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Peugeot 508 SW BlueHDI 160 GT Line - im Test

Französischer Maßanzug

Der Peugeot 508 geht nun auch als Kombi in der zweiten Generation komplett neu und als fescher Kampl an den Start. 160-PS-Diesel im Test.

Text und Fotos: Johannes Toth

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Dass die Franzosen einen Sinn für guten Geschmack und feines Design in allen Lebenslagen haben, ist wohl hinlänglich bekannt. Zwar hat nicht jedes neue Auto aus Frankreich dieses Image bestätigt, – der neue Peugeot 508 SW zeigt in diesem Punkt aber wieder mächtig auf.

Entgegen dem Trend der Vergrößerung ist dieses Auto eine Spur kleiner als sein Vorgänger: fünf Zentimeter weniger in der Länge und sechs Zentimeter weniger in der Höhe. Dadurch wirkt der Wagen breiter und sportlicher. Zusätzlich sind erstmals in dieser Klasse die Türscheiben rahmenlos ausgeführt. Kleiner Nachteil: die hinteren lassen sich nicht komplett in der Tür versenken. Die schmalen Lichtbänder an Front und Heck strecken die Silhouette und schärfen den Blick ohne gleich ganz böse zu wirken. Einzig die als Vampirzähnchen ausgebildeten Tagfahrlichter sind Geschmacksache, tragen aber jedenfalls zur markanten Erscheinung und Wiedererkennbarkeit des 508 bei.

Im Interieur sticht uns sofort das typische Peugeot i-Cockpit ins Auge, das seit einiger Zeit in den neuen Modellen implementiert wird. Dazu gehören mehrere Elemente. Am auffälligsten ist das verkleinerte Lenkrad, das hier auch noch oben sowie unten abgeflacht und dadurch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Es erinnert damit etwas an ein F1 Lenkrad und steuert den 508er direkt und knackig.

Ebenfalls einzigartig sind die oberhalb des Lenkrads angeordneten Armaturen mit gegenläufigem Drehzahlmesser, die ein Head-Up Display – also in die Windschutzscheibe eingeblendete Fahrinformationen – obsolet machen. Sowie außerdem eine erhöhte Mittelkonsole mit Touchscreen. Die Armaturenlandschaft ist etwas zerklüftet, wirkt aber durch ihre Dreidimensionalität durchaus spannend. Ergänzt wird die spacige Anmutung durch den futuristischen Gangwahlhebel.

In Summe ist die Lenkrad-Armaturen-Anordnung ein interessante Idee, die wir nach kurzer Eingewöhnungsphase angenehm finden. Bloß die kritischste aller „ich-mag-auch“-Beifahrerinnen kann sich nur schwer in dieses Bedienkonzept einfinden: „Also ich seh´ nie g´scheit auf die Armaturen, der Drehzahlmesser ist verkehrt und die Lüftungsdüsen sind auch schlecht einzustellen!“

Wobei der Armaturenscreen vor dem Fahrer vielfältig konfigurierbar ist. Es lassen sich je nach Vorlieben und Fahrsituation verschiedene Informationen auf einer Ansicht zusammenstellen. Wenn die Zielführung des Navigationsgerätes aktiviert ist und das Einblenden der Karte vom Fahrer nicht bereits eingestellt ist, wird vor einer Kreuzung der Navigationshinweis automatisch angezeigt.

Die verwendeten Materialien sind abwechslungsreich und machen im Zusammenspiel mit den vielen Absteppnähten allesamt einen hochwertigen Eindruck. Man spürt, dass die Löwenmarke höhere Ziele hat und Richtung Premium drängt. Es gibt ausreichend Ablageflächen. In der Mittelarmlehne lässt sich sogar eine ordentliche Spiegelreflexkamera vor neugierigen Blicken verstecken.

Das Bedienkonzept ist großteils schlüssig aufgebaut. Unter dem mittigen Touchscreen warten sieben praktische Schnell-Vorwahltasten, mit denen man direkt in ein Menü am Screen gelangt. Tiefer hinein in die Bedienstruktur kommen wir allerdings nur mit Tatsch-Funktion. Außerdem lassen sich Funktionen wie Sitzheizung oder Scheibenheizung ebenfalls direkt anwählen.

Sehr sportlich wirken die wie bei Rennwagen fix montierten Schaltwippen. Das Selberschalten macht in diesem Auto jedoch wenig Sinn. Ein beherzter Druck aufs Gaspedal leitet den Schaltvorgang genauso schnell ein, wie ein Klick an der Wippe. Die 8-Stufen-Automatik ist sowieso perfekt abgestimmt und reicht die Gänge brav durch.

Beim BlueHDI 160-Motor handelt es sich um ein Zweiliter-Dieselaggregat mit 163 PS und 400 Nm Drehmoment. Vor allem Letzteres tut sich nicht allzu schwer, die 1.540 kg Eigengewicht in Bewegung zu bringen. Was man auch an den Eckdaten - 8,5 Sekunden auf 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h - erkennen kann. Der 508 SW schwimmt selbst auf der deutschen Autobahn locker und freudvoll in der linken Spur mit, reagiert auch bei höherem Tempo noch fühlbar auf Befehle per Gaspedal.

Während auf der Autobahn auch bei hohem Tempo die Geräuschdämmung sehr gut ist, klingt der Dieselmotor am Stand – besonders von außen – etwas rauh. Die Federung ist französisch angenehm, wiewohl sie nie ins sänftenartig Weiche übergeht. Den Sitzen können wir guten Seitenhalt attestieren.

Eh klar, dass in unserer GT Line-Ausstattung verschiedenste Assistenten in Hülle und Fülle mit an Bord sind. So auch eine Verkehrszeichenerkennung, die jedoch die 140 km/h Tafeln auf der A1 ignoriert und weiter 130 km/h empfiehlt. Wobei – das ist wohl für das Strafenregister besser als umgekehrt.

Die Sicht nach rechts hinten ist schlecht, wird aber durch Kameras verbessert. Am mittigen Screen kann ein Rundum-View gezeigt werden, der durch einen kleinen Trick erzeugt wird. Es gibt nur je eine Kamera vorne und hinten, die allerdings einen 180 Grad Winkel abdecken. Die seitlichen Bilder enstehen somit durch Speicherung und anschließende Einspielung dieser Daten.

Das ist ziemlich clever und funktioniert perfekt, aber die zu zeigende Fläche muss zuerst befahren werden. Das heißt, nach einem Parkvorgang bleiben die seitlichen Bereiche schwarz, weil das Fahrzeug noch keine seitlichen Bildinformationen speichern konnte

Amüsant – oder irritierend – ist übrigens der Warnton, wenn die Fahrertüre bei laufendem Motor und mit eingelegtem Gang geöffnet wird: es ertönt eine auf- und abschwellende Alarmsirene wie bei einem Atomunfall. Eventuell haben sich die Entwickler hier doch etwas zu viel von Science Fiction Filmen inspirieren lassen.

Das schnittige Design des 508 SW gibt es mit 130 Diesel-PS und 6-Gang-Schaltgetriebe bereits ab 35.950 Euro zu kaufen. Unser ideal motorisierter BlueHDI 160 mit serienmäßigem 8-Gang Automatikgetriebe steht mit der formidablen GT Line Ausstattung um 45.850 Euro in der Preisliste. Der Norm-Mixverbrauch wird von Peugeot mit überraschend geringen 4,7 Litern auf 100 km angegeben. Nun, diesen Wert konnten wir nicht erreichen – aber ein Schnitt von 6,6 Liter ist für einen Mittelklasse-Kombi mit einigen flotten deutschen Autobahnkilometern durchaus OK.

Plus
+ cooles futuristisches Design außen und innen
+ 160 Diesel PS sind die ideale Motorisierung für diesen Kombi
+ individuelle französische Alternative zum deutschen Einheitsbrei

Minus
- die aufpreispflichtige Soundanlage von Focal klingt durchschnittlich
- bei (seltener) Sonneneinstrahlung von schräg hinten sind die Armaturen schlecht ablesbar

Resümee
Es muss ja nicht immer ein Deutscher sein. Der schicke Franzose Peugeot 508 SW lässt sich freudvoll bewegen und fährt sich auch auf der Langstrecke wunderbar. Somit ist der Peugeot Kombi perfekt als Firmenauto für den Außendienst und gleichzeitig als Familientransporter in der Freizeit geeignet.

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