Formel 1

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Die Tops & Flops aus Sepang!

Teil 1 der Rennanalyse: Von den silbernen Rennfüchsen bei McLaren-Mercedes bis zum halblustigen Fahrerkindergarten bei BAR-Honda...

Michael Noir Trawniczek

Eigentlich unfassbar – McLaren-Mercedes hat jetzt eine Doppelführung in der Fahrer-WM – Kimi Raikkonen mit 16, David Coulthard mit 10 Punkten – und die Führung in der Konstrukteurs-WM. Nur ausgesprochene Silberpfeil-Fans hätten auf einen solchen WM-Stand nach dem zweiten Saisonrennen gesetzt...

Man kann es drehen und wenden wie man will - neues Reglement, Wetterkapriolen in Melbourne, Kollision Michael Schumacher – Jarno Trulli in Sepang - hin oder her – McLaren-Mercedes hat nicht durch Zufall diese Positionen in den WM-Ständen geschenkt bekommen, sondern vielmehr bewährte sich das gesamte Team in zwei schwierigen und für alle Beteiligten mit zahlreichen Unbekannten und Unsicherheitsfaktoren vollgestopften Rennen – die silbernen Rennfüchse an der Kommandozentrale bewahrten kühlen Kopf, die beiden Piloten ließen sich bei ihren Siegen nicht aus der Fassung bringen.

Auch wenn man im 1. Qualifying von Sepang gesehen hat, dass Ferrari vom Grundspeed her immer noch absolut top zu sein scheint – diesen Grundspeed muss man dann auch umsetzen – und dies hat, zumindest in Melbourne und in Sepang, McLaren-Mercedes am besten bewältigt. Mit dem Interimswagen...

Einziger Wermutstropfen: Die doch recht deftige Kritik von David Coulthard an seinem Team wegen seines Ausfalls in Runde 3. Der Mann leidet scheinbar ein wenig unter Zugzwang – kein Wunder, hat er doch mit Kimi Raikkonen den neuen Shooting-Star der Formel 1 an seiner Seite...

Dass ihn Bernie Ecclestone dazu überredete, in den ersten Rennen absichtlich ein paar Fehler „einzubauen“ - damit die Königsklasse wieder interessant werde - kann man getrost ausschließen. Scheinbar steht der fünffache Weltmeister Michael Schumacher doch ziemlich unter Druck. In Melbourne räuberte er über die Randsteine und beschädigte sein Chassis, in Sepang rammte er den Renault von Jarno Trulli von der Strecke. Sein an sich großes Können bewies Schumi, indem er in beiden Rennen noch WM-Punkte an Land ziehen konnte.

Ferrari fährt ebenfalls noch mit dem Interimsmodell, und man ist immer noch sehr schnell unterwegs. Schumi hat es sich selbst zuzuschreiben, dass er nun punktegleich mit Rubens Barrichello auf Platz 6 bzw. 7 (Rubinho) der Fahrer-WM liegt. Barrichello wiederum zeigte in Sepang Klasse.

Ausreden gibt es keine – Schumi gab seine Schuld auch zu. Und die neuen Regeln sind für alle gleich. Nun zu glauben, dass Michael Schumacher kein Top-Kandidat mehr für den Titel ist, wäre schlichtweg töricht...

Am Samstag konnte man noch sagen – die beiden Renault-Piloten Fernando Alonso und Jarno Trulli stehen lediglich wegen ihrer leichten Boliden in der ersten Startreihe. Wobei es auch allen anderen Teams möglich gewesen wäre, ihre Strategie auf einen kurzen ersten Stint einzustellen (was überdies noch groß in Mode kommen könnte). Und zudem muss man auch mit einem leichten Auto seine einzige schnelle Runde perfekt absolvieren, denn hier ging es ja um Zehntelsekunden. Großes Kompliment also an die beiden Renault-Cracks...

Was Renault dann jedoch am Sonntag gezeigt hat, geht weit über ein sogenanntes Zufallsprodukt hinaus. Die Franzosen sind die Aufsteiger der Gegenwart und möglicherweise bald schon die Weltmeister der Zukunft. Renault hat oft genug bewiesen, dass man, noch dazu, zumindest motorisch, ohne den derzeit gerne gegangenen Weg des simplen Kopierens zu begehen, in der Lage ist, selbst zu einem Maßstab für die Anderen zu werden.

Renault zeigt Mut zum Risiko, motorisch und strategisch – das wird auch heute noch hin und wieder vom Leben belohnt...

Dass Ralf Schumacher über ausreichend Erfahrung und Stehvermögen besitzt, um in einem turbulenten Grand Prix einen vierten Platz zu erringen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie schlecht es derzeit um die Weiß-Blauen steht. Vom BMW-Motor her wahrscheinlich eines der stärksten Teams überhaupt, muss man sich mit der billigen Ferrari-Kopie FW25 herumschlagen und darf darauf hoffen, irgendwann noch etwas brauchbares aus dem missratenen Konzept hervorzukitzeln.

Unser Gerhard Berger wäre vielleicht nicht als Motorsportdirektor zurückgetreten, hätte BMW einen Alleingang bzw. den Bau eines eigenen Chassis riskiert. Dass Ralf Schumacher nicht über Nacht das Fahren verlernt hat, hat er am Sonntag ja recht gut bewiesen. Trotzdem deutet seine Schmach eines 17. Startplatzes darauf hin, dass der Deutsche weitaus mehr Probleme mit dem bockigen Fahrzeug zu haben scheint als Juan Pablo Montoya (ein Zeichen dafür, dass man bei Williams nicht mehr auf Ralf hört?). Aber selbst Montoya, der als Könner anerkannt ist, kann nicht zaubern. Man darf gespannt sein, wie es bei dem deutsch-britischen Team weitergehen wird...

So sehr der Teamboss David Richards auch als alter Rennfuchs anerkannt sein möge, BAR zeigte in beiden Rennen eine immer noch mangelhafte technische Infrastruktur. Das leidige und viel diskutierte Funkproblem von Melbourne beiseite – dass Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve schon vor dem Start durch sein eigenes Team eliminiert wurde – so etwas darf bei einem F1-Team, welches laut eigenen Angaben ja bald schon um den Titel kämpfen will, einfach nicht passieren.

Irgendwie bedenklich stimmten auch die Topspeed-Werte der Honda-Cracks. Viel Arbeit für die Japaner, viel Arbeit für Richards und Co. Dazu das kindische Medien-Gemetzel der beiden Piloten. Spätestens am Ende des Jahres wird man sehen, ob dieses gegenseitige Bekriegen der Fahrer den gewünschten Erfolg bringen und wer von den beiden überbleiben wird. Die aus der Formel 1-Geschichte her bekannte gesunde Rivalität der Paarung Mansell/Senna einfach so als Modell her zu nehmen, könnte gründlich in die Hose gehen. Vor allem, wenn man ein Auto hat, welches dringend (gemeinsame?) Weiterentwicklung benötigt. Immerhin konnte Jenson Button zwei WM-Pünktchen an Land ziehen und BAR-Honda somit auf Rang 6 der Konstrukteurswertung schießen...

Lesen Sie morgen Dienstag: GP von Malaysia – Tops & Flops, Teil 2: Von Sauber bis Jaguar.

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Wilson: HANS-Probleme Wilson: HANS-Probleme Tops & Flops, Teil 2 Tops & Flops, Teil 2

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