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BMW 530e xDrive Touring im Test
Stefan Schmudermaier

So macht der Plug-in Sinn!

292 PS Systemleistung, rund 40 Kilometer elektrische Reichweite und ein Praxisverbrauch zwischen 6,5 und 7,5 Litern. Der BMW 530e xDrive Touring beweist, dass ein Plug-in-Hybridantrieb auch auf längeren Strecken durchaus Sinn haben kann.

Stefan Schmudermaier

Vor einigen Monaten hatten wir den 530d xDrive Touring im Redaktionsfuhrpark, den Diesel mit 286 PS und sechs Zylindern. Motorenbau wie er im Buche steht, leise und durchzugsstark. Und mit einem Praxisverbrauch von rund sechs Litern unglaublich sparsam. Rein optisch steht der 530e xDrive Touring dem Selbstzünder um nichts nach. Allerdings sorgen ein Vierzylinder-Benziner und ein E-Motor hier für Vortrieb. Und zugegeben, ein wenig skeptisch waren wir schon, ob das dieser Klasse auch gerecht wird. Und vor allem waren wir gespannt, was die Verbrauchsanzeige in der Praxis so von sich gibt. Der lang geplante Familienausflug nach Hallstatt kam da gerade recht, schließlich kann man auf einer über 300 Kilometer langen Strecke mit einem Autobahnanteil von rund 80 Prozent doch einiges über die Langstreckentauglichkeit sagen.

Vier Zylinder, ein kraftvoller E-Motor
Bereits vor dem Start war klar, an Komfort würde es sicher nicht mangeln. Erst recht, da unser Testwagen bis unters Dach vollgestopft mit Extras war. Vom sportlichen M-Paket über Sitzlüftung, feinstes Leder, Massage, Beduftung des Innenraums und vielem mehr kann Otto-Normalverbraucher nur träumen, der Preis des Testautos war mit rund 105.000 Euro sogar sechsstellig. Und trotzdem nur ein Vierzylinder unter der Haube, ein Sakrileg? Nun, mit der Geschmeidigkeit eines Sechszylinders kann der logischerweise nicht mithalten, aber – und da muss man den BMW-Ingenieuren wirklich gratulieren – der Vierzylinder wurde dermaßen gut gedämmt, dass man wenig bis nichts von ihm mitbekommt. 184 PS aus zwei Liter Hubraum wären allein nicht allzu üppig, unterstützt von einem 80 kW starken Elektromotor ergibt das aber eine Systemleistung von strammen 292 PS und ein Systemdrehmoment von 420 Newtonmetern. Und dann sieht die Welt freilich deutlich anders aus. Lediglich 6,1 Sekunden vergehen, bis der große Kombi – pardon, Touring – Tempo 100 erreicht, die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h ist hierzulande ohnedies nicht relevant.

Adaptiver Modus spart Sprit
Den Blick auf die Verbrauchswerte kann man sich bei Plug-in-Hybriden sparen, WLTP hin oder her, mit 1,8 bis 2,2 Liter auf 100 Kilometer lässt sich so ein Auto in der Praxis nicht bewegen. Erst recht, da man nicht annehmen kann, dass alle 100 Kilometer der Akku wieder geladen wird. Umso interessanter die in der Praxis gesammelten Erfahrungen. Der Tank gefüllt und der Akku voll geladen geht es also auf in Richtung Hallstatt, nicht ohne davor den richtigen Fahrmodus zu wählen.

„Adaptive“ ist das Gebot der Stunde! Bei aktivierter Zielführung weiß der BMW, wann es Sinn macht, rein elektrisch zu fahren und wann nicht. Während andere Plugin-Hybride ohne Zutun des Fahrers den Stromspeicher mitunter gleich zu Beginn der Reise innerhalb weniger Kilometer auf der Autobahn verblasen, waren wir bis zur Abfahrt Regau beinahe ausschließlich mit dem Benzinmotor unterwegs. Und dafür waren die knapp sieben Liter durchaus in Ordnung. Nach einigen vollautomatischen und elektrischen Ortsdurchfahrten später kamen wir mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern in Hallstatt an. Das ist aller Ehren wert und beinahe auf Diesel-Niveau. Auch wenn Langstreckenfahrer weiterhin besser auf einen 520d setzen sollten, so stellt der 530e eindrucksvoll unter Beweis, dass Hybride auf der Autobahn nicht zwangsweise zum Säufer werden. Und die tägliche Fahrt ins Büro und retour kann mit einer elektrischen Praxisreichweite von rund 40 Kilometern mitunter ohne einen Tropfen Sprit zurückgelegt werden, dann macht ein Plug-in-Hybrid auch wirklich Sinn.

Ergonomie wird weiter groß geschrieben
Dass BMW in Sachen Ergonomie so manchen Premium-Mitbewerber hinter sich lässt, freut Vielfahrer ganz besonders. Als Beispiel wäre etwa der adaptive Tempomat zu nennen. Während sich die adaptive Abstandsregelung bei BMW je nach Verkehrssituation aktivieren – etwa bei viel Verkehr oder im Stau – oder deaktivieren – zum Beispiel auf der Autobahn – lässt, ist die Funktion bei anderen Herstellern nicht trennbar. Erfreulich auch, dass es bei den Bayern noch „echte“ Tasten auf dem Lenkrad gibt und die Seuche schlecht bedienbarer Touchflächen hier nicht Einzug gehalten hat. Möge das noch lang so bleiben. Bei den digitalen Armaturen wäre indes weniger mitunter etwas mehr gewesen, auch wenn sich die Ansichten ändern lassen. Und sonst? Das Platzangebot in Reihe eins und im Fond ist der Klasse entsprechend großzügig, die 430 Liter Kofferraum (erweiterbar bis zu 1.560 Liter) sind aber bestenfalls durchschnittlich, 130 Liter gehen aufgrund der Hybrid-Batterien verloren. Die Preisliste des BMW 530e xDrive Touring startet bei 69.200 Euro, ohne Allrad bei 63.450 Euro. Und wer mit dem 520e Touring und einer Systemleistung von 204 PS das Auslangen findet, legt bei 59.100 Euro los.

Technische Daten
BMW 530e xDrive Touring

Systemleistung | Drehmoment 292 PS (215 kW) | 420 Nm
0–100 km/h | Vmax 6,1 s | 225 km/h
Getriebe | Antrieb 8-Gang aut. | Allrad
E-Reichweite 47–53 km (WLTP)
Ø-Verbrauch 1,8 l S | 41 g/km (EU6d)
Ladedauer ca. 3,6 h (Haushaltssteckdose)
Kofferraum | Zuladung 430–1.560 l | 650 kg
Garantie Fahrzeug | Batterie 2 Jahre | 8 Jahre/160.000 km
Basispreis | NoVA 69.200 (inkl.) | 0 %

Das gefällt uns: Verbrauch, adaptiver Modus, Ergonomie
Das vermissen wir: etwas mehr Kofferraumvolumen
Die Alternativen: Audi A6 Avant, Mercedes E-Klasse T

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