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Rauswurf: Bernie Ecclestone muss gehen

Der 86jährige Brite bestätigt seine Entlassung als Geschäftsführer der Formel-1-WM; Chase Carey von Liberty Media wird übernehmen.

Bernie Ecclestone scheidet mit sofortiger Wirkung aus seiner Funktion als Geschäftsführer der Formula One Group aus, womit er auch seine Position als De-facto-Chef der Formel-1-WM verliert. Im Gespräch mit auto motor und sport erklärte der 86jährige Brite: "Ich wurde heute abgesetzt. Bin einfach weg. Das ist offiziell. Ich führe die Firma nicht mehr. Meine Position wurde von Chase Carey übernommen."

Aus dem Amt gedrängt wurde er vom designierten neuen Mehrheitseigner Liberty Media, dem eben jener Chase Carey als Vorstandschef und nun vorerst auch als Geschäftsführer des Formel-1-Bereichs vorsteht. Laut der BBC warten zwei Wunschkandidaten schon in den Kulissen, um die Lücke zu füllen: Sean Bratches und Ross Brawn. Ecclestone wurde ein anderer Posten angeboten: "Meine neue Position ist jetzt so ein US-amerikanischer Ausdruck, eine Art Ehrenpräsident. Ich führe diesen Titel ohne zu wissen, was er bedeutet."

Obwohl der langjährige Formel-1-Zampano noch im vergangenen September davon gesprochen hatte, seinen Vertrag um drei Jahre verlängern zu wollen, hatten der neue Machthaber Chase Carey und der US-Medienkonzern offenbar genug von Ecclestone. Spannungen deuteten sich schon bei den ersten Besuchen der Liberty-Vertreter an den Rennstrecken an. "Diktatur kann es nicht geben, selbst wenn man sich hier mittlerweile daran gewöhnt hat", fand Carey bereits vor einigen Wochen sehr deutliche Worte.

Der durch ein Geflecht US-amerikanischer Großkonzerne reich gewordene Carey, der sich mit der Vermarktung diverser Mannschaftssportarten beim US-Fernsehsender Fox Sports profilieren konnte, passt so gar nicht zum bisweilen zwielichtigen Ex-Gebrauchtwagenhändler Ecclestone. Obwohl dessen Verbindungen und Qualitäten als Strippenzieher für Liberty zweifellos Gold wert gewesen wären, trennt sich das Unternehmen bereits kurz vor Übernahme der Rennserie von ihm.

Neuer starker Mann könnte der US-Amerikaner Sean Bratches werden, der früher für Sportsendernetzwerk ESPN gearbeitet und sich auch als Vermarkter einen Namen gemacht hat. Er soll in kommerziellen Angelegenheiten das Ruder übernehmen, sich um Sponsoren kümmern und die millionenschweren Rechteverträge mit den Fernsehsendern aushandeln. Wenn es um Kontakte zu den Teams, um das sportliche sowie das technische Reglement geht, soll angeblich der bisherige Liberty-Berater Ross Brawn, früher unter anderem Technikchef bei Ferrari sowie Rennleiter von Mercedes, die neue Instanz werden.

Was mit Ecclestones Minderheitsanteilen an der Formel-1-WM geschieht, ist offen. Mit 5,3 Prozent in persönlichem Besitz und 8,5 Prozent, die ihm über den selbstgegründeten Bambino Trust gehören, bleibt er der Rennserie zumindest vorläufig als stiller Teilhaber erhalten. Ob er seinen Platz im Motorsportweltrat behält, liegt nach eigener Aussage in den Händen von FIA-Präsident Jean Todt. Ecclestone zweifelt selbst daran, trotzt seinem Rauswurf aber: "Meine Tage im Büro werden jetzt etwas ruhiger. Vielleicht komme ich auch mal zu einem Grand Prix – und ich habe noch genug Geld, um mir den Besuch bei einem Rennen leisten zu können."

Ecclestone war in den 50er Jahren selbst (erfolgloser) Rennfahrer und für zwei Grands Prix gemeldet. Gleichzeitig verdiente er mit Immobilien sowie Krediten Geld und versuchte sich als Besitzer und Rennleiter des Connaught-Teams, schaffte seinen Durchbruch aber erst als Jochen Rindts Manager. Anschließend kaufte er den Brabham-Rennstall und führte Nelson Piquet als Teamchef zu zwei WM-Titeln. Im Rahmen des FISA-FOCA-Kriegs übernahm er ab Ende der 70er Jahre zunehmend die Macht und verdiente mit Fernsehrechten, Sponsorenverträgen und Rennstreckengebühren ein Vermögen.

Dabei überlebte Ecclestone, dessen Vermögen auf rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt wird, diverse Skandale: im vergangenen Jahrzehnt einen Konflikt mit den Autoherstellern, der bis zur Drohung der Gründung einer "Piratenserie" ging; kontroverse frauenfeindliche und faschismusfreundliche Aussagen in den Medien; zuletzt ein Korruptionsprozess in München, der erst durch Zahlung von 100 Millionen US-Dollar eingestellt wurde.

Update: Mittlerweile hat Liberty Media eine Dreifachspitze in Stellung gebracht: Neben Chase Carey wurde der Brite Ross Brawn als für motorsportliche Belange zuständiger Geschäftsführer bestellt, als Geschäftsführer für kommerzielle Angelegenheiten wird der US-Amerikaner Sean Bratches agieren.

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