenleben. Sie schaltet sich selbstständig ein, vorwiegend, wenn wir in erster Reihe an der Ampel stehen oder die Cam an einer Kreuzung eine Ampel erspäht. Was Sinn macht, weil das weit vorgezogene Dach den Blick auf selbige manchmal verhindert. Leider lässt sich diese Frontkamera nicht händisch aktivieren, was beim Einparken manchmal durchaus praktisch wäre.

Das Platzangebot ist vorne gut, sogar ein Hut am Kopf ginge sich aus. Wobei sich Mercedes vom Hutfahrerimage inzwischen meilenweit entfern hat. Hinten nicht üppig, aber sogar für die Knie einer normal gewachsenen adulten Person ausreichend. Wenn der Fahrersitz jedoch auf ganz unten eingestellt ist, dürfen die Hinterbänkler kein grobes Schuhwerk tragen. Die Schuhspitzen ordentlicher Dr. Martens würden nicht mehr unter den Sitz passen.

Der 180 d hat den kleinsten Dieselmotor der A-Klasse und kostet zumindest 33.067 Euro. Durch die Auswahl verschiedener Pakete und Zusatz-Goodies stand auf unserem Fahrzeugangebot der Preis von 43.658 Euro. Der durchschnittliche Normverbrauch wird von Mercedes mit 4,3 l/100km angegeben, in unserem Test benötigten wir 5,6 Liter.

Plus
+ das neue, teils optionale "MBUX"-Sprachsteuerungssystem unterstützt in vielen Bereichen wunderbar
+ das optionale "Advanced Soundsystem" ist zu empfehlen, denn es lässt unsere Ohren spitz werden
+ Auflösung der Front- und Heck-Kameras ausgezeichnet
+ die direkte Lenkung bringt auch bei schwächerer Motorisierung Fahrspaß

Minus
- Abschalten der Systeme, wenn nach Motorstop die Fahrertüre geöffnet wird; sogar die Bedienungsanleitung verabschiedet sich dann vom mittigen Screen
- das Navigationssystem zeigt bzw. sagt einen Richtungswechsel im Verlauf einer Vorrangstraße nicht an

Resümee
Wer einen Kompaktwagen sucht, der mit einem spricht, wird mit dem A 180 d bestens bedient. Auf Grund der hochwertigen Materialien kommt auch im kleinsten Benz richtiges Mercedes-Feeling auf. Das hat leider auch seinen Preis und dieser lässt sich markenbedingt durch das Ankreuzen weiterer Annehmlichkeiten problemlos steigern.

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