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Grand Prix von Belgien 2014

Bravissimo Daniel!

Daniel Ricciardo gewinnt den Grand Prix von Belgien vor Nico Rosberg und Valtteri Bottas – Hamilton muss nach einer Kollision mit Rosberg aufgeben.

"Gegen die Mercedes haben wir nur eine Chance, wenn sie sich gegenseitig ins Auto fahren": Die Aussage von Helmut Marko vor dem Start zum Grand Prix von Belgien sollte sich als prophetische Meisterleistung herausstellen. Denn während der "Krieg der Sterne" eskalierte und es zur Kollision zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton kam, sicherte sich Daniel Ricciardo seinen dritten Saisonsieg.

Aber die entscheidende Szene in Spa-Francorchamps ereignete sich schon in der zweiten Runde: Rosberg, der schlecht gestartet und zunächst nur Dritter war, saugte sich aus Eau Rouge heraus an seinen führenden Teamkollegen heran und attackierte diesen außen in Les Combes. Obwohl er zurücksteckte, kam es zu einer Berührung zwischen Frontflügel (der dabei beschädigt wurde) und linkem Hinterrad von Hamilton.

Hamilton schlitzte sich dabei den Reifen auf und fiel ans Ende des Feldes zurück, spielte im Rennen keine Rolle mehr. Rosberg wurde dadurch zwar auch aus dem Rhythmus geworfen, rettete aber 18 wichtige Punkte für die Fahrer-WM. "Ich habe schnell aufgeschlossen, habe angegriffen und dabei haben wir uns leider berührt", schildert er die strittige Situation. "Aus Teamsicht ist es enttäuschend, aber so ist es nun einmal."

Krieg der Sterne eskaliert

Mercedes-intern ist nach dem Eskalieren des Stallkriegs Feuer am Dach: "In der zweiten Runde darf das nicht passieren. Mir wurscht warum, das ist inakzeptabel", schimpft Aufsichtsratschef Niki Lauda. "Der 'Krieg der Sterne' zieht nun in das Management rauf." Inklusive großer Krisensitzung um 16:45 Uhr an der Strecke. Und auch Sportdirektor Toto Wolff tobt: "Es gibt nur eine Regel: Ihr fahrt euch nicht gegenseitig in die Karre! Das ist heute passiert."

Hamilton kämpfte nach seinem Reifenwechsel mit einem schwierigen Heck, bat via Funk mehrmals darum, aus dem Rennen genommen zu werden, um den Motor für den WM-Kampf zu schonen. Das lehnte der Kommandostand aber ab: "Dein Tempo ist gut. Wenn ein Safety-Car kommt, ist noch alles möglich." Sechs Runden vor Schluss gab Hamilton dann trotzdem auf - offiziell, weil die Ingenieure in den Daten etwas Ungewöhnliches entdeckt hatten.

Nutznießer war Ricciardo, der sich unter den Buhrufen von 47.000 Zuschauern für Rosberg als verdienter Sieger gefeiert wurde. Der Australier profitierte von einem Fahrfehler von Teamkollege Sebastian Vettel in Pouhon und erbte die Führung, als Rosberg in der achten Runde an die Box kam, um Reifen und Frontflügel wechseln zu lassen. Von da an fuhr er ein fehlerfreies Rennen - und musste trotzdem bis zum Schluss um den Sieg zittern.

Aufholjagd von Rosberg unbelohnt

Denn Rosberg lag zehn Runden vor Schluss mit 3,6 Sekunden Rückstand an zweiter Stelle, ließ für eine Schlussoffensive aber nochmal weiche Reifen aufziehen. Valtteri Bottas (Williams) und Kimi Räikkönen (Ferrari) waren für den Silberpfeil-Express nur Kanonenfutter - und acht Runden vor der Zielflagge begann er, an seinem 22,5-Sekunden-Rückstand zu knabbern. Den schrumpfte er immerhin noch auf 3,3 Sekunden zusammen.

"Als ich gehört habe, dass Rosberg noch einmal zum Boxenstopp reinkommt, wussten wir, dass es gegen Ende knapp werden würde", schildert Ricciardo. "Ich musste einfach versuchen, die Rundenzeiten beizubehalten und keine Fehler zu machen. In erster Linie hoffst du natürlich, dass alles hält, dass du es in mechanischer Hinsicht bis ins Ziel schaffst. Während der letzten Runden sehnst du dann einfach die Zielflagge herbei."

Vettel stinksauer

Bei Red Bull Racing hängt trotz des Sieges der Haussegen schief, wie man an Vettels Reaktion auf seinen Fehler bei Pouhon ablesen kann: "Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen. Vielleicht hätte ich heute sonst noch einen schönen Funkspruch bekommen, den ich mir so erspart habe", deutet er an, dass er sich nicht mehr ausreichend unterstützt fühlt. Und: "Man schickt mich an die Front, wo scharf geschossen wird. Ich komme mir vor, als stünde ich dort mit einem Holzknüppel."

Um den dritten Platz lieferten sich Räikkönen und Bottas ein rein finnisches Duell, das Bottas nach einem DRS-Manöver bei Kemmel letztendlich souverän für sich entscheiden konnte. Räikkönen kam aber immerhin zum ersten Mal in dieser Saison vor seinem Teamkollegen Fernando Alonso ins Ziel, der seinerseits im sehenswerten Vierkampf um Rang fünf den Kürzeren zog und am Ende Achter wurde - hinter Vettel und den beiden McLaren-Piloten.

Kevin Magnussen führte die Kampfgruppe zunächst an, wehrte sich aber mit Händen und Füßen gegen den viel schnelleren Alonso, der es nahezu überall innen und außen versuchte. Vor Les Combes dann vier Autos nebeneinander, ein paar Meter weiter geht Vettel an Jenson Button vorbei - Racing vom Feinsten! Alonso fiel zurück, weil er erst von Magnussen abgedrängt und dann bei La Source auch noch von Vettel touchiert wurde.

Kurzauftritt für Lotterer

An der Spitze blieb ein solches Rad-an-Rad-Duell aus. Wo Rosberg die entscheidenden Sekunden verloren haben könnte? Vielleicht durch die Reifenfetzen, die sich an seiner Antenne verfingen und ihn eine Zeit lang irritierten; vielleicht aber auch, als er Button nach erfolgreichem Überholmanöver wieder vorbeilassen musste. Nachdem er den McLaren zum zweiten Mal geschnappt hatte, meinte er am Boxenfunk ironisch: "Fragt Charlie, ob dieses Überholmanöver jetzt okay war!"

Die Plätze neun und zehn gingen an Sergio Perez (Force India) und Daniil Kwjat (Toro Rosso). Nico Hülkenberg (Force India) verpasste einen WM-Punkt um 0,3 Sekunden. Adrian Sutil (Sauber) wurde 14. Pech hatte Grand-Prix-Debütant Andre Lotterer: Nach einem hervorragenden Start gab sein Caterham schon in der zweiten Runde den Geist auf. Auch Jules Bianchis (Marussia) Rennen war kurz: Reifenschaden nach Gerangel in der Startphase.

In der Weltmeisterschaft baut Rosberg seinen Vorsprung auf Hamilton nach zwölf von 19 Rennen auf 220:191 Punkte aus. Belgien-Sieger Ricciardo rückt mit 156 Zählern immer näher. Vettel liegt mit 98 Punkten nur an sechster Position. Bei den Konstrukteuren führt unverändert Mercedes (411) vor Red Bull Racing (254), Ferrari (158) und Williams (150). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Europafinale beim Grand Prix von Italien in Monza.
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