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Grand Prix von Italien 2013

Das italienische Motorsportfest

Auf keiner Rennstrecke erreichen die Formel 1-Boliden solch hohe Geschwindigkeiten wie beim Grand Prix von Italien in Monza.

Im Königlichen Park der norditalienischen Lombardei kriecht den Formel-1-Fans bei Kurvennamen wie Parabolica, Lesmo oder Variante Ascari ein Kribbeln den Rücken hinunter. 15 Kilometer nordöstlich von den Toren Mailands - der zweitwichtigsten Metropole Italiens - gelegen, wäre Monza eigentlich eine verschlafene Kleinstadt, wären da nicht zigtausende Fans aus aller Welt, die beim Grand Prix von Italien die engen Straßen in ein heilloses Chaos verwandeln.

Rennbesucher, die in Mailand nächtigen, sollten morgens mindestens zwei Stunden einrechnen, bis sie an der Strecke eintreffen, und abends kaum weniger, um wieder zurückzukommen. Diejenigen, die ihre Idole einmal ganz aus der Nähe sehen möchten, sollten sich am besten schon ganz früh morgens in der Nähe des Parkplatzes hinter dem Fahrerlager in Position begeben. Hier haben sie auch die beste Möglichkeit, das eine oder andere Autogramm zu erhaschen.


Ausgetragen wird der Grand Prix von Italien, seitdem es die Formel-1-Weltmeisterschaft gibt - nur der Grand Prix von Großbritannien wurde ebenso ununterbrochen ausgetragen. Die Strecke inmitten eines schönen Parks hat sich über all die Jahre verändert, aber die unveränderte Start- und Zielgerade erinnert an die lange Vergangenheit des Kurses. Seit 1950 fand der Grand Prix von Italien bisher 63 Mal statt: 62 Mal in Monza und einmal, 1980, in Imola. Zwischen 1950 bis 1957 wurde in Monza sogar das jeweilige Saisonfinale ausgetragen.

Monza ist ein Platz der Geschichte und der Inbegriff italienischer Motorsport-Leidenschaft: Der letzte Sieg eines Italieners beim Monza-Grand-Prix liegt mittlerweile zwar 47 Jahre zurück - damals gewann Ferrari-Pilot Ludovico Scarfiotti -, doch das hält die Tifosi nicht davon ab, in jedem Jahr in Monza wieder ein wenig Motorsport-Geschichte zu erleben. Ein Blick in das Geschichtsbuch verrät, welch einmalige Historie Monza hat: 1960 fuhr Phil Hill in einem Ferrari Dino 246 das letzte Mal mit einem Frontmotor einen Sieg heraus. Emerson Fittipaldi drehte 1971 das letzte Mal in der Geschichte der Formel 1 mit einem Allradauto seine Runden.

1971 war sowieso ein besonderes Rennen in Monza, als Peter Gethin mit nur 0,010 Sekunden Vorsprung vor Ronnie Peterson gewann - Rekord! 1958 sahen lediglich drei Autos das Ziel - ebenfalls Formel-1-Rekord. 1971 gab es sage und schreibe 41 Führungswechsel - einmalig in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports. Die schnellste Formel-1-Runde aller Zeiten drehte Juan-Pablo Montoya im Jahr 2002 - mit 259,823 km/h Schnitt!

Bereits im Jahr 1922 fand im Königlichen Park zu Monza der erste Grand Prix von Italien statt. Auch die Formel 1 gastiert seit 1950 in Monza, wo zwischenzeitlich auf einer rund zehn Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke gefahren wurde. Besonders bekannt ist Monza für die Steilkurve, auf der heute aber nicht mehr gefahren wird. An sie erinnert nur noch eine Betonruine, die Jahr für Jahr mehr der Witterung zum Opfer fällt. Pläne, sie abzureißen, wurden nach Protesten auf Eis gelegt. Wo heute mehrere Schikanen die Formel-1-Autos einbremsen, wurde früher überall mit Vollgas gefahren, weswegen es in Monza viele Todesopfer zu beklagen gab.

Die Traditionsstrecke ist damit leider auch ein Ort mit einer tragischen Vergangenheit. Im Jahr 2000 starb ein Feuerwehrmann, als es nach dem Start zu einer Massenkollision kam und ein herumfliegendes Rad den Mann tödlich traf. 1961 starben der deutsche Ferrari-Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips und 15 Zuschauer. Der Österreicher Jochen Rindt verlor 1970 im Qualifying in der Parabolica sein Leben und wurde als einziger Fahrer in der Geschichte posthum Weltmeister. 1978 starb der Schwede Ronnie Peterson an den Folgen eines Startunfalls. Auf der Trage hatte er sich noch seine verletzten Beine anschauen können. Niemand rechnete damit, dass er sein Leben lassen würde. Doch eine Lungenembolie ließ ihn über Nacht versterben.

Mit einem Schnitt von über 250 km/h ist das Autodromo Nazionale di Monza die schnellste Formel-1-Rennstrecke im Kalender. Der 5,793 Kilometer lange Kurs beansprucht wegen der brutalen Verzögerungsmanöver vor allem die Bremsen, aber auch die Reifen, die besonders in den schnellen Kurven wie der Curva Grande und der Parabolica stark belastet werden. Im Rennen ist der Kurs 53 Mal zu umrunden, was einer Renndistanz von 306,720 Kilometern entspricht.

Mehr als 70% Vollgasanteil

Die ebene Pistenoberfläche ermöglicht das Fahren mit geringer Bodenfreiheit, was in den Kurven zu besserer Bodenhaftung führt und die sowieso schon flach eingestellten Flügel noch flacher werden lässt. Zu rund 70 Prozent geben die Piloten in der Runde Vollgas und sorgen dafür, dass der Benzinverbrauch dementsprechend hoch ist und die Motoren bis an ihre Belastungsgrenze getrieben werden. Vor der ersten Schikane, die 2000 umgebaut wurde, werden die Piloten Geschwindigkeiten von knapp 350 km/h erreichen.

In der Parabolica wirken vier Sekunden lang bis zu 3,1 g auf die Piloten. Nur zehn Prozent einer Runde verbringen die Fahrer mit dem Betätigen des Bremspedals. Pro Runde sind 40 Gangwechsel vonnöten. Der schnellste Scheitelpunkt einer Kurve wird mit 300 km/h durchfahren - in der Curva Grande. Die längste Volllast-Passage ist 1.200 Meter lang. Es ist die Zielgerade, auf der die Autos mehr als 320 km/h schnell werden. Am langsamsten sind die Fahrzeuge in den Schikanen. Dort fällt das Tempo kurzzeitig auf bis zu 70 km/h.

"Der Kurs ist körperlich zwar nicht besonders anstrengend - aber trotzdem ist er nicht einfach zu fahren. Wir fahren wegen der langen Geraden mit wenig Flügeln, deshalb ist das Auto sehr labil im Heck und droht besonders in den Lesmo-Kurven ständig hinten auszubrechen. Das Rausbeschleunigen aus der Parabolica ist eine Gratwanderung, weil sie hinten aufmacht. Beim kleinsten Fehler rutscht das Auto ins Kiesbett“, meint Sebastian Vettel.

Paul Hembery:

"Monza ist im Vergleich zu anderen eigentlich eine einfache Strecke. Dort ist Highspeed der einzig entscheidende Faktor. In Sachen Reifen gilt es, dort dann die harten Bremsmanöver aus hohem Tempo zu bewältigen. Man muss sie Reifenflanken auf Temperatur bringen und Blasenbildung verhindern. Das ist die einzige Problemstellung in Bezug auf Reifen in Monza. Der Rest ist eigentlich ganz klar."

Updates:

Alle Autos werden für Monza speziell umgebaut, da es die Streckencharakteristik verlangt. Mercedes hatte schon in Spa angekündigt, das High-Speed-Paket optimieren zu müssen. Dieses war schon beim Grand Prix von Belgien zum Einsatz gekommen. Der größte Umbau wird bei Lotus erwartet. In Monza soll das neue Update, dass unter anderem den verlängerten Radstand beinhaltet erstmals zum Einsatz kommen. Man darf gespannt sein, wie sich diese Maßnahme auswirkt.
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