Formel 1

Inhalt

Formel 1-Testfahrten Barcelona/Testwoche 3

Letztendlich bleibt vieles, wie es war…

Auch die letzte Testwoche brachte wenig bis gar keine Erkenntnisse anhand von Rundenzeiten – interessant waren die Upgrades, die zum Einsatz kamen…

Michael Noir Trawniczek

Am Sonntag endete die dritte und letzte Woche der Wintertestfahrten – und auch diesmal sagen die kombinierten Rundenzeiten aus den vier Testtagen wenig bis gar nichts aus. Fast alle Experten räumen den Rundenzeiten so gut wie keine Bedeutung zu.

Was auch daran liegt, dass angesichts von verschiedenen Tankfüllungen über Reifenmischungen und das Verwenden von KERS und DRS, das Absolvieren von Long- und Shortruns Unterschiede von bis zu sieben Sekunden pro Runde auftreten. Dann also Unterschiede von Zehntelsekunden für eine seriöse Analyse heranzuziehen, erscheint den meisten geradezu absurd…

RBR trotz Problemen Topfavorit

So sehen die meisten Experten und auch die Protagonisten im Formel 1-Fahrerlager abermals Red Bull Racing als Messlatte.

Daran haben auch jene Probleme nichts geändert, die Sebastian Vettel und Mark Webber mit der neuen Aerodynamik-Konfiguration plagten. Das Upgrade beinhaltet eine neue Auspuffposition und einen Luftschacht in den Seitenkästen, der die Auspuffgase zusätzlich in Richtung des Diffusers beschleunigt.

Insgesamt konnten Vettel und Webber mit dem modifizierten RB8 lediglich 93 Runden abspulen - Webber drehte am Samstag 70 Runden, Vettel konnte am Sonntag gar nur 23 Runden absolvieren, deshalb landete er in der Zeitenliste der dritten Testwoche nur auf dem 20. und letzten Platz…

Die gewöhnlich gut informierten Kollegen von Auto, Motor und Sport berichten, dass die RB8-Upgrades noch nicht so arbeiten würden, wie man es erwartet hatte und die neue Position des Auspuffs Sorgen bereite. Ein ehemaliger Ingenieur wird zitiert: „Weiße Flecken auf dem Kanal hinter dem Endrohr zeigen, dass die Gase vielleicht nicht dorthin strömen, wohin sie die Red Bull-Techniker haben wollen.“

Allerdings könnte RBR in Melbourne beide Varianten im Gepäck haben, schließlich war der RB8 auch vor dem Upgrade bereits schnell.

Ist Lotus wirklich ein Geheimtipp?

Wenig beeindrucken konnte die Experten offenbar der neue Lotus E20, der zuvor eine Woche lang wegen eines Problems am Chassis respektive der Befestigung der Vorderradaufhängung eine Zwangspause einlegen musste.

Auch dass Romain Grosjean gleich am ersten Testtag mit der überarbeiteten Version des Boliden die schnellste Zeit fahren konnte, hinterließ ebenso wenig Eindruck wie die Bestzeit von Kimi Räikkönen am Schlusstag, selbst wenn es sich dabei um die schnellste Rundenzeit der gesamten Testwoche handelte.

Freilich brannte Grosjean seine Bestzeit am ersten Testtag mit wenig Sprit und weichen Reifen in den spanischen Asphalt, freilich war auch Räikkönen am Schlusstag mit weichen Pneus unterwegs – doch am Sonntagnachmittag, an dem die meisten Teams eine Rennsimulation absolvierten, lag Räikkönen im Schnitt nicht mehr als zwei Zehntelsekunden hinter dem McLaren von Lewis Hamilton, der auf einer vergleichbaren Rennsimulation unterwegs war.

McLaren die klare Nummer zwei

Und McLaren steht bei den meisten Beobachtern gleich hinter Red Bull Racing auf der Liste. Das britische Team hat wie RBR umfangreiche Modifikationen am MP4-27 vorgenommen.

Dass McLaren auf einen Höcker in der Nase verzichtet, würde er weniger dramatisch sehen, als es allgemein dargestellt werde, erklärte Alex Wurz in einem Gespräch mit motorline.cc.

Die Konzepte würden sich nicht so dramatisch unterscheiden – der modifizierte MP4-27 hatte jedoch keinen Splitter mehr unter der Nase, dafür wurden zwei Luftleitbleche an den Außenseiten des Monocoques angebracht, so wird mehr Luft unter der Nase in Richtung Diffuser weitergeleitet, dafür gibt es an der Front etwas weniger Abtrieb.

Für die Kollegen von AMS war dies sogar ein Hinweis darauf, dass McLaren wie auch das Mercedes-Werksteam einen neuen passiven F-Schacht im Frontflügel einsetzt oder zumindest in diese Richtung hin experimentiert. Ein Loch in der Nase wurde gesichtet, doch dieses blieb zunächst zugeklebt.

Mercedes näher dran, aber noch nicht siegfähig

Das Mercedes-Team gab sich diesbezüglich während der gesamten Wintertestfahrten zugeknöpft – sobald der W03 an die Boxen kam, wurden sowohl Front als auch Heck umgehend von Mechanikern zugedeckt.

Schon im Herbst hat Mercedes mit einem passiven F-Schacht, genannt W-Schacht, an der Front experimentiert, in wie weit das System tatsächlich zum Einsatz kam und kommen wird, bleibt wohl ein Geheimnis.

Auch wenn Michael Schumacher und Nico Rosberg in der Gesamttabelle der dritten Testwoche nur am hinteren Ende zu finden sind, ist das Team optimistisch, eine weitaus bessere Basis als im Vorjahr zu haben.

Allzu hohe Erwartungen möchte man aber nicht schüren, weshalb Schumacher am Ende der Testwoche erklärte, dass man noch nicht in der Lage sei, ein Rennen zu gewinnen. Viele sehen jedoch Mercedes als klare dritte Kraft hinter RBR und McLaren.

Ferrari in der Krise

Alex Wurz sieht Ferrari mit Mercedes gleichauf an dritter Stelle. Das ist aber bereits eine für die Italiener recht optimistische Einschätzung.

Auch wenn Fernando Alonso am letzten Testtag die zweitschnellste Runde hinter Räikkönen und die fünftschnellste Zeit der gesamten Testwoche markieren konnte – denn diese Zeit wurde im Rahmen einer Qualifying-Simulation errungen.

In Wahrheit hat die Scuderia immer noch Probleme, den neuen F2012 zu verstehen. Die Krise geht so weit, dass man derzeit sogar mit aller Kraft auf die Erwartungsbremse steigen und vorerst einmal Podiumsplätze ausschließen muss.

Angesichts der Ferrari-Krise kann also durchaus gesagt werden, dass anhand der Testfahrten die Schlussfolgerung naheliegt, dass nur Red Bull Racing und McLaren in der Lage sein werden, um den Sieg zu kämpfen, zumindest beim ersten Grand Prix in Australien.

Offen bleibt, in wie weit Lotus für Überraschungen gut ist. Kimi Räikkönen jedenfalls scheint keine Probleme mit seiner Rückkehr respektive seiner Pause zu haben, mit dem „Iceman“ ist zu rechnen…

Hinter RBR, McLaren, Mercedes, Ferrari und Lotus folgt ein Mittelfeld, das noch schwerer einzuschätzen ist.

Caterham als möglicher Aufsteiger

Auffällig war die deutliche Verbesserung des Caterham-Teams (vormals Team Lotus). Während die anderen beiden früheren „neuen“ Teams HRT und Marrussia es nicht zu Wege brachten, rechtzeitig zu den Tests ihre neuen Autos auf die Räder zu stellen, konnte Caterham äußerst hoffnungserweckende Rundenzeiten markieren. Wenn also einem der drei „Ex-Neuen“ der Sprung ins Mittelfeld gelingen sollte, dann nur Caterham.

Zugleich sorgt das britische Traditionsteam Williams für Fragezeichen – Pessimisten befürchten, dass Williams noch weiter abrutschen und künftig mit Caterham einen neuen direkten Konkurrenten vorfinden könnte.

Ganz sicher am Ende des Feldes werden HRT und Marrussia liegen. Diese vier Autos sind quasi fix programmiert, bereits im ersten Qualifyingteil auszuscheiden.

Die weiteren drei Q1-Aussteigerplätze könnten dann also zwischen Caterham und Williams ausgefochten werden.

Für das Mittelfeld bleiben dann noch Force India, Toro Rosso und Sauber.


Testzeiten Woche 3

Pos  Fahrer         Team            Zeit   Runden
 1.  Räikkönen      Lotus           1:22.030  164
 2.  Perez          Sauber          1:22.094  232
 3.  Button         McLaren         1:22.103  108
 4.  Ricciardo      Toro Rosso      1:22.155  231
 5.  Alonso         Ferrari         1:22.250  240
 6.  Senna          Williams        1:22.296  212
 7.  Hülkenberg     Force India     1:22.312  134
 8.  Kobayashi      Sauber          1:22.386  149
 9.  Massa          Ferrari         1:22.413  227
10.  Hamilton       McLaren         1:22.430  180
11.  Di Resta       Force India     1:22.446  206
12.  Grosjean       Lotus           1:22.614  197
13.  Kovalainen     Caterham        1:22.630  168
14.  Webber         RBR             1:22.662  172
15.  Petrov         Caterham        1:22.795  224
16.  Rosberg        Mercedes        1:22.932  257
17.  Schumacher     Mercedes        1:22.939  179
18.  Vergne         Toro Rosso      1:23.126  144
19.  Maldonado      Williams        1:23.347  126
20.  Vettel         RBR             1:23.361  108

            
Drucken
Lotus kehrt zurück Lotus kehrt zurück Tag 4 Tag 4

Ähnliche Themen:

03.03.2012
F1 Tests Barcelona

Bestzeit für Sauber-Pilot Sergio Perez – doch im Fokus stand der rundum erneuerte RB8, mit dem Mark Webber erstmals auf die Strecke gesandt wurde…

02.03.2012
F1 Tests Barcelona

Romain Grosjean war auch am zweiten Testtag der dritten und letzten Woche am schnellsten unterwegs, dahinter Vergne (STR) und Vettel (RBR).

13.02.2012
F1 Tests Jerez

Die erste Testwoche 2012 bietet wenige Erkenntnisse. Lotus dürfte mit dem E20 ein guter Wurf gelungen sein, der Rest ist nur schwer zu interpretieren.

Formel 1-Testfahrten Barcelona/Testwoche 3

Doppelherz Mit Hybrid: Audi A8 L 60 TFSI e quattro

Der neue Audi A8 L 60 TFSI e quattro Plug-in-Hybrid schafft standesgemäße Fahrleistungen und eine rein elektrische Reichweite von 46 Kilometern.

Im Winterschlaf ADAC-Ratgeber: Oldtimer richtig einwintern

So kommt der Oldtimer gut durch die kalte Jahreszeit: Wir geben Tipps für die richtige Winterpflege von klassischen und historischen Fahrzeugen.

Schnelle Truppe Kawasaki Ninja H2, H2 Carbon und H2R

Kawasaki-Händler nehmen wieder Bestellungen für die Rennmaschine Ninja H2R sowie die Straßenversionen Ninja H2 Carbon und Ninja H2 entgegen.

Abenteuer Albanien Karoq Scout in Albanien: Skoda EuroTrek

Mit dem Skoda Karoq Scout unternehmen wir eine Tour durch Albanien. EuroTrek - eines der letzten großen Offroad-Abenteuer in Europa.