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Grand Prix von Australien 2014

Starkes Mercedes-Werksteam

Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg auf den Plätzen eins und zwei, dahinter Fernando Alonso (Ferrari) und Sebastian Vettel (RBR).

Der Tag hatte mit einem defekten Sensor bei Lewis Hamilton, der den gesamten Antriebsstrang präventiv abschaltete, zwar schlecht begonnen, aber am Ende strahlten die Silberpfeile in der australischen Sonne dann doch : Mit einer Bestzeit von 1:29.625 Minuten setzte sich Hamilton in Melbourne an die Spitze des Tagesklassements, 0,157 Sekunden vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg - und dann kam erstmal lange nichts!

Aber noch beeindruckender als die halbe Sekunde Vorsprung auf den ersten Verfolger Fernando Alonso (Ferrari) waren die Longruns von Hamilton/Rosberg: Während die Konkurrenz von Red Bull, Ferrari und McLaren mühsam Runden im Bereich von 1:34.5 Minuten drehte, fuhren die Silberpfeile meistens um eine volle Sekunde schneller. Schnellster Longrun-Mann war am Ende Rosberg, der im Gegensatz zu Hamilton mit den härteren Medium-Reifen unterwegs war.

"Ich fühle mich ziemlich wohl im Auto, es war ein guter Tag", lautet Hamiltons Zwischenbilanz. Teamkollege Rosberg warnt aber vor verfrühter Euphorie: "Wir haben noch viel zu lernen, vor allem beim Spritverbrauch. Wir hatten auch ein paar Probleme mit dem Brake-by-Wire-System. Es hat funktioniert, dann wieder nicht. Aber wir haben viel gelernt. Jetzt bereiten wir uns auf den Samstag und natürlich auf den Sonntag vor."

Der längste Longrun ging heute auf das Konto von Vettel, der zwar nicht die schnellsten, dafür aber sehr konstante Zeiten fahren konnte. Lokalmatador Daniel Ricciardo (6./+0,913) im zweiten Red Bull ist zufrieden: "Ich will uns nicht stärker reden als wir sind. Fakt ist aber, dass wir einen guten Freitag hatten und viele Runden abgespult haben. Die Leistung ist nicht die, die wir schon befürchtet hatten. Wir sind auf dem Vormarsch", freut sich der Australier.

Weltmeister Vettel fehlten am Ende 0,756 Sekunden auf die Spitze, aber nach den miserablen Wintertests darf das für den Start ins erste Rennwochenende als Erfolg gewertet werden. "Vettel ist gar nicht so weit weg", findet auch Experte Marc Surer - und sieht jetzt sogar absolut intakte Titelchancen für den fünfmaligen Champion: "Es liegt auf jeden Fall wieder drin. Aber er hat mehr Konkurrenz als in der Vergangenheit."

"Ich glaube, wir sind heute fast so viel gefahren wie im ganzen Winter", analysiert Vettel nicht ohne Galgenhumor. "Man hat es uns heute nicht angemerkt, dass die Vorbereitung vielleicht nicht ganz so gut war. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Wichtig ist: Wir werden weiter dazulernen - und das ist schon mal ein riesiger Schritt nach vorne. Ich denke, darauf lässt sich aufbauen. Ich war auch nicht so richtig zufrieden mit meiner Runde. Der Abstand muss also keine sieben Zehntel sein."

Ganz vorne ist für den ehemaligen Formel-1-Piloten Surer indes "alles wie erwartet", mit Ausnahme von Alonso, den er nicht so stark auf der Rechnung hatte. Solide aber auch McLaren: Jenson Button (+0,885) wurde heute Fünfter, Rookie Kevin Magnussen (+1,406) Neunter. Williams konnte die Plätze drei und vier von heute Mittag nicht ganz halten, aber Valtteri Bottas (+1,295) schaffte als Achter immerhin wieder den Sprung in die Top 10.

"Ich bin sehr glücklich mit unseren Longruns, die Pace sieht gut aus", strahlt Williams-Technikchef Pat Symonds. "Es ist ziemlich ausgeglichen, und viele Autos fahren auf Longruns eine ähnliche Pace. Und auf kürzeren Runs mit weniger Benzin schätze ich, dass wir in besserer Form sind, als die Zeiten vielleicht zeigen." Denn Routinier Felipe Massa (+1,494) musste sich am Nachmittag mit dem zwölften Rang zufrieden geben.

Enttäuschend verlief der Trainingsauftakt für Vorjahressieger Kimi Räikkönen (Ferrari). Das Unheil nahm schon seinen Lauf, als er am Boxenausgang einen Start üben wollte, dabei aber ein technisches Problem auftrat - ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich Alonso hinter ihm anstellte. Auch Räikkönens Longruns waren nicht berauschend. Unterm Strich reichte es für den siebten Platz, fast acht Zehntelsekunden hinter dem eigenen Teamkollegen.

Laut war die Formel 1 am ersten Tag der Saison 2014 übrigens nicht, den neuen V6-Turbos sei Dank. Das kommt nicht bei allen gut an: "Der Sound der Formel 1 ist weg. Wir brauchen den alten Sound zurück", flehte etwa Force-India-Boss Vijay Mallya theatralisch in die TV-Kameras, und auch in den sozialen Netzwerken entbrannten bereits erste Diskussionen über das leise Geräusch, das mit dem schrillen Kreischen der gewohnten V8-Sauger nichts mehr gemein hat.

Dafür waren die neuen Prototypen wesentlich zuverlässiger als von manchen Experten vorhergesagt. Zwar schaffte Caterham den ganzen Tag keine einzige gezeitete Runde, und auch Lotus bekleckerte sich nicht gerade mit Ruhm, aber ansonsten lief es für die meisten Teams besser als erwartet. Nur Toro Rosso kämpfte noch mehr als alle anderen mit dem Brake-by-Wire-System - weshalb Jean-Eric Vergne (11./+1,435) und Daniil Kwjat (16./+2,870) Dauergäste im Kiesbett waren.

Beendet wurde die Session mit einigen Ausritten innerhalb weniger Sekunden. Aussteigen mussten danach Nico Hülkenberg (10./Force India/+1,429), der beim Anbremsen auf einer weißen Markierung ausrutschte, und Romain Grosjean (18./Lotus/+4,021), bei dem es ein technisches Gebrechen gegeben haben dürfte. "Sieht nach der Hinterradaufhängung aus", glaubt Experte Surer. Zumindest fuhr Grosjean zwölf Umläufe auf das mickrige Lotus-Rundenkonto.

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