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Kia EV6 GT Line 77,4 kWh AWD im Test

„Das ist ein Kia?!“

Der Kia EV6 schaffte es knapp nicht mehr in unseren großen Vergleichs-Test zwischen Ioniq 5, Mustang Mach-e, Model Y und Enyaq. Da haben Ford, Škoda, aber auch Hyundai und Tesla eventuell noch einmal Glück gehabt ...

Johannes Posch

Es ist teilweise immer noch schwer zu fassen, welche unglaubliche Entwicklung die Autos von Hyundai und Kia in den letzten Jahren hingelegt haben. Von solid, aber eher faden Mauerblümchen mit den Hauptargumenten „günstiger Preis und lange Garantie“ zu ernsthaften Herausforderern von Tesla & Co, die für reihenweise verdrehte Köpfe und ungläubige Gesichter sorgen. Und letzteres gilt für den EV6 sogar noch mehr als für den Ioniq 5. Die Front, jetzt „digital Tiger face“ genannt: selbstbewusst, markant und schnittig. Die Seitenansicht: Das wohlwollende Auge erkennt Anlehnungen an die Silhouette des Lancia Stratos. Und wenn am Heck dann Vergleiche mit einem aktuellen Aston-Martin-SUV gezogen werden, kann das quasi als finaler Ritterschlag für das Design-Team der Koreaner verstanden werden.

Schickes Interieur
Ja, der EV6 ist, vor allem wenn matt lackiert wie unser Vorserienfahrzeug, kein Auto, das in der Masse untergeht. Auch der Innenraum weiß da mitzuhalten: eine quasi frei schwebende Mittelkonsole, kräftig akzentuierende Ambientebeleuchtung, große Displays, eine
umschaltbare Bedieneinheit unter den Luftauslässen, Augmented Reality Head-up-Display und ein Lenkrad, das zumindest für Gesprächsstoff sorgt. Im EV6 Platz zu nehmen hat tatsächlich ein bisschen was vom Besteigen eines Raumschiffs …, eines ergonomisch nahezu einwandfreien. Vor allem, weil bei aller Moderne am Volant an beleuchteten, echten Tasten festgehalten wurde. Gut so. Auf der original Enterprise gab’s ja auch noch Hebel und Schalter. Und am Todesstern auch. Natürlich darf aber auch hier fleißig „getoucht“ werden. Einziger Schnitzer: Der Infotainment-Screen ist einen Tick zu weit vom Fahrer entfernt. Aber immerhin gibt’s ja auch eine passabel funktionierende Sprachsteuerung.

Warp 9, Mister Zulu
Wie es sich für ein auf einer modernen E-Plattform aufbauendes Fahrzeug gehört, katapultieren die beiden E-Motoren den 2-Tonnen-Crossover mit Leichtigkeit – 5,2 Sekunden auf 100 km/h – in Geschwindigkeitsbereiche jenseits aller bekannten Grenzen des StVO-Universums, holen ihn durch 1-Pedal-Modus aber durch simples Lupfen des Gasfußes auch ohne Bemühen des Bremspedals wieder in diese zurück – bis zum Stillstand.

Die Bedienung des Infotainments ist recht kleinteilig, verschachtelt und damit nicht makellos. Dafür kann der EV6 beziehungsweise seine 400/800-Volt-Architektur an anderen Stellen voll punkten. Etwa durch die Möglichkeit, mittels Adapter externe Geräte mit Strom zu versorgen oder die Akkus bis zu 240 kW zu laden. Ja, dazu passende Ladesäulen sind noch rar, aber mit dem EV6 ist man bereits erstklassig vorbereitet. Und die aktuellen Schnelllader alle tatsächlich voll ausreizen zu können, ist ja auch schon ein gutes Gefühl.

Tesla-Fighter
Das bringt uns zur Reichweite. 15,1 kWh/100 km standen am Ende unserer genormten Testrunde am Bordcomputer, was umgelegt auf den Akku rund 512 Kilometer Reichweite bedeutet, wohlgemerkt unter Idealbedingungen. Der Ladeverluste mit einbeziehende WLTP-Wert war damit klar unterboten, die Konkurrenz aus den USA aber nicht. Das Model Y war mit 12,8 kWh noch ein Stück effizienter – siehe Vergleichstest. Aber wie gesagt: Vorserienauto! Die Werte sind also mit Vorsicht zu genießen. Für bare Münze zu nehmen, ist die Preisliste: Die verortet den getesteten EV6 finanziell mit 57.590 Euro (47.992 netto) in perfekter Schlagdistanz zum Model Y Long Range (57.490), dem es gegen Aufpreis aber so manches Komfortfeature und jedenfalls die lange Garantiezeit voraus hätte.

Selbst um die Lieferfähigkeit soll es gut bestellt sein, sagt Kia. Fest steht: Der EV6 ist ein durch und durch überzeugendes Auto geworden, das in unserem Vergleich weit vorn mitgespielt hätte.

Technische Daten:
Leistung | Drehmoment 325 PS (239 kW) | 605 Nm
0–100 km/h | Vmax 5,2 s | 185 km/h
Getriebe | Antrieb 1-Gang aut. | Allrad
Reichweite (max.) | Batterie 506 km (WLTP) | 77,4 kWh
Ø-Verbrauch 17,2 kWh/100 km (WLTP)
Ladedauer AC | DC ca. 7,2 h1 | ca. 18 min (80 %)2
Kofferraum | Zuladung 480–1.260 l | 515 kg
Garantie Fahrzeug | Batterie 7 Jahre | 7 Jahre/150.000 km
Basispreis | NoVA 57.590 (47.992 exkl.) | -

Das gefällt uns: Design, Fahrverhalten, Schnellladen
Das vermissen wir: weniger verschachteltes Infotainment
Die Alternativen: Tesla Model Y, Hyundai Ioniq 5 etc.

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