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Erstaunliche Erkenntnisse: EV-Benchmark-Studie
ralph-hutter / unsplash

Nun sag, wie hast Du’s mit der Elektromobilität?

Natürlich klingt die Beschreibung eines E-Autos faszinierend, doch die Praxis kann mitunter völlig anders aussehen. Die EV-Benchmark-Studie befasst sich genau mit dieser Thematik und bringt erstaunliche Erkenntnisse.

Roland Scharf

Eine Sache ist unbestritten: E-Autos wurden in den letzten Monaten immer beliebter. Zwar ist es schön, wenn man im Betrieb viel Geld spart und auch CO2-neutral unterwegs sein kann. Aber der Alltag schlägt doch das tapferste Prospekt und so bleibt natürlich die Frage, wie zufrieden Stromfahrer mit ihrem Umstieg auch noch nach Monaten sind. Genau das wollte das auf E-Mobilität spezialisierte Beratungs- und Marktforschungsunternehmen USCALE herausfinden und hat zusammen mit der deutschen E-Auto-Vermietung nextmove 2.800 E-Auto-Fahrer ausführlich zu ihren Fahrzeugen befragt. Wir können vorwegnehmen: Es gehört noch einiges getan – bei der Technik, aber auch beim richtigen Mindset. Die Angst vor zu geringer Reichweite ist da noch nicht einmal die größte Sorge.

Die Richtung stimmt aber, was mehr als nur wichtig ist, denn laut der Studie folgt 2022 ein wichtiges Käufersegment: die Early Majority. Also die erste große Gruppe an Interessenten, deren Ansprüche als höher als die der Early Adopter gelten, da sie nicht das Budget dazu haben, ihre Fahrzeuge als Spielzeug oder Statement sehen zu können, sondern schlicht als Fortbewegungsmittel. Und da werden die Anforderungen an die Hersteller und deren Produkte zwangsläufig steigen.

Laden und Planung.
Weil viele Hersteller ihre E-Modelle aus Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren heraus entwickelt haben, gibt es oftmals Probleme bei spezifischen Anwendungen, die für das elektrische Fahren essenziell sind. Dazu ein paar Beispiele:

Konnektivität:
Connect-Apps werden zu einem zentralen Bedienelement für das Lademanagement, die die Erwartungen an die Funktionalität aber deutlich verfehlen. Knapp 75 Prozent der Elektroauto-Fahrer sind unzufrieden mit den Konzepten zur Ladeplanung. Für die Nutzung von E-Autos sind Fahrzeug-Apps von großer Bedeutung: Hersteller-Navigationssysteme enthalten Ladesäulen als Sonderziele. Funktionen zur Ladeplanung entlang der Route bieten aber nur wenige Systeme.

Immerhin halten aber rund 70 Prozent die Apps für zum Teil deutlich verbesserungsbedürftig. Zudem sehen über 60 Prozent die Unterbringung des Ladekabels im Auto als nicht ideal an. Wer nicht nur öffentlich lädt, benötigt häufigen Zugriff auf das Ladekabel. Ein Stauraum unter dem Ladeboden ist hierfür ungeeignet. Knapp zwei Drittel berichten, dass sie zumindest gelegentlich Probleme beim Laden haben. In den meisten Fällen konnte der Ladevorgang nicht gestartet werden.

Ernüchterung bewirkt wenig Mundpropaganda
Wie sehr Kunden mit ihren Autos zufrieden sind, lässt sich vor allem an der Weiterempfehlung im Freundeskreis ablesen. Die Weiterempfehlungsquote steigt zwar gegenüber dem letzten Jahr leicht an, trotzdem würden nur 47 Prozent einem Freund ihr aktuelles E-Modell empfehlen.

Die Unterschiede sind allerdings hoch: 81 Prozent der Tesla-Besitzer empfehlen ihr Auto weiter, nur drei raten ab. Bei Nissan empfehlen nur 19 Prozent ihr Auto, 53 raten dafür ab. Im Mittelfeld landeten Škoda, VW und Audi sowie Kia und Hyundai. Neben Nissan landen ebenso Mazda, Smart und die Stellantis-Gruppe auf den hinteren Plätzen.

Handlungsbedarf: Die Top-5
Bricht man die ganzen Probleme und Problemchen auf die wichtigsten Punkte herunter, die sich im Laufe der Nutzung heraus kristallisieren, gibt es bei den Marken zwar diverse Unterschiede, diese fünf Punkte gelten aber generell als kleine Wunschliste der Kundschaft.

  • Reichweite und Ladeleistung
  • e-spezifische Bedienelemente
  • Connectivity und Software
  • allgemeine Fahrzeugqualität
  • Ausstattung und Modellvielfalt

 

Ärgernisse beim Fahren:

Rekuperation
Die nur beim E-Mobil mögliche Funktion des Ein-Pedal-Fahrens ist weit weniger beliebt als gedacht. Nur rund die Hälfte der Befragten nutzt diese Funktion und nur ein geringer Bruchteil verwendet die schwächste Rekuperationseinstellung für den Segelbetrieb.

Lautstärke
Ohne lärmenden Verbrennungsmotor fallen die anderen Geräusche scheinbar negativer auf als sonst. So meinen 90 Prozent der Befragten, dass bei 50 km/h alles angenehm ruhig bleibt. Bei 100 km/h sind nur mehr 40 Prozent dieser Meinung.

Markenabhängige Störquellen
Interessant ist, wie unterschiedlich diese Geräusche empfunden werden. Generell beschweren sich Tesla-Fahrer am meisten sowohl über Abroll- als auch über Windgeräusche. Da sind etwa Fahrer von Renault und Smart toleranter, was den Reifenlärm angeht. Und jene von Kia und Hyundai, was die Windgeräusche betrifft.

Verpflichtende Störgeräusche
Seit Juli 2021 sind Fahrgeräusche bei Elektroautos verpflichtend. Diese AVAS gelten aber nur selten als gern gehört. Dabei ist das unangenehme Geräusch ja sogar der erwünschte Effekt, um Fußgänger vor einem herannahenden Auto zu warnen. Für manche Befragten hört es sich aber eher wie eine Müllabfuhr an. Andere empfinden es schlicht als grauenvoll.

Ehrliche Angaben.
Wie weit kann man noch fahren? Eine Frage, die die große Mehrheit der Interviewten beschäftigt. So wünschen sich 73 Prozent, dass die Restreichweite, aber auch der verbleibende Akkustand in Prozent im Display angezeigt werden und nicht nur einer
der beiden Werte. Das ist nur bei wenigen Autos möglich.

Mangelnde Beratungsqualität
Viele der Beschwerden sind unserer Erfahrung aber auch darauf zurückzuführen, dass die Beratung im Handel und vor allem bei der Fahrzeugübergabe noch viel zu wenig auf Elektro-Spezifika eingeht. Das beginnt bei der grundsätzlichen Bedienung des Fahrzeuges und endet bei der Erklärung des Ladevorganges und warum es etwa keinen Sinn hat, am Schnelllader bis zu 100 Prozent zu laden.

Fazit

Bleibt natürlich die abschließende Frage, warum dermaßen viele E-Auto-Fahrer sich über eigentlich sehr wenige Probleme ärgern. Laut USCALE liegt das vor allem an der Entwicklungspolitik der Hersteller. Zwar wird viel in neue Plattformen investiert, um dennoch kostengünstig zu arbeiten, werden die Komponenten in zahlreichen Modellen verwendet. Und mit dieser Verblockung wandern die Fehlerquellen natürlich auch durch alle Modellreihen – und mit ihnen Beanstandungen und mangelnde Kundenzufriedenheit.

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