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Volvo V60 T6 AWD Inscription - im Test Volvo V60 2019

Kalter Schwede

Geräumig, kräftig, wintertauglich: Der Test des Volvo V60 T6 AWD zeigt, dass ein Kombi eine hervorragende Alternative zum SUV sein kann.

mid/me

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Das war knapp! Schmuddeliges Winterwetter, die Rückfahr-Kamera des Volvo V60 T6 AWD sendet ein grau-in-graues Matsch-Bild auf den Monitor. Sonst nichts zu sehen, alles klar also zum Rückwärts-Ausparken auf dem Supermarkt-Parkplatz?

Eben nicht! Kaum hat der Fahrer (und Autor dieses Tests) den Automatik-Hebel auf "R" geschoben und vorsichtig Gas gegeben, piepst der Volvo V60 warnend und bremst fast im gleichen Moment. Und zwar von selbst und heftig. Unmittelbar darauf brettert ein anderes Auto knapp an der Heckstoßstange vorbei.

Schaden vermieden, zwei Erkenntnisse gewonnen. Erstens: Rückwärtskameras werden im Winter allzuleicht schmutzig - es sei denn, sie sind unter dem Markenemblem versteckt und zeigen sich nur bei Rückwärtsfahrt. Zweitens: Die Sicherheits-Systeme des Volvos funktionieren. Wäre auch wirklich schaden gewesen um diesen schönen Kombi. Mit eleganter Linie, großem Kofferraum, viel High-Tech und geräumigem Innenraum.

Der 4,76 Meter lange Volvo V60 ist quasi der kleinere Bruder des Riesen-Kombis V90; ein Angebot für Autofahrer, die eben nicht auf ein SUV umsteigen wollen, sondern Raum und Praktikabilität nach wie vor bei einem Pkw suchen. Wobei die Testfahrt, auch mit Familie, hier durchaus eine kleine Einschränkung offenbarte: Der beim Allradmodell AWD vorhandene Kardan-Tunnel im Fond ist ziemlich breit, was dem mittleren Platz den Fußraum raubt und diesen damit zu einem Notsitz macht.

Die vierköpfige Familie aber reist überaus komfortabel auch auf längere Strecken. Der Kombi federt komfortabel, lässt sich bei Bedarf durchaus auch sportlich bewegen. Dabei hilft natürlich der kräftige, laufruhige Benzinmotor des V60 T6, immerhin 310 PS stark. Er liefert Leistung für jede Lebenslage, bleibt dabei angenehm leise und konsumierte während der Test-Distanz angemessene 8,5 Liter auf 100 Kilometer.

Gemeinsam ist allen Motor-Varianten ein hellen Innenraum mit hohem Wohlfühl-Faktor, besonders im Testwagen der Premium-Ausstattungslinie "Inscription" und entsprechend hochwertigen Materialen. Allerdings kostet dieses Modell auch über 59.000 Euro (Deutschland: über 53.000 Euro).

Serienmäßig bieten die Schweden ein voll digitales, gut ablesbares Cockpit. In der Mittelkonsole prangt ein großes Display im Hochformat, an der sich das bordeigene Multimedia-System oder die Navigation ebenso bedienen lässt wie das per Apple Carplay oder Android Auto verknüpfte Smartphone.

Hier lässt sich auch mit einem Fingerwisch die ganze Armada von Assistenz-Systemen aufrufen und bedienen - eine recht praxisnahe Lösung. Herkömmliche Knöpchen und Rehregler gibt es dagen kaum. Wer sich für die Bedienung eines Smartphones nicht recht erwärmen kann, wird vermutlich auch viele Funktionen des Volvo V60 nie entdecken.

Ein besonderer Clou erwartet den, der das hochwertige, vom Audio-Spezialist Harman getunte Bowers&Wilkins-Soundsystem geordert hat, und die Klang-Einstellung anwählt. Dort verbirgt sich eine Akustik-Simulation der Göteborger Konzerthalle, die gerade Klassik-Einspielungen mehr Hall und Luftigkeit verleiht - eine nette Spielerei, die bei der Käuferschaft dieses Premiummobils gut ankommen dürfte.

Die dreistufige Heizung für Sitze und Lenkrad wärmt zuverlässig, bis sich der Innenraum auf angenehme Temperaturen aufgeheizt hat, dazu befreit ein kräftiger Warmluftstrom die Frontscheibe zügig von Beschlag. Hier ist den Schweden (in Besitz des chinesischen Geely-Konzerns) die Erfahrung mit nordisch-kalten Witterungen anzumerken.

Sehr hilfreich auch, dass der Testwagen über einen Allrad-Antrieb verfügt, mit dem sich so mancher freie, weil zugeschneite Parkplatz erobern lässt. Kurz nur lässt das System durchdrehende Räder zu, bevor es die Kraft an die Reifen mit der besten Traktion umleitet - automatisch und effektiv.

Das SUV XC40 hat Volvo in seiner Preis-Hierarchie ein paar Tausender unterhalb des V60 geparkt hat. Im direkten Vergleich bringt die höhere Sitzposition der XC40 eine bessere Übersicht. Andererseits geht es im Kompakt-SUV innen etwas enger zu, das Raumgefühl des V60 erreicht es nicht - im Gegensatz zum größeren XC60, der preislich aber um mehr als 10.000 Euro über dem V60 positioniert ist.

So bleibt die Frage nach dem passenden Fahrzeug-Konzepts auch bei Volvo eine des Geschmacks. Was auch für die höher gelegte Cross-Country-Version des V60 gilt, die Volvo soeben an den Start gebracht hat - für alle, die sich nicht zwischen SUV und Kombi entscheiden können.

Fünftüriger, fünsitziger Mittelklasse-Kombi, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.761/1.850/1.427/2.872 mm, Leergewicht: 1.903 kg, Zuladung: 417 kg; Kofferraumvolumen: 529-1.441 l, Tankinhalt: 60 l, Anhängelast gebremst: 2.000 kg.
Antrieb: Vierzylinder-Benzinmotor, Turbo und Kompressor, Hubraum: 1.969 ccm, Leistung: 228 kW/310 PS bei 5.700 U/min, max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.200-5.100 U/min, 8-Gang-Automatik, Allradantrieb, 0-100 km/h: 5,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Normverbrauch: 7,4 l/100 km, CO2-Emission: 171 g/km, Testverbrauch: 8,5 l/100 km.
Österreich-Preis: 59.213 Euro (Deutschland: 53.050 Euro).

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