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Formel-1-Test: Barcelona II

Leclerc mit Bestzeit, Gasly verunfallt

Während Ferrari eine neue Bestmarke setzt und Gasly seinen RB15 in die Mauer wirft, beschränkt sich Mercedes auf Rennsimulationen.

Am siebenten Tag der Wintertestfahrten in Barcelona hat Charles Leclerc im Ferrari SF90 die bisher beste Rundenzeit erzielt. Auf der weichsten Reifenmischung umrundete er den Grand-Prix-Kurs in 1:16,231 und distanzierte die Konkurrenten damit deutlich. Beste Verfolger waren zwei Rookies: Alexander Albon im Toro Rosso STR14 kam mit einem Rückstand von 0,651 Sekunden auf Rang zwei, Platz drei ging an Lando Norris im McLaren MCL34, zwei weitere Zehntel dahinter.

Mercedes beteiligte sich auch am Donnerstag nicht an der Zeitenjagd, sondern war hauptsächlich mit Rennsimulationen beschäftigt. Dabei bewegte man sich durchaus auf Augenhöhe mit Ferrari, doch Valtteri Bottas meinte: "Mein Gefühl sagt mir, dass Ferrari vor uns liegt." Lewis Hamilton beschloss den Testtag im W10 mit C2-Reifen 1,8 Sekunden hinter der Bestzeit auf Position zehn, Bottas wurde letzter der 13 Piloten.

Der vorletzte Testtag wurde insgesamt drei Mal von roten Flaggen unterbrochen, zum ersten Mal gegen 15:15 Uhr infolge des Unfalls von Pierre Gasly. Der Franzose schlug in Kurve neun heftig in die Streckenbegrenzung ein, blieb dabei zum Glück jedoch unverletzt. Sein RB15-Honda kehrte an diesem Tag nicht mehr auf die Strecke zurück, weil sowohl Front- und Heckflügel als auch weitere Teile abgerissen wurden. Das Fahrzeug wird über Nacht repariert, der letzte Testtag für RB Racing ist offenbar nicht in Gefahr.

Gasly selbst gab sich anschließend zerknirscht: "Ich habe in Kurve neun einen Fehler gemacht. Das hat man ja gesehen. Tut mir leid für die Burschen, die jetzt eine lange Nacht vor sich haben." Für Gasly war es die letzte Testmöglichkeit vor dem Saisonauftakt in Melbourne, der Unfall somit seine letzte Aktion dieses Winters.

Gegen 16:50 Uhr sorgte Lance Stroll im RP19 von Racing-Point für die nächste Unterbrechung, nachdem er im Mittelsektor ausgerollt war. Charles Leclerc im Ferrari SF90 kam um 17:40 Uhr fast an der selben Stelle des Circuit de Catalunya zum Stehen, was erneut rote Flaggen zur Folge hatte. Die Ursachen für diese beiden Pannen sind unbekannt.

Technische Probleme gab es jedenfalls auch bei Haas: Der VF-19 verbrachte den Großteil des Tages in der Garage, weil ein Defekt an der Auspuffanlage diagnostiziert worden war. Erst gegen Ende griff Romain Grosjean mit einem sehr verkürzten Programm noch einmal ins Geschehen ein. Mit insgesamt 69 Runden schaffte Haas am vorletzten Testtag immerhin eine komplette Renndistanz; nur Red Bull Racing kam aufgrund des Gasly-Unfalls auf noch weniger Kilometer.

Die größte Distanz spulte am Donnerstag George Russell für Williams ab, doch selbst mit den weichsten Reifen reichte es für ihn nur für eine 1:18,13 und Platz elf in der Tageswertung. Er fand anschließend deutliche Worte: "Ich würde lügen, wenn ich sagte, wir sind nicht die langsamsten. Das ist die Wahrheit." Sein Teamkollege Robert Kubica hatte schon am Vortag angedeutet, die Fans könnten auch heuer von Williams´ Form enttäuscht sein.

Bei Ferrari hingegen frohlockt man: Kein Auto ist über eine fliegende Runde dazu in der Lage, dem SF90 die Stirn zu bieten, wobei nach wie vor noch keine vergleichbaren Mercedes-Versuche vorliegen, doch Leclerc gibt sich nach 642 Kilometern gänzlich ungerührt: "Wir sind als Team noch nicht am Anschlag, haben noch Luft nach oben. Das Auto fühlt sich gut an, und es sieht für den Moment gut aus."

Gut erschienen die Aussichten am frühen Nachmittag auch für den ersten echten Vergleich zwischen den drei Siegerteams – Bottas, Gasly und Leclerc legten fast zeitgleich eine Rennsimulation hin. Der Unfall des Franzosen, den dieser als den heftigsten seiner Karriere bezeichnete, beendete aber alle drei Versuche. Bottas hat dennoch den Eindruck bekommen, dass auch RB Racing gut in Form sei und wähnte das Team auf Augenhöhe.

Ein wenig ins Stocken geraten ist hingegen die Leistung von Alfa Romeo vulgo Sauber: Antonio Giovinazzi brachte nur 330 Kilometer zustande und kam noch hinter beiden Renault-Piloten sowie Stroll auf Position acht, gute 1,4 Sekunden hinter der Spitze. Aus der Box wurden diverse Probleme gemeldet, Näheres lag jedoch nicht vor. Dafür lief es bei Racing Point besser: Stroll schaffte mit 103 Runden die bisher größte Tagesdistanz für den Rennstall.

Barcelona-Testfahrten, Donnerstag

 1. C. Leclerc     Ferrari       1:16,231
2. A. Albon Toro Rosso + 0,651
3. L. Norris McLaren + 0,853
4. P. Gasly RB Racing + 0,860
5. D. Ricciardo Renault + 0,973
6. N. Hülkenberg Renault + 1,265
7. L. Stroll Racing Point + 1,325
8. A. Giovinazzi Alfa/Sauber + 1,408
9. R. Grosjean Haas + 1,623
10. L. Hamilton Mercedes + 1,866
11. G. Russell Williams + 1,899
12. K. Magnussen Haas + 1,968
13. V. Bottas Mercedes + 2,631

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