Formel 1

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Grand Prix von Belgien 2014

„Sportwagenfahrer sind auf dem gleichen Stand“

Alex Wurz über den grandiosen F1-Gastauftritt von Andre Lotterer in Spa. Dass der Caterham-Pilot von der F1 „mehr erwartet“ hat, wundert Wurz nicht…

Die Piloten der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) erfahrenen derzeit eine Aufwertung in der öffentlichen Wahrnehmung. Stellvertretend für die Zunft der LMP1-Piloten zeigt Andre Lotterer an diesem Wochenende in der Formel 1, dass sich die Langstrecken-Asse keineswegs hinter den Stars aus der Königsklasse verstecken müssen. Der Audi-Werkspilot stieg am Freitag erstmals in den Caterham und fuhr aus dem Stand auf dem Niveau des Teamkollegen. Die Formel 1 zeigt sich beeindruckt.

"Ich finde es ziemlich cool, dass er nach dem ersten Training gesagt hat, dass er enttäuscht ist. Er hätte geglaubt, dass die Formel-1-Autos mehr Grip haben. Und das spricht dann schon wieder für Le Mans", meint Alexander Wurz. Der Österreicher kennt ebenfalls beide Seiten. In der Formel 1 war Wurz bis 2007 als Pilot aktiv, sein wahres Glück fand er offenbar aber erst anschließend in der Le-Mans-Szene.

Mit der Coolness, die einem 32-jährigen Top-Werksfahrer durch unter anderem drei Le-Mans-Siege und einem Titelgewinn in der WEC verliehen wird, ging Lotterer am Freitag in Spa-Francorchamps am Steuer des Formel-1-Autos zu Werke. Die Bilanz: null Fehler, schnelles Tempo und interessante Erkenntnisse. "Ich hätte mehr Grip erwartet", so der gebürtige Duisburger. "Mein Audi hat mehr Grip. Wir haben mehr Haftung und können mehr pushen." Wer hätte das beim Vergleich von Langstrecke und Formel-1-Sprint gedacht?

LMP1 vs. F1: "Ich habe mehr erwartet!"

Die Eindrücke, die Lotterer von seinen ersten Fahrten im Grand-Prix-Boliden schildert, sind kein Kompliment für die sogenannte "Königsklasse" des Motorsports - vor allem für den dortigen Reifenpartner Pirelli dürften diese Aussagen ein herber Schlag sein.

Und auch einige Teamchefs dürften dort ins Grübeln kommen. Muss es wirklich immer der Youngster sein, der zwar eine dünne Vita, aber eine dicke Geldbörse hat? Lotterer beweist gerade das Gegenteil und erweist allen LMP1-Piloten damit einen großen Dienst.

"Es ist immer gut, wenn ein Sportwagen-Fahrer in die Formel 1 kommt oder auch zurück, wie das mit Webber der Fall war. Außerdem ist es eine Nachricht, dass die WEC-Fahrer auf dem gleichen Stand sind wie die Formel-1-Fahrer, was auch de facto so ist", meint Wurz. "Es ist schließlich die zweitbeste Profiserie hinter der Formel 1. Ich persönlich ziehe es eher vor, in einem LMP1-Werksauto zu sitzen als in einem schlechten Formel-1-Auto, aber das sage ich, weil ich schon Formel 1 gefahren bin, das abgehakt habe."

Lotterer kann die Erfahrung Grand-Prix-Wochenende nun auch endlich in seine Vita aufnehmen. Das war dem gebürtigen Duisburger wichtig. Immerhin war er vor gut zehn Jahren schon einmal so nahe dran. "Verdient hat er es auf jeden Fall, denn er ist ein Top-Rennfahrer. Er ist einer dieser Piloten, die in den jungen Jahren so vielversprechend waren, aber dann durch den Rost gefallen sind und es nicht in die Formel 1 geschafft haben", sagt Toyota-Werksfahrer Wurz.

"Wenn du noch nie in der Formel 1 warst, und selbst wenn du mehrfacher Le-Mans-Sieger bist und mit Audi und in Japan gutes Geld verdienst, kann ich schon verstehen, warum einer das machen will, wenn er die Möglichkeit bekommt", erklärt der Österreicher. Lotterer hat auch den LMP1-Kollegen von Toyota überzeugt: Teamkollege Ericsson im ersten Training geschlagen, im zweiten Durchgang nur 0,043 Sekunden zurück. "Man darf ja nicht vergessen, dass er keinen Test gefahren hat und sich ohne Vorerfahrung reinsetzt", so Wurz.

Wird Andre Lotterer seine guten Jobs bei Audi und in Japan für eine mögliche Formel-1-Karriere aufgeben? Sicher nicht. Auch wenn Caterham-Teamchef Christijan Albers seinen Gaststarter sehr gern halten möchte, so wird es Lotterer wieder "nach Hause" ziehen. Dies wurde sofort am ersten Tag des Grand-Prix-Wochenendes in Belgien deutlich. Der langjährige Audi-Pilot sprach seine teils enttäuschenden Eindrücke aus der Formel 1 offen aus und erzählte den dort anwesenden Journalisten leidenschaftlich aus der WEC.

"Die Autos, die wir in der WEC fahren, sind komplexer. Die Ingenieure können mehr Dinge programmieren, sodass gewisse Sachen automatisiert ablaufen. Unsere technischen Meetings sind länger, dafür haben wir im WEC-Cockpit vielleicht ein bisschen weniger Arbeit", so Lotterer. "Im Zentrum der Arbeit in der WEC steht zum Beispiel die Optimierung des Treibstoffeinsatzes pro Runde." Bezüglich seiner ersten Formel-1-Erfahrungen fiel mehrfach der Satz: "Da hatte ich mehr erwartet."
3. Fr. Training - Ergebnis 3. Fr. Training - Ergebnis 2. Fr. Training - Bericht 2. Fr. Training - Bericht

Ähnliche Themen:

Grand Prix von Belgien 2014

+ Nachberichte

+ Sonntag

Samstag

+ Freitag

+ Vorberichte

Weitere Artikel

30 Jahre Elektro bei Opel

Opel: Corsa-e trifft Kadett Impuls I

Der kleine Opel-Stromer Corsa-e hat einen 30-jährigen Vorfahren: den Kadett Impuls I. Dabei handelt es sich um ein Konzeptfahrzeug, mit dem Opel im Jahr 1990 die Tauglichkeit von Elektroautos im Stadtverkehr testen will.

Die 17. Rennsaison startet am Salzburgring

Suzuki Cup Europe: die neuen Termine stehen

Der geplante Saisonstart für den SUZUKI Cup EUROPE 2020 im polnischen Poznam fiel Corona zum Opfer. Auch der restliche Verlauf der Saison musste umgekrempelt werden. Jetzt steht der Plan. Los geht's in Salzburg.

Reisetourer par excellence

Yamaha FJR 1300 Ultimate Edition im Test

Knapp 20 Jahre hat Yamaha mit seiner FJR 1300 die Herzen vieler Biker erobert. Nun ist Schluss, allerdings wird der Abschied stark versüßt mit einem letzten, edlen Modell: der FJR 1300 "Ultimate Edition".

Aber kein Tank-Turn diesmal ...

Rivian zeigt, was ihr Pickup kann

Das neue Video zeigt den spannenden Elektro-Pickup beim Driften, Klettern und vielem mehr.