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Grand Prix von Bahrain 2013

Beide Lotus-Piloten landeten auf dem Podium

Kimi Räikkönen gibt sich bekanntlich immer nur mit dem Sieg zufrieden – Romain Grosjean jedoch freut sich über seinen Podiumsplatz…

Obwohl Kimi Räikkönen und Romain Grosjean am Rennsonntag in Bahrain zeitweise das Tempo des späteren Siegers Sebastian Vettel mitgehen konnten, waren ihre Waffen im Kampf gegen den dreifachen Weltmeister schlicht und ergreifend zu stumpf.

Zu dieser Ansicht kam nach dem Grand Prix Räikkönen, der von Position acht losgefahren war und mit insgesamt zwei Boxenstopps als Zweiter hinter Vettel, der drei Mal zum Service kam, über die Ziellinie fuhr. "Ich denke, dass wir an diesem Wochenende nicht über den nötigen Speed verfügten um es mit den Red Bull aufzunehmen", analysiert Räikkönen, der nach wie vor auch Zweiter der Fahrer-WM hinter Vettel ist (67:77 Punkte), im Gespräch mit Sky Sports F1. "Wir hätten im Qualifying ein paar Plätze weiter vorne sein können. Letztendlich waren wir aber zu weit von Red Bull entfernt. Platz zwei war das Maximum, was wir hier erreichen konnten."

Räikkönen ging genau wie Vettel mit der weicheren der beiden Pirelli-Mischungen ins Rennen, blieb im ersten Abschnitt jedoch sechs Runden länger auf der Strecke als der amtierende Weltmeister. Dadurch blieb er nach seinem Stopp ein wenig im Verkehr an Platz neun hängen und musste sich anschließend mühevoll wieder nach vorne arbeiten.

Um an Paul di Restas Force India vorbeizukommen, blieb der Finne länger draußen als ursprünglich geplant. Kein ganz risikoarmes Unterfangen, auch wenn Räikkönen darauf hinweist, dass es ganz normal sei, während eines Rennens die Strategie zu variieren.

"Es ist normal, während eines Rennens die Strategie etwas zu verändern", sagt Räikkönen und gibt anschließend zu, dass der Schachzug nicht ganz sicher war: "Je länger man auf der Strecke bleibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man an Boden verliert."

In die Karten spielte ihm dabei seine sehr reifenschonende Fahrweise: "Unser Reifen funktionierte so gut, dass wir den Force India hinter uns halten konnten."

Geändert wurde die Strategie während des Rennens übrigens nicht nur bei Räikkönen, sondern auch bei dessen Teamkollegen Romain Grosjean, der in Bahrain erstmals in dieser Saison mit Rang drei aufs Podium fuhr.

Der Franzose startete im Gegensatz zu Räikkönen auf der härteren Reifenmischung und wollte eigentlich einen langen ersten Stint fahren. Er musste jedoch früher als geplant zum Service kommen, da sich auf der ersten Runde Trümmerteile im Kühler seines Lotus angesammelt hatten, die den E21 buchstäblich zum Kochen brachten.

Laut Lotus-Teamchef Eric Boullier war man trotz dieser Änderungen aber unter dem Strich zufrieden mit den Strategien: "Wir entschieden uns, unsere Fahrer auf zwei unterschiedlichen Strategien ins Rennen zu schicken, wobei wir uns immer die Möglichkeit ließen, noch schnell einen Strategiewechsel zu vollziehen. Unsere beiden Strategien scheinen sich ausgezahlt zu haben."

Nach starken Resultaten in den ersten vier Grands Prix - Räikkönen gewann einmal und wurde zwei Mal Zweiter - entpuppt sich Lotus immer mehr zum härtesten Gegner für Sebastian Vettel und Red Bull Racing. In der Teamwertung ist der Rückstand derzeit überschaubar: Gerade einmal 16 Punkte trennen die beiden Teams.

Die Frage ist nun, ob Räikkönen auch weiterhin Druck auf Vettel ausüben kann. Chef Boullier ist zuversichtlich: "Das wird er durchaus schaffen", ist sich der Franzose sicher.

"Wir werden ihm unter die Arme greifen damit er den Druck aufrechthalten und vielleicht Vettel damit in Fehler zwingen kann. Er ist zweifellos ein unglaublich konstanter und zuverlässiger Fahrer. Auch heute konnte ihn keiner davon abhalten, auf einer guten Position ins Ziel zu kommen."

TV-Experte und Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda hat Lotus im WM-Kampf offenbar ebenfalls auf der Rechnung. Der Österreicher ist voll des Lobes für die Mannschaft aus Enstone: "Die sind beeindruckend, überhaupt keine Frage", meint der ehemalige Weltmeister gegenüber RTL. "Sie haben vom ersten Rennen an angezeigt, was da für ein Potenzial drin ist. Man kann nur den Hut ziehen und schauen, dass man es auch hinbekommt, es so auf den Punkt zu bringen."

Von Kimi Räikkönen ist man nach dessen Formel-1-Rückkehr im Vorjahr Podiumsplätze am Fließband mittlerweile schon gewohnt und auch Siege zählen für den Finnen spätestens seit dem Erfolg beim Saisonauftakt in Melbourne nicht mehr zu einer wirklichen Besonderheit.

Dass Teamkollege Romain Grosjean für Lotus auf das Treppchen fährt kann allerdings noch als etwas Besonderes angesehen werden, vor allem in diesem Jahr. Der Franzose kam in den ersten drei Rennen zwar immer in den Punkterängen ins Ziel, jedoch nie besser als an Position sechs.

Grund dafür waren Anpassungsschwierigkeiten an den E21. Der 27-Jährige war nicht in der Lage, den Boliden reifenschonend am Limit zu bewegen, da er im Gegensatz zu Räikkönen ein Auto bevorzugt, das zum Untersteuern neigt. Lotus wurde infolge dessen tätig, analysierte die Lage umfassend und nahm Umbauten am Chassis vor. Prompt läuft es wieder für Grosjean: In Bahrain wurde er Dritter hinter seinem Teamgefährten, obwohl er nur von Platz elf gestartet war und zu Beginn des 57-Runden-Rennens seine Strategie leicht ändern musste.

"Das war ein gutes Rennen. Ich hatte eine Menge Spaß, ein paar gute Überholmanöver", sagt ein glücklicher Grosjean gegenüber Sky Sports F1. Die vielen Kollisionen auf der ersten Runde hatten jedoch negative Folgen für Grosjean: "Wir hatten uns ursprünglich für einen langen ersten Abschnitt entschieden, mussten jedoch außerplanmäßig früher reinkommen, da sich vor dem Kühler Trümmerteile angesammelt hatten, wodurch die Temperatur rasant anstieg."

"Da dachte ich schon 'Oh Mann, das wird jetzt sehr schwierig.' Doch mein Ingenieur sagte mir das ganze Rennen über, dass ich schnell genug unterwegs sei und dass unser Plan aufgehe. Ich hatte ein richtig gutes Gefühl fürs Auto und hatte dadurch im Rennen auch einen gewissen Handlungsspielraum. Vor allem im Rennen ist unser Auto momentan sehr stark."

Im Gegensatz zur Vorsaison, als Grosjean immer wieder durch teils selbstverschuldete Unfälle Nullnummern geschrieben hatte, legt der ehemalige GP2-Meister in dieser Saison schon eine gewisse Konstanz an den Tag. Nun ist er allerdings wieder in der Spitzengruppe zu finden und nicht auf den hinteren Punkterängen.

"Die ersten drei Rennen waren nicht leicht, auch wenn ich jedes Mal in die Punkte fuhr", bilanziert Grosjean. "Zusätzlich zu dieser Konstanz sind wir jetzt wieder auf einem guten Leistungs-Level." Nun gelte es, intensiv weiterzuarbeiten: "Ich bin mir sicher, dass wir dann noch einige gute Ergebnisse einfahren können."

Lotus-Teamchef Eric Boullier hebt hervor, welche Anstrengungen seine Mannschaft unternahm, um Grosjean wieder aufs Podium zu hieven: "Das Team hat sehr intensiv gearbeitet, schaute sich jedes noch so kleine Detail an und arbeitete daran", so der Franzose.

"Unter anderem nahmen wir Veränderungen am Chassis vor. An diesem Wochenende verbesserten wir einige Dinge, die ihm den Umgang mit dem Auto erleichterten und ihm den Spaß am Fahren zurückbrachten. Man konnte im Rennen sehen, dass Romain großen Spaß an den Überholmanövern hatte. So einen Romain wünschen wir uns."

Im Vorjahr war Grosjean immer wieder teils heftiger Kritik ausgesetzt. Speziell in den Anfangsphasen der Rennen fiel er immer wieder durch haarsträubende Manöver auf, die häufig in Kollisionen endeten.

Den größten Patzer leistete er sich beim Rennen im belgischen Spa: Er geriet kurz nach dem Start mit Lewis Hamilton aneinander, wurde in die Luft katapultiert, löste eine Kettenreaktion aus und verfehlte mit seinem Auto in der La-Source-Haarnadel nur knapp den Helm von Fernando Alonso.

"Romain durchlief nach dem Rennen in Spa vergangenes Jahr eine schwierige Phase", weiß Boullier. "Er musste erst einmal sein Selbstvertrauen wieder aufbauen und arbeitete im Winter sehr intensiv an seiner Persönlichkeit."

Auch mit Hilfe eines Experten: "Er nahm die Dienste eines Mental-Trainers in Anspruch", verrät Boullier. "Er hatte dann keinen einfachen Saisonstart. Seine Saison geht jetzt mit diesem guten Ergebnis erst richtig los."

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