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Hyundai Ioniq 5 – schon gefahren
Hyundai

Startschuss für die E-Submarke

Hyundai präsentiert mit dem Ioniq nicht einfach nur ein weiteres E-Modell. Es ist zugleich der Startschuss für die Etablierung von Ioniq als eigenständige Sub-Marke, und dessen Zeremonienmeister bekommt 800-V-Technik und bis zu 481 Kilometer Reichweite.

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Mit dem innovativen Hyundai Ioniq 5 blasen die Koreaner zur Großoffensive gegen die internationale E-Fahrzeug-Konkurrenz im Premium-Segment. Ziel: Bis 2025 soll die neu gegründete Submarke Ioniq, die ebenfalls auf der neuen E-GMP-Plattform aufbauenden Modelle 6 und 7 sollen 2022 beziehungsweise 2024 folgen, die weltweite Technologie-Führerschaft übernehmen und dann weltweit jährlich 650.000 BEV und 150.000 PHEV absetzen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) ist den Ioniq 5 in Topausstattung gefahren und sagt, was der neue Spieler kann.

Tschechien schlägt die Niederlande, Belgien besiegt Portugal, die Schweiz wirft den Weltmeister Frankreich aus dem Wettbewerb, Deutschland over and out. Die EM 2020/21 ist immer wieder für eine Überraschung gut. Wer gestern noch als Favorit gehandelt wurde, ist heute schon vom Platz gefegt und merkt vielleicht erst dann, dass die eigene Leistung diesmal einfach nicht ausgereicht hat.

Ganz ähnlich läuft der Wettbewerb derzeit bei den E-Mobilen. Neue Spieler, neue Technik, neue Aufstellung und plötzlich ist nichts mehr, wie es schien. Jüngstes Beispiel: Hyundai läuft mit dem Ioniq 5 in der Mittelklasse mit 800-Volt-Batterietechnik auf. Das bedeutet schnelleres Laden, in letzter Konsequenz auch mehr Ausdauer. Wer schneller regeneriert, kann in der gleichen Zeit mehr Meter machen, ist schneller am Ziel. Bislang war das Oberliga-Stars vom Schlage eines Porsche Taycan oder eines Audi e-tron GT vorbehalten, hohe Transfersummen jenseits der 100.000 Euro inklusive. Jetzt gibt es die Technik sozusagen schon in der Zweitliga - ab 41.900 Euro. Rumms, der hat gesessen.

In Zahlen: Je nach Modell, Antriebskonfiguration (Heck oder Allrad), Akkugröße (58-kWh- oder 72,6 kWh) sollen bis zu 481 Kilometer am Stück möglich sein. Bis zu 220 kW Ladeleistung sollen innerhalb von nur 5 Minuten 100 Kilometer zusätzliche Reichweite ermöglichen. Von 10 bis 80 Prozent Batteriekapazität soll der Ioniq 5 unter optimalen Bedingungen in herausragenden 18 Minuten "nachtanken". Auf der Testfahrt konsumierte das voll ausgestattete Topmodell mit 225 kW/305 PS und Allradantrieb auf tempolimitierten (90 km/h Landstraße, 120 km/h Autobahn) Routen im Durchschnitt 18,6 kWh, was einer tatsächlichen Reichweite von etwa 390 Kilometer entspräche.

Technik allein ist aber noch kein Garant für den Sieg. Gefragt sind natürlich auch Motivation, neue Ideen, neue Kombinationen, der Drang nach vorn. Auch hier hat der Ioniq 5 einiges zu bieten. Das optionale Relax-Paket zum Beispiel, dass den Koreaner in der Lade-Halbzeit in eine Wellness-Oase verwandelt, indem es den Spielern in der ersten Reihe eine fast waagerechte Liegeposition auf den ohnehin schon sehr bequemen Frontsitzen ermöglicht. Das dank üppigem 3-Meter-Radstand ziemlich geräumige, mit sorgsam ausgewählten, nachhaltigen Materialien ausgestattete Interieur trägt nicht minder zum Wohlfühl-Charakter des Ioniq 5 bei.

Gut gedacht ist auch das optionale Solardach, das dabei helfen soll zwischen den Spielen/Fahrten Energie zu tanken. Zumindest theoretisch - südliche Sonneneinstrahlung vorausgesetzt - sollen jährlich mehr als 1.500 Kilometer zusätzliche "Reichweite" in die Akkus fließen. Schattenparker mögen einwenden, dass ihnen ein weniger aufgeheiztes Interieur beim Start deutlich lieber ist, als mehr Saft im Akku und der ansonsten unvermeidliche Betrieb der Wärmepumpen-Klimaanlage ohnehin einen Großteil der gewonnenen Energie wieder zunichtemachen würde.

Doch hier geht es ja um Ideen, darum einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Wie etwa bei den Infotainment-Anzeigen des Ioniq 5. Die tragen kühles Weiß, statt traditionellem Cockpit-Trauerschwarz (und die deutsche Nationalmannschaft bei ihrem Ausscheiden). Zwei waagerecht nebeneinander, oberhalb der sehr aufgeräumt und hochwertig verarbeitet wirkenden Armaturentafel angeordnete 12,25 Zoll-Displays dienen der Informationsvermittlung. Das klappt trotz der ungewöhnlichen Paperwhite-Optik prinzipiell gut, weitgehend spiegelfrei und es verleiht dem Interieur den gewünschten coolen Auftritt, der den Koreaner auf den ersten Blick aus der Masse abhebt.

Die - zumindest hinter dem Lenkrad - ungewöhnliche Anzeigengröße (üblich sind hier 10,25 - 11 Zoll), ermöglicht zudem eine weitere innovative Funktion, die dem Fahrer optional eine bessere Kontrolle des Rückraums erlaubt. Leitet er einen Spurwechsel ein, wird dort (je nach Fahrsituation rechts oder links) automatisch der Blick einer rückwärts gerichteten Kamera, die ungefähr der Außenspiegel-Sicht entspricht, eingeblendet. In den dicht befahrenen, mehrspurigen spanischen Kreisverkehren erwies sich das als durchaus hilfreich. Das ungewöhnliche Displayformat hat jedoch auch grundsätzliche Nachteile. Je nach Lenkradposition - es ist sowohl Höhen- als auch Längsverstellbar - wird ein Teil der Anzeigen am Rand zwangsläufig verdeckt. Lenkräder haben nun mal - wie der Ball beim Fußball - nur eine gewisse, limitierte Größe. Da ist es gut, dass der Ioniq 5 zumindest beim 11.850 Euro teuren Uniq-Paket über ein großflächiges Head-Up-Display verfügt, das diese Informationen noch einmal direkt ins Fahrerblickfeld spiegelt.

Kommen wir zur Taktik: Die von Hyundai gewählte Basisvarianten-Lösung zu 45.990 Euro, auf der alle drei verfügbaren Zusatz-Ausstattungs-Pakete (Plus Line + 3.000 Euro, Top Line + 8.000 Euro, Motoren- bzw. Antriebsoptionen (58 kW, 235 PS Allrad + 6.000 Euro, 72,6 kWh, 218 PS Heckantrieb + 3.000 Euro sowie die gefahrene Variante mit 72,6 KWh-Batterie, 305 PS und Allradantrieb + 9.000 Euro) aufbauen, ermöglicht die volle Förderung aller Modelle, die Preise reduzieren sich entsprechend um mindestens 3.000 Euro.

Man darf gespannt sein, wie der Hyundai-Handel mit den Herausforderungen der neuen Technik und der neuen Klientel klarkommt. Deutlich für den Ioniq 5 spricht weiterhin die 8-jährige Garantie (bis 160.000 Kilometer) auf Fahrzeug und Batterie. Ein wenig unverständlich erscheinen allerdings die mit 15.000 Kilometer sehr kurzen Wartungsintervalle, zumal der Ioniq naturgemäß kaum noch Flüssigkeitswechsel erfordert und zum Beispiel die Bremsen auch dank der mehrfach einstellbaren Rekuperation, die echtes Einpedal-Fahren ermöglichen, kaum noch beansprucht werden.

Fazit: Der Hyundai Ioniq 5 ist ein sehr potenter Herausforderer - im Augenblick nach Ansicht des Autors sogar das rundeste Angebot in seiner Klasse. Er bietet modernen Auftritt und innovative Technik gepaart mit traditionellen Werten wie sehr gutem Geräusch-, Verarbeitungs- und Fahrkomfort. Die Topversion bietet dazu souveräne Fahrleistungen, lediglich beim Topspeed von abgeregelten 185 km/h sind - vernünftigerweise - Abstriche zu machen. Der Ioniq 5 bietet damit alle Voraussetzungen für den Sturm in die Spitze der (Zulassungs-)Tabelle. Die 8.000 für dieses Jahr geplanten Einheiten könnten dafür allerdings schon etwas knapp sein.

Aber spätestens im nächsten Jahr gilt ja wieder: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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