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Grand Prix von Bahrain 2013

„Keine neuen Eindrücke in Bahrain“

Was Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery über die Änderungswünsche mancher Teams sagt und warum in Spanien ohnehin alles ganz anders sein könnte…

Die Reifen von Pirelli wurden in den vergangenen Wochen von einigen Seiten teils heftig kritisiert. Man könne nicht mehr Vollgas fahren, echtes Racing sei unter solchen Voraussetzungen nicht mehr möglich und ein Grand Prix verkomme zum reinen Taktikspielchen über 300-Kilometer-Distanz, hieß es oft.

Vor allem aus dem Lager von Red Bull Racing wurde zuletzt die Forderung laut, dass man die Pneus verändern müsse. Die Weltmeister hoffen, dadurch die Vorteile ihres Autos besser nutzen zu können.

"Einige Leute behaupten immer, dass man mit unseren Reifen kein echtes Rennen fahren könnte. Aber in Bahrain hat es Zweikämpfe gegeben, die fantastisch waren - zum Beispiel Hamilton gegen Webber. Das war mitreißend", kontert Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery die Kritik.

"Wenn alle andere Reifen haben möchten, dann bringen wir welche. Das Problem ist, dass die Leute, die still sind und mit unseren Reifen zufrieden, nicht die großen Schlagzeilen machen. Gute Nachrichten verkaufen sich halt nicht so gut."

Die Formel-1-Teams sind sich beim Thema veränderte Pneus nicht einig. Nur wenige Rennställe - außer Red Bull Racing - können sich vorstellen, ab Barcelona mit anderen Mischungen anzutreten.

"Ob die Kritik abflaut oder nicht, wird man sehen. Es kann ja sein, dass für Barcelona etwas passiert. Es wird passieren, dass man einfach dieses kritische Fenster der Reifenmischungen etwas größer macht", meint RTL-Experte Niki Lauda, der als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Werksteams natürlich darauf hofft. Die Silbernen haben vor allem in Bahrain erheblich gelitten.

"Am Dienstag werden wir darüber sprechen, ob wir die Reifen verändern. In Bahrain haben sich diesbezüglich keine neuen Eindrücke ergeben", sagt der Pirelli-Motorsportchef.

"Wir könnten jederzeit eine konservative Lösung bieten. Wir könnten richtig harte Reifen bringen, dann wäre es vielleicht einfacher. Aber dann zieht wieder jemand einsam davon. Einige von denen, die sich jetzt aufregen, haben wahrscheinlich vergessen, wie langweilig es früher manchmal war. Vielleicht müsste man sie mit einer langweiligen Saison mal wieder daran erinnern", scherzt Hembery.

"Die Teams und die Fans mögen die aktuelle Situation lieber. Das hören wir immer wieder. Niemand weiß vor einem Rennen, wer gewinnen wird. Das ist doch gut", so der Brite. "Wir bekommen viel Lob von den Teams. Dort sagt man uns, dass die Reifen genau das bieten, was gewünscht wird. Die Promoter sind ebenfalls glücklich, weil es gut fürs Fernsehen ist. Es ist überrascht mich, welche Diskussionen entstanden sind. Vieles ist einfach auch übertrieben dargestellt", nimmt Hembery etwas Druck vom Kessel.

"Kimi sieht das beispielsweise ähnlich pragmatisch wie die meisten Teamchefs. Alle haben die gleichen Produkte zur Verfügung. Am Sonntag wird jemand das Rennen gewinnen. Man muss also für sich sicherstellen, dass man derjenige ist, der gewinnt", erklärt der Reifenfachmann weiter. "Ich bin schon gespannt, wie es ab Europa aussehen wird. Viele Teams planen große Updates für ihre Autos. In Barcelona soll es bei McLaren und bei anderen deutlich vorangehen."

Die Bedingungen beim Europaauftakt in drei Wochen werden ganz anders sein als jene in Bahrain, China oder Malaysia. Der spanische Frühling bringt Temperaturen um 20 Grad, der Asphalt ist ganz anders beschaffen. Gut möglich, dass sich die Probleme, die einige Teams mit den Reifen bei den Überseerennen hatten, von ganz allein relativieren - ohne Eingriff von Pirelli. "Wenn wir Reifen bauen würden, die in Malaysia und Bahrain optimal funktionieren, dann wäre das für die anderen Strecken kein gutes Produkt", sagt Hembery und schließt somit einen Schnellschuss seines Unternehmens aus.

"Das ist eine schwierige Strecke, was die Reifen angeht", blickt Lauda in Richtung Barcelona. "Die Kernfrage ist immer die gleiche: Mit welchen Temperaturen haben wir dort zu rechnen? Sicher nicht so warm wie hier. Und wie werden dort die Reifen, die Temperaturen und der Asphalt sich zusammenführen lassen?" Laudas Landsmann Alexander Wurz sagt auf Nachfrage von Motorsport-Total: "Es ist eine ganz andere Energiebelastung der Reifen, das hat auch mit dem Streckenverlauf zu tun."

"Die Teams, die die Daten haben aus den Sektoren und Einzelsektoren, die können sehr viel herauslesen aus den Daten und das werden sie auch tun", meint Wurz. Hembery ist gleicher Meinung und nimmt das Bacrelona-Rennen 2012 (sensationeller Williams-Sieg durch Pastor Maldonado) als Beispiel: "Man kann über die Balance viel erreichen. Das hat Williams im vergangenen Jahr vorgemacht. Die haben sich auf einen Sektor konzentriert und waren dort zur Überraschung vieler dermaßen viel schneller. In dem dritten Sektor haben sie das Rennen gewonnen."

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