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Reise in die Zukunft

Der neue Renault Scénic soll 2024 auf den Markt rollen. Mit der Studie Scénic Vision gibt Renault einen Ausblick auf sein künftiges rein elektrisches Familienfahrzeug und auf die Zukunft der nachhaltigen Mobilität. Wir konnten bei der Vorstellung in Paris bereits einen Blick auf und in das Fahrzeug werfen.

Solveig Grewe / mid

Wenn Automobildesigner träumen, ist alles möglich. Schade eigentlich, dass nicht alle Ideen für den Scénic Vision ihren Weg in die Serie finden werden. Aber das ist nun einmal bei Concept Cars so. Völlig in Ordnung und realitätsnah sind die Maße, die man dem Scénic Vision verpasst hat. Mit einer Länge von 4,49 Meter, einer Breite von 1,90 Meter und einer Höhe vom 1,59 Meter passt er maßgeschneidert in die Kompaktklasse.

Zukunftsweisend ist die Antriebstechnik des Scénic Vision. Die Studie verfügt über einen Hybridantrieb, bestehend aus einem fremderregten Synchronmotor mit 160 kW/218 PS, einer kompakten Batterie mit 40 kWh Kapazität und einer Brennstoffzelle mit 16 kW/22 PS, die mit grünem Wasserstoff betrieben wird und Energie zum Laden des Akkus liefert.

Der große Vorteil der Elektro-Wasserstoff-Hybridtechnologie ist freilich die deutlich kürzere Tankzeit im Gegensatz zum Laden einer aus E-Autos bekannten, "großen" Batterie. Ein Tankstopp an einer Wasserstoffstation lässt sich in fünf Minuten absolvieren. Gerade auf längeren Strecken ein echtes Plus ... wenn zufällig eine Wasserstofftankstelle auf dem Weg liegt. Aber das ist ein anderes Thema.

Der Wasserstofftank im Auto bedeutet nämlich nicht, dass man die Akkus nicht auch extern, direkt mit Strom versorgen könnte. Das geht nämlich sehr wohl. Mehr noch: Bei alltäglichen Fahrten funktioniert der Scénic Vision wie ein herkömmliches Elektrofahrzeug und nutzt die Brennstoffzelle nicht. Zudem verfügt die Studie über die technischen Voraussetzungen für das bidirektionales Laden und kann mit der Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) Strom ins Netz zurückspeisen. Das Serienauto könnte diese Fähigkeit auch erben, wird aber aller Voraussicht nach "nur" auf Akkus setzen - zumindest zum Marktstart.

Unter ökologischen Gesichtspunkten außerdem sehr löblich: 95 Prozent der Materialien, aus denen das Fahrzeug einschließlich der Batterie besteht, lassen sich im Rahmen des industriellen Wertstoffkreislaufs wiederverwerten. Zudem wurden alle Stahlteile der Studie mit kohlenstoffarmen Prozessen hergestellt, die Rohkarosserie besteht zu 95 Prozent aus Recyclingstählen.

Ein langer Radstand und langgezogene Fensterflächen lassen schon von außen das gute Platzangebot im Inneren erahnen. Allerdings finden in der Studie nur vier Personen Platz. Das scheint etwas wenig für ein Familienauto. Um größtmögliche Einstiegsfreundlichkeit für Fahrer und Passagiere zu realisieren, haben die Franzosen das Concept Car ohne B-Säule und mit gegenläufigen Türen konzipiert. Mal sehen, was davon bleibt.

Der Innenraumboden besteht ausschließlich aus den Rezyklaten von Milchflaschen und Kunststoffrohren. Insgesamt beträgt die Kunststoff-Recyclingquote im Scénic Vision 70 Prozent. Auch bei den Carbonfasern in der Studie handelt es sich ausnahmslos um Rezyklate, beispielsweise aus Abfallprodukten der Luftfahrt- und Papierindustrie.

Bei einem Blick ins Innere fällt das Display am Übergang von Instrumententräger und Windschutzscheibe ins Sichtfeld. Es zeigt die unmittelbare Umgebung vor dem Fahrzeug. Eine spezielle Kameraanordnung an der Fahrzeugfront vergrößert dabei das Sichtfeld des Fahrers und sorgt für den Eindruck einer um 24 Prozent größeren Windschutzscheibe. Da kann man eigentlich kaum noch etwas übersehen.

Ohnehin stand im Sinne einer nachhaltigen Mobilität beim Scénic Vision auch die Unfallvermeidung im Fokus der Entwickler. Renault will die Zahl der Unfälle um 70 Prozent verringern. Der Weg dorthin soll über die Analyse des Fahrers und seiner Fahrgewohnheiten wie Beschleunigung, Gleichmäßigkeit oder Aufmerksamkeit führen. Am Ende jeder Fahrt werden individuelle Fahrtipps und Hinweise zu den Risiken gegeben, die mit der jeweiligen Fahrweise verbunden sind. Belohnungen sollen den Fahrer animieren, sein Verhalten im Straßenverkehr entsprechend anzupassen.

Außerdem wird der Fahrer anhand von Umgebungsdaten, Informationen aus dem Navigationssystem und fortlaufend aktualisierten Daten von anderen Verkehrsteilnehmern über potenzielle Gefahrenstellen auf seinem Weg gewarnt, was eine vorausschauende Fahrt ermöglicht. Schwächelt der Fahrer oder wird gar bewusstlos, wird das Fahrzeug gegebenenfalls verlangsamt. Auf Basis von Kamerainformationen und Daten eines Herzfrequenzsensors im Lenkrad erkennt es Anzeichen von Müdigkeit und sendet Warnsignale an Fahrer und Passagiere.

Jeder Platz ist zudem mit Mikrofonen und Lautsprechern ausgestattet, was die Kommunikation zwischen Fahrer und Passagieren verbessern soll. Um sich über die Sitzreihen hinweg mit ihren Mitreisenden zu unterhalten, müssen sie nicht mehr den Kopf drehen oder sich umwenden. Eine Kamera überträgt die Bilder der Passagiere auf den Rücksitzen auf einen überdimensionalen Bildschirm. Ganz großes Kino im Renault Scénic der Zukunft also.

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