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Scharf gezeichnet und unkonventionell angetrieben

Die dritte Generation des Nissan Qashqai wurde erneut in Europa für Europa entwickelt. Auf Basis der neuen CMF-C Plattform stellte Nissan so am Ende nicht nur ein überaus mutig designtes, sondern auch mit Mild-Hybrid und E-Antrieb ohne aufladbarem Akku sehr interessant angetriebenes auf die Räder. Im Sommer 2021 soll er in den Handel kommen.

Johannes Posch

Weltweit sieht die Sache freilich anders aus, doch hier in Europa hat Nissan ein absolut unangefochtenes Zugpferd. Den Qashqai. Man könnte fast soweit gehen zu sagen, mit ihm allein steht und fällt die ganze Marke auf dem alten Kontinent. Wenn er also eine neue Version bekommen soll, muss man bei Nissan alle Register ziehen ... und es sieht ganz so aus, als hatten die Designer und Ingenieure genau das getan.

Design und Abmessungen

Der Look wird vermutlich polarisieren, aber eines ist jedenfalls sicher: Zumindest von vorn wird den neuen Qashqai sicher keiner so schnell mit irgendeinem anderen Auto verwechseln. Damit ist der Kompakt-Kraxler nach dem Hyundai Tucson nun schon der zweite SUV, der dieses Jahr auf den Markt kommt und sich in Sachen Styling wirklich viel traut; großartig!

Auch "Wachstum" hat sich Nissan getraut: Bei einem im Vergleich zum Vorgänger um 20 mm gewachsenen Radstand legte der neue Qashqai in der Länge um 35 mm, in der Breite um 32 mm und in der Höhe um 25 mm zu. Zumindest verkniff man sich also den aktuellen Trend, Autos breiter, länger und flacher zu machen. Dennoch betont Nissan natürlich das dennoch dynamische Styling des Autos, das nicht zuletzt durch die nun bis zu 20" großen Räder erreicht wurde: An der Front hingegen dominiert der typische, nun besonders große V-Motion Kühlergrill, der von scharf gezeichneten Lichtlinien flankiert wird - einmal in Form der Tagfahrleuchten und andererseits durch die Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer, in die sie münden. Das Heck fiel im Vergleich dazu fast schon bieder aus: zwar sind auch hier die Leuchten lang gezogen und scharf gezeichnet, sonst aber beließ man es mit wenigen Linien und einem klassischen Scheibenwischer bei Altbewährtem.

Innenraum & Technologie

Im Cockpit erwartet den geneigten Qashqai-Fahrer sodann neben vermeintlich deutlich gesteigerter Verarbeitungsqualität ein leicht Fahrer-zentriertes Layout und selbstverständlich ebenso neues Infotainment-System. Die Bildschirmdiagonale setzt allerdings mit neun Zoll alles andere als neue Maßstäbe, auch wenn sie im Vergleich zu den bisher verwendeten fünf Zoll für Nissan selbst ein großer Sprung ist. Auch beließ man es - entgegen aktueller Trends - bei noch recht vielen physischen Knöpfen und Steuerelementen; finden wir gut! Ebenso wie die Unterstützung für Apple Carplay (auch kabellos) und Android Auto.

Hinterm neuen Lenkrad, das ebenfalls noch auf viele "echte" Knöpfe setzt, sitzt ein neues 12,3 Zoll-Display mit verschiedenen Layouts. Display Nummer drei ist sodann das 10,8 Zoll große HUD, über das Fahrinformationen, Navigationsanzeigen (für das Navi setzt man auf Tom Tom und "over the air"-Kartenupdates) und Infos aus den Assistenzsystemen direkt auf die Windschutzscheibe projiziert werden können. Zudem nutzt Nissan für den neuen Qashqai auch eine Anbindung an Google Assistant oder Amazon Alexa. So kann man etwa schon zu Hause über sein Handy oder Amazon-Gerät Navigationsziele ans Auto schicken lassen.

Zum Schluss noch zu den Platzverhältnissen: Durch das Außenwachstum soll es auch innen luftiger zugehen: Die Kniefreiheit im Fond wuchs um 28 auf 608 mm, die Kopffreiheit vorne und hinten legte um 15 mm zu, mehr Platz gibt es auch zwischen Fahrer und Beifahrer. Der Kofferraum hingegen legte um 74 Liter auf mindestens 480 Liter zu. Das wurde vor allem durch den um 20 mm abgesenkten Ladeboden erreicht. Zudem verspricht Nissan einen leichteren Einstieg in die hintere Sitzreihe, da die Türen sich nun bis zu 85 Grad öffnen lassen - vor allem für Eltern mit kleinen Kindern sicher ein Segen - so können die Kleinen in ihren Kindersitzen deutlich leichter gesichert oder herausgenommen werden.

Plattform & Antrieb

Wie schon eingangs erwähnt verwendet der neue Qashqai eine ebenso neue Plattform, genannt CMF-C. Sie soll höhere Sicherheit bei niedrigerem Gewicht bieten. Mehr Agilität soll hingegen die modifizierte Radaufhängung mit MacPherson Federbeinen an Vorder- und Hinterachse besorgen. Für die Hinterachs-Konstruktion selbst kommen hingegen zwei unterschiedliche Ansätze zur Anwendung: Bei 2WD-Varianten mit bis zu 19 Zoll großen Rädern kommt hinten eine Verbundlenkerachse zum Einsatz, in den Versionen mit 20-Zoll-Rädern sowie in den Allradvarianten ist der Qashqai mit einer aufwändigeren Mehrlenker-Hinterachse ausgerüstet.

"Es gibt also wieder Allradantrieb?" hör ich euch fragen: Ja, gibt es. Auch zwischen Handschaltung und Automatik lässt einen Nissan wählen, ebenso wie zwischen insgesamt drei Motoren aus zwei Antriebskonzepten: Mildhybrid in zwei Leistungsstufen oder E-Auto mit Range Extender (dazu später mehr). Wild kombinieren kann man diese Optionen aber nicht. Den neuen Allradantrieb mit fünf Fahrmodi – Standard, ECO, Sport, Schnee und Off-Road – gibts also nur beim stärkeren Mildhybrid und auch nur mit Automatik.

Doch zu den Motoren selbst: Die quasi "konventionelle" Alternative ist der 1.3 DiG-T Benzinmotor mit 140 PS oder 158 PS und 12V-ALiS (Advanced Lithium-ion System) -Mildhybrid-Unterstützung. Nissan gibt an durch die Verwendung des Mildhybrid-Systems 4 g/km CO2 einsparen zu können und gleichzeitig spürbare Vorteile bei der Kraftentfaltung und der Verwendung des Start-Stopp-Systems erzielen zu können. Etwa dadurch, dass sich der Motor nun schon bei Geschwindigkeiten unter 19 km/h deaktivieren kann.

Die mehr oder minder rein-elektrische Alternative nennt Nissan "e-POWER". Damit wird das Qashqai quasi zum Elektroauto, dass aber trotzdem mit Benzin statt mit Strom betankt werden muss. Dem verbauten 140 kW (190 PS)-Elektromotor wird nämlich ein 1,5-Liter-Benzinmotor mit 156 PS zur Seite gestellt, der allerdings ausnahmslos in einem Stromgenerator arbeitet. Also als Range-Extender dient und nie die Räder selbst antreibt. Via Kabel laden kann man den e-POWER-Qashqai nicht. Damit will Nissan die Vorzüge des voll-elektrischen Fahrens (one-pedal-driving wie im Leaf ist auch hier möglich) mit der Reichweite und Gewohnheit im Handling eines Verbrenners kombinieren. Der große Vorteil im Vergleich zu klassischen Hybrid-System mit stufenloser Automatik, so wie man es etwa von Toyota kennt, soll zudem sein, dass der Motor nie laut aufheult, auch wenn man stärkere Beschleunigung abfragt. Immerhin kann er durch den reinen Betrieb als Generator stets in seinem optimalen Drehzahlbereich laufen.

Marktstart & Preise

Die dritte Generation des Nissan Qashqai soll im Laufe des Sommers 2021 in den Handel kommen. Genauere Daten hat Nissan noch nicht verraten. Ebensowenig gibt es bereits Preise für den Kompakt-SUV. Man kann allerdings davon ausgehen, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger etwas teurer wird - vermutlich um rund 10 Prozent. Dieser startet in Österreich aktuell bei 29.360,- Euro, in Deutschland bei 27.235,- Euro.

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