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Grand Prix von Belgien 2014

Bitte keine Baby-Formel 1!

Wir bejubeln die Charakterköpfe der Formel 1-Historie und holen jetzt Schulbuben in die Königsklasse? Wie soll das medial und auch sportlich funktionieren?

Michael Noir Trawniczek

"Wer weiß, vielleicht gewinnt er ja nächstes Jahr sogar Rennen. Wenn das Auto gut genug ist, kann er das vielleicht schaffen. Dann werden wohl künftig alle schon mit 16 oder 17 Jahren in die Formel 1 einsteigen." In den Worten von Jean-Eric Vergne schlummert Bitterkeit – schließlich wurde er von einem 16-Jährigen aus seinem Cockpit verdrängt. „Toro Rosso ist nun mal ein Team für junge Fahrer und ich bin jetzt zu alt", sagt Vergne mit einem Anflug von leichter Ironie, der Franzose ist gerade einmal 24 Jahre alt….

Es ist ja wunderbar – für Max Verstappen und seinen Papa „Jos the Boss“. Nur stellt sich dabei die Frage: Welche interessanten Dinge hat ein 17-Jähriger zu erzählen? Was hat er denn schon erlebt? Vor allem: Wenn einer dermaßen schnell nach oben kommt, hat er garantiert nur wenige soziale Kontakte und so gut wie gar kein „Streetlife“ – er kann wahrscheinlich nicht einmal etwas von der letzten Schullandwoche erzählen, weil er sie wahrscheinlich nicht absolvieren konnte, weil er ja wahrscheinlich ein Rennen bestreiten musste. Angeblich sind die Groupies in der Formel 1 ohnehin längst ausgestorben – doch würde es noch welche geben, sie würden in Gefahr geraten, sich wegen Verführung Minderjähriger strafbar zu machen. Man stelle sich den Skandal vor und die Medienwirkung, würde ein Groupie tatsächlich wegen so etwas angeklagt werden. Dabei hätte sie es wohl nur gut gemeint…

Es ist absurd: Man möchte Charakterköpfe in der Formel 1 – und holt jetzt Schulbuben? Ein krasser Gegensatz – und medial schlicht und ergreifend eine Katastrophe! Ein James Hunt hat mit 18 sein erstes Club-Autorennen bestritten und kam mit 26 in die Formel 1. Da hat er mit Sicherheit bereits einiges erlebt, entsprechend war auch sein Auftritt. Bitte nicht falsch verstehen: Nichts gegen 17-Jährige – doch sie können einfach noch keine wirklichen Charakterköpfe sein, weil der Charakter etwas ist, das mit der Zeit und den Erfahrungen wächst…

Dabei ist das nur der mediale Aspekt. Der Sport an sich profitiert davon ebenso wenig: Und wenn er noch so ein Naturtalent ist – es fehlen ihm Erfahrungen. Gute und schlechte. Siegesserien und Niederlagen. Nicht nur im Kart, sondern auch im Auto. Nicht mit dem Papa an der Hand, sondern mit dem Renningenieur…

Man sollte eine verpflichtende Leistungspyramide einführen, deren Stufen nicht übersprungen werden dürfen. Ein Jahr mindestens Formel Ford oder Formel 4, wie sie jetzt heißt – Aufstieg nur nach entsprechenden Ergebnissen, ansonsten noch ein verpflichtendes Jahr. Weitere Stufen mit Formel 3, GP3, World Series und GP2. In die Königsklasse Formel 1 sollten zudem nur jene Fahrer aufsteigen dürfen, die in der GP2 respektive der World Series entsprechende Ergebnisse vorzuweisen haben. Das ist mit Sicherheit ein harter Weg – doch er ist ganz sicher auch eines: charakterbildend.

1. Fr. Training - Ergebnis 1. Fr. Training - Ergebnis Papa hat gezahlt: Chilton fährt Papa hat gezahlt: Chilton fährt

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